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Kobrow: Kutschenmuseum : Museum super - Café leider dicht

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Besucher von einzigartiger Kutschensammlung in Kobrow begeistert, aber enttäuscht wegen geschlossener Gastronomie im Museumsdorf. Das Café lasse sich aber wirtschaftlich nicht betreiben.

svz.de von
erstellt am 22.Aug.2013 | 11:51 Uhr

Kobrow | Sie hatten sich so auf diesen Tages ausflug gefreut. Stellt sich bei Max Wollner und Ehefrau Dorothea aus Seehof Besuch von weiter her ein, gehört eine Fahrt ins Museumsdorf Kobrow zum Programm. Die prächtige Kutschensammlung müsse jeder gesehen haben, meint Max Wollner. Er kennt sich schon aus: Nach dem Rundgang wird im Museums café in aller Ruhe Mittag gegessen und eine Tasse Kaffee getrunken. Das war beinahe wie ein Ritual. Als es in dieser Woche passte, um mit der Schwester seiner Frau und deren Mann - Eva und Oswald Bauer aus Neuenahr in Rheinland-Pfalz - das Museumsdorf zu besuchen, kam für sie die große, ärgerliche Überraschung. Denn es gab weder zu essen noch zu trinken.

Das Museums café hat seit Anfang Juli geschlossen, außer für angemeldete private Feiern oder Gruppen. Es würden auch neue Termine angenommen, hatte Hans Diederichs, Vorsitzender des Fördervereins Sternberger Seenplatte, der das Museumsdorf in Kobrow II betreut, im Juni in der SVZ gesagt. Doch weil die Zahl der Portionen von einmal 100 bis 150 auf nur noch 30 bis 50 zurück gegangen war, wurde die tägliche Mittagsversorgung samt Kaffee und Kuchen eingestellt.

Das Café lasse sich nicht wirtschaftlich betreiben und genauso wenig eine Infrastruktur wie in Kobrow vorhalten. Dazu nehme der zweite Arbeitsmarkt inzwischen einen viel zu geringen Stellenwert ein, so Diederichs. Deshalb stehe der Förderverein ab nächstem Jahr nicht mehr als Beschäftigungsträger zur Verfügung. Er war 1991 gegründet worden, um Menschen in der Region, die ihren Arbeitsplatz verloren hatten, eine neue Beschäftigung zu geben, ähnlich einer Auffanggesellschaft in heutiger Zeit. Der Verein werde die diesjährige Museumssaison zu Ende führen, seinen Geschäfts betrieb aber bis zum Jahresende auf Null zurückfahren.

Für die vier Rentner aus Seehof und Neuenahr kein Trost. Ihr Besuch in Kobrow sei tief getrübt worden, obwohl sie das Kutschenmuseum super finden. "Ganz toll, ich habe noch nie so viele und solche schönen Kutschen gesehen. Ich wüsste nicht, dass es woanders so was gibt", sagt Oswald Bauer. "Sehenswert, wunderbar", schwärmt seine Frau. Sie und ihre Schwester fühlten sich an lange vergangene Zeiten erinnert, an das große Gut der Familie in Ostpreußen, wo sie mit Pferd und Kutsche aufwuchsen. Auf einem Coupé seien dann die wichtigsten Habseligkeiten verstaut gewesen, bis die deutsche Wehrmacht die Pferde nahm und sie die Flucht vor der heran nahenden Front mit einem Zieh wagen fortsetzten. Im Kutschenmuseum würden viele Emotionen hoch kommen. Was hier ausgestellt ist, dürfe auch für die Jugend nicht verloren gehen, sind sich die beiden Rentnerpaare einig. Das einzig artige Museum müsste vielleicht über die Region hinaus noch bekannter gemacht werden, überlegen sie und hoffen, dass sich für das Museums café schnell eine Lösung findet, wie auch immer die aussehen möge, und sei es erst einmal die Möglichkeit, zumindest Getränke kaufen zu können.

Dass Besucher häufiger nach dem Café fragen und dann enttäuscht sind, bestätigt Museumsbetreuer Mathias Rittig. Schon manche, die kommen wollten, seien abgesprungen. Er könne lediglich Einkehrmöglichkeiten in der Umgebung nennen, mehr nicht. Für das Kutschenmuseum sei das wenig förderlich.

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