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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 21:45 Uhr

Warin/ Sternberg : Müll-Schmarotzer verschandeln Städte

vom

Fassungslos steht Armin Freudenhammer, Vorarbeiter im Wariner Bauhof, vor einer großen Halde mit Gestrüpp und anderen Grünabfällen im Ortsteil Klein Labenz. Die grünen Abfallmassen liegen auf kommunalem Land.

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erstellt am 07.Aug.2012 | 07:37 Uhr

Warin/Sternberg | Fassungslos steht Armin Freudenhammer, Vorarbeiter im Wariner Bauhof, vor einer großen Halde mit zusammen geschobenem Gestrüpp und anderen Grünabfällen im Ortsteil Klein Labenz. Die grünen Abfallmassen liegen auf kommunalem Land. Bürgermeister Michael Ankermann gibt grünes Licht, dass zunächst Anlieger in der Nachbarschaft angeschrieben werden. In der Hoffnung, dass diejenigen, die ihren Grünmüll hier abgelagert haben, ihn wieder entfernen. Das scheint im Labenzer Fall nicht aussichtslos.

In vielen Fällen bleibt die Stadt Warin indes auf illegal entsorgtem Müll sitzen. Freudenhammer spricht zynisch von "Geschenken", die der Kommune regelmäßig gemacht werden. Vor allem der zentrale Containerplatz in Warin an der Feuerwehr wird als Müllplatz missbraucht. Insbesondere nach dem Wochenende sieht es hier schrecklich aus. "Vom Sessel bis zum Klobecken, alles, was zum Haushalt gehört, schenken sie uns", sagt der Vorabeiter. Auch Schadstoffe - vom Altöl bis zum Kaltanstrich - entsorgen Bürger an den Recyclingcontainern.

Riesenprobleme gibt es auch auf dem nahe gelegenen Gelände, wo Grünabfälle der Stadt aber auch von Bürgern gesammelt werden. Müllsünder entfernen abends einen Pfahl, der als Absperrung dient, und bringen mit Fahrzeugen ihren Schutt. 40 Tonnen Bauschutt werden im Jahr abgeliefert, sagt Freudenhammer. Nur zehn Tonnen davon stammen wirklich von der Kommune. Wenn der Bauhof den Schutt wegbringt, müssen die Mitarbeiter Gummi, Asbest, Teer und andere Schadstoffe mit der Hand heraus sammeln, die die Illegalen mit auf dem kommunalen Grundstück hinterlassen haben. Anderenfalls wird die Entsorgung ein Vielfaches teurer.

Dietmar Merseburger, der Chef des Bauhofes in Sternberg, berichtet von ähnlichen Erfahrungen. Der Containerplatz an der Feuerwehr sei zu Sternbergs Müllkuhle geworden, erklärt er gestern. Wie der Wariner ist auch der Sternberger Platz schlecht einsehbar. In der dunklen Jahreszeit sei es noch schlimmer.

Auch in Brüel wird ein Containerplatz für die illegale Müllentsorgung missbraucht - der an Feuerwehr. In den letzten beiden Wochen habe sich die Situation zwar etwas beruhigt, so gestern Bauhofleiter Norbert Krienke. Doch in der Zeit davor seien hier u.a. haufenweise Betonbruch, Möbel, Glas und anderer Unrat abgeladen worden. Auffallend für Krienke: Oft sieht es gerade dann an dem Containerplatz besonders schlimm aus, wenn irgendwo in der Stadt Wohnungen entrümpelt werden. Manchmal finden die Bauhofarbeiter auch Adressen auf Dokumenten im Müll, die sie dann an das Ordnungsamt weiterleiten.

Ein anderes Problem in den Städten: Müll-Schmarotzer entsorgen ihren Unrat statt in der eigenen Tonne in öffentlichen Papierkörben. Der Sternberger Bauhof könne die Körbe auch dreimal in der Woche entleeren, sagt Dietmar Merseburger. Am nächsten Morgen sind sie wieder voll, weil offenbar Spaziergänger ihre Mülltüten hineingeworfen haben, um Gebühren zu sparen. Schlimm sei es beispielsweise im Wohngebiet Serrahnsbach und an der Treppe vom Bahnhof zur Karl-Marx-Straße. Neuerdings haben offenbar auch einige die Mülltonnen entdeckt, die die Stadt für ihre Gäste aufgestellt hat, beispielsweise an einer Sitzgruppe zwischen Sternberg und Sternberger Burg, wo Radfahrer Rast machen, oder auch an Ein- und Aussetzstellen für Kanuten.

In Warin gab es schon einmal mehr Probleme mit Papierkörben als heute, sagt Armin Freudenhammer. Aber in einigen finden die Bauhofmitarbeiter noch heute regelmäßig Hausmüll und sogar Elektrogeräte, z. B im Stadtkern in der Straße Am Markt und in der Grabenstraße. Wenn die Bauhofmitarbeiter dann Anwohner in diesen Straßen auf das Problem ansprechen, wisse keiner, "wo die Dreckschweinchen herkommen", wie Freudenhammer sagt.

In Brüeler Papierkörben seien ganz oft Essensreste zu finden, erklärt Norbert Krienke. Besonders auffallend sei dabei die August-Bebel-Straße. Aber auch am Parkplatz am alten Friedhof werden regelmäßig unappetitliche alte Speisereste abgelegt.

Warins Bürgermeister Michael Ankermann bezeichnet die illegale Müllentsorgung als Ärgernis. Man könne nur an die Vernunft appellieren, meint er. Ankermann sieht es allerdings auch als Problem, dass die Bürger zuweilen nicht wissen, wie sie bestimmte Dinge entsorgen können. Hier sei der Landkreis gefragt, besser darüber zu informieren. Bürger, die sich nicht genau auskennen, können sich aber auch jederzeit an das Rathaus wenden, so der Bürgermeister. Die Stadtverwaltung sei mit ihren Tipps behilflich.

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