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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

20. November 2017 | 05:12 Uhr

Warin : Mosambik – Erfahrung fürs Leben

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Dr. Gundula Hinz aus Warin nahm vier Wochen an einem Workshop in dem afrikanischen Land teil. Das einfache Leben dort lehrt mehr Wertschätzung für die Situation zu Hause.

von
erstellt am 10.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Einen Einsatz im fernen Ausland hatte sie schon immer vor. Doch für eine Ärztin wäre der nie unter einem Jahr abgelaufen. Das habe als Mutter von drei Kindern „nicht in die Lebensplanung gepasst“, sagt die Warinerin Dr. Gundula Hinz, Kinderärztin im Ruhestand. 1994 sollte es dann über die Hilfsorganisation Care für vier Wochen nach Ruanda in Ost-Zentralafrika gehen. Zwei Tage vor dem geplanten Flug habe Care abgesagt, weil sich der Völkermord in dem Land zuspitzte und die Reise zu gefährlich geworden wäre. „Wer weiß, wozu das gut war“, blickt die 65-Jährige zurück. „Doch der Gedanke an so einen Einsatz steckte weiter im Kopf.“


Nicht als Ärztin – nur mit Reiseapotheke


Als dann im Februar 2016 Mathias Kohrt aus Neukloster in der Bibower Dorfkirche von dem Entwicklungshilfeprojekt „Fonte da Vida – Quelle des Lebens“ in einem Kinderzentrum für Aids- und Sozialwaisen in Mosambik berichtet und dabei erwähnt hatte, dass noch im Mai und August vier Wochen dauernde Workcamps vorgesehen seien, meldete sich die Warinerin, denn so eine überschaubare Zeit sei ihr „sehr zupass“ gekommen. „Ich habe anfangs gedacht, dass junge und knackige, leistungsfähige Leute gesucht werden“, erzählt die 65-Jährige schmunzelnd. „Doch das Alter spielte keine Rolle. Entscheidend war, gesund zu sein und mit einfachen Lebensverhältnissen klar zu kommen.“

Hinz sei jedoch nicht als Ärztin mitgefahren, habe nur die Reiseapotheke mit gehabt, weil der Einsatz über keine staatliche Hilfsorganisation lief, sondern über eine Privatinitiative. Jutta Pfistner betreibe das Camp seit 2005, nachdem sie selbst an einem in Ghana teilgenommen hatte. Die Berlinerin habe in Mosambik Land gekauft und sei ständig unterwegs, um Geld für das Kinderzentrum aufzutreiben. Der Berliner Senat mache mal was locker, ebenso die Baptistengemeinde, der Pfistner angehöre. Zweimal im Jahr – außerhalb der Regenzeit – komme eine Gruppe von Helfern. Jeder bezahle den Flug selbst und bringe auch mehr Geld mit als er in der Zeit verbrauche, erklärt Hinz.

Mit dem Projektbetreuer seien sie im August 2016 zu zehnt gewesen, zwischen 24 und 74 Jahre alt. Die Warinerin habe sich kleine Verletzungen angesehen oder mal bei Infekten geholfen, doch hauptsächlich„richtig gearbeitet“. Die Kinder seien „gesundheitlich nicht so schlecht versorgt“.


Etagenbetten und jeden Tag Reis


Die Männer aus der Gruppe hätten die schwereren handwerklichen Arbeiten erledigt, die Frauen die Häuser gestrichen. Zugleich seien Vorbereitungen zum Bau einer Schule in dem Kinderzentrum gelaufen. Die Steine würden selbst gegossen und in der Sonne getrocknet. Es bestehe Schulpflicht, die werde aber oft nicht eingehalten, weil Schulen fehlten oder zu weit entfernt seien.

Die Teilnehmer übernachteten in Gemeinschaftsunterkünften mit Etagenbetten und unter Moskitonetzen, das Essen war einfach. „Jeden Tag Reis mit Bohnen oder anderem Gemüse, auch abends“, so Hinz. Freitags habe es Nudeln mit Fisch gegeben. „Aber dann waren wir manchmal gar nicht da, sondern auf Ausflügen.“ Vier Tage Arbeit und drei frei hätten sich abgewechselt.

Infrastruktur und Tourismus seien völlig am Boden. Die Portugiesen hätten zum Ende ihrer Kolonialherrschaft 1975 „alles kaputt gemacht“, dann die Partisanengruppen Frelimo und Renamo einen erbitterten Bürgerkrieg geführt; „die sozialistische Zeit hat das Land auch nicht vorangebracht“. Erst seit 2014 sei „wirklich Ruhe“, es bestehe ein Zwei-Parteien-Parlament aus Frelimo und Renamo. Mosambik mit 2700 Kilometern weißem Sandstrand am Indischen Ozean, Nationalparks und Reservaten könne ein Urlaubsparadies werden, meint Hinz.

„Wenn man sieht, wie die Menschen jetzt dort leben, wird man ein Stück zurückgeholt und lernt, die eigene Situation mehr zu wertschätzen“, sagt die Warinerin. Die Reise sei eine „Erfahrung fürs Leben“ gewesen, habe aber „rundum Spaß gemacht“. Daher wolle sie „nicht ausschließen“, so einen Einsatz erneut anzugehen.

Zur Person: Dr. Gundula Hinz, Jahrgang 1951, drei Kinder, zog mit ihrem Mann 2002 „aus der Ludwigsluster Ecke“ nach Warin. Die Kinderärztin arbeitete 20 Jahre im Stift Bethlehem Ludwigslust, fünf Jahre in einer Mutter-Kind-Klinik auf der Insel Poel und die letzten acht Berufsjahre im Gesundheitsamt Wismar. Dort wie auf Poel hilft sie noch bei Bedarf aus. „Es macht besonders viel Spaß, wenn man sich das aussuchen kann“, sagt sie. Über ihren Einsatz in Mosambik berichtete sie in „Begegnungen in der Dorfkirche“ in Bibow.

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