Nisbill : Motorrad gegen Saporoshez getauscht

Ein Mann, der es im Leben nie einfach hatte und der nicht um den heißen Brei rumredet:  Dettlef Lukat.
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Ein Mann, der es im Leben nie einfach hatte und der nicht um den heißen Brei rumredet: Dettlef Lukat.

Unsere 20 Fragen zum Wochenende beantwortet heute Dettlef Lukat, seit 2004 ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Bibow

svz.de von
20. Dezember 2013, 15:37 Uhr

Von 1979 an in Nisbill wohnend, ist Dettlef Lukat seit 2004 ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Bibow. Mit Blick auf die Kommunalwahlen im Mai 2014 verkündet Lukat: „Ich trete wieder an!“ SVZ-Redakteur Roland Güttler stellt ihm heute unsere 20 Fragen zum Wochenende.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?

Dettlef Lukat: In der Familie. Das ist auch der Ort, um neue Kraft zu tanken.

Was würden Sie als Landrat sofort ändern?

Ich würde mit Blick auf den neuen Kreissitz in Wismar zusehen, dass nicht die gleichen Fehler wie einst mit der Malzfabrik in Grevesmühlen gemacht und die Kosten diesmal im Auge behalten werden.

Wo kann man Sie am ehesten treffen?

Bei meiner Arbeit im „Haus am Bibowsee“, dort bin ich in der Haustechnik sowie im ergotherapeutischen Bereich tätig.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Mit einem SR 2 (das Moped hieß im Volksmund auch „Essigpisser“ – d. Red.) bin ich über die Dörfer gefahren und habe die alten Radios repariert. In den 70ern fielen die Heizröhren bei den Röhrenradios häufig aus. Und da ich damals schon elektrotechnisch versiert war, habe ich die Heizröhren gegen Selengleichrichter ausgetauscht. So habe ich mancher Familie die Töne aus dem Lautsprecher geholt.

Und wofür haben Sie es ausgegeben?

Das Geld wurde gespart für die Anschaffung des eigenen Hausstandes sowie für Instrumentalmusik. Als Autodidakt habe ich fünf Instrumente erlernt, Mundharmonika, Gitarre, Akkordeon, Zitter und Gitarrengeige. In den 70ern war ich bei der Vier-Mann-Kapelle „Team 77“ in Mankmoos dabei.

Was würden Sie gerne können?

Ich möchte all das können, was mich unabhängig von anderen macht. Ich habe Brunnen gebohrt, mich andererseits intensiv mit Karikaturen und Malerei beschäftigt – vor allem hier mit Pointillismus-Arbeiten (mit Punkten und Strichen – d. Red.)…

Was stört Sie an anderen?

Uneinsichtigkeit zur Realität und Profilierungssucht.

Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?

Ich lache oft, bringe auch andere zum Lachen und lache dann selbst mit.

Was Unvernünftiges haben Sie zuletzt getan?

Weiß nicht…

Wer ist Ihr persönlicher Held?

Thomas Müntzer, weil er es auch im Leben schwer hatte, u.a. durch Intrigen von Seiten Luthers.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Ich bin nicht der große Leser; wenn, dann ist es was mit Technik, Fachliteratur.

Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?

Ich bin kein großer Fernsehgucker. Erlaubt es die Zeit, schaue ich Kabarett. Aber nicht Mario Barth! Sondern Dieter Nuhr und andere, weil Nuhr & Co. sehr nah an der Realität sind.

Wo trifft man Sie eher: bei der Karnevalsfeier oder bei einem Fußballspiel?

Eher beim Karneval. Aber da der Enkel Fußballfan ist und auch selbst spielt, muss der Opa schon mal dabei sein. Das ist Verpflichtung…

Wen würden Sie gerne mal treffen?

Den russischen General Alexander Lebed, ist aber leider bereits verstorben. Dieser erwiderte Anfang der 90er kurz vorm Ende des russischen Afghanistan-Einmarsches gegenüber Boris Jelzin: Er gehe nur dann nach Afghanistan, wenn Jelzins Kinder mitgehen…

Wenn Sie nicht selbst kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?

Ich bevorzuge generell einheimische Gerichte.

Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?

„Albany“ von Roger Whittaker und „Patrona Bavariae“ vom Naabtal Duo. Das sind Lieder, die gehen so unter die Haut. Von allem „Albany“. Ich bin mit zwölf elternlos geworden und war danach zwei Jahre im Heim in Wendorf. Musik kann so viel Kraft geben…

An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?

Das war mein zweites Auto zu DDR-Zeiten, ein Saporoshez. Den bekam ich von Michael Bühner aus Groß Labenz Ausbau, der damals aber schon in Warin wohnte, geschenkt. Zuvor hatte ich ihm mein Motorrad geschenkt, eine ES Trophy 250. Das war schon eine Gute, schluckte jedoch ganz schön Sprit. Das Motorrad ist gelaufen, das Auto war kaputt. Ich habe es selbst repariert und auch neu gespritzt. Damit konnte ich dann die ganze Familie transportieren und wir hatten ein Dach überm Kopf beim Fahren.

Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?

Selbst fliegen zu können. Diesen Traum hatte ich schon als Kind, als ich mit dem Rücken auf der Wiese von Rothenmoor bei Klein Labenz lag. Das war unsere Verbannung, dies empfinde ich auch heute noch so, als Mutter und wir Kinder Anfang der 70er das Schweizerhaus in Klein Labenz verlassen mussten. Ich fliege heute oft bei meinem Kumpel mit von Neustadt-Glewe oder Wismar-Müggenburg aus. Aber den Flugschein machen, das wär’s…

Was werden Sie als Rentner machen?

Ich will eine Biografie schreiben, um der Nachwelt was zu hinterlassen. Damit diese weiß, wer sich hier warum eingebracht hat. Da kommt alles rein, wie es war.

Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?

Alle, die in politischer Verantwortung und in Führungspositionen stehen…





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