Serie „Sternberger Kuchen“ – Teil 3 : Morsches Holz – oder der Wurm, der keiner ist

Ungewöhnlich großes versteinertes Treibholzstück (Koniferen- oder Nadelholz) mit Astansatz aus dem Oligozänmeer – ein Fundstück aus der Kiesgrube Kobrow.
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Ungewöhnlich großes versteinertes Treibholzstück (Koniferen- oder Nadelholz) mit Astansatz aus dem Oligozänmeer – ein Fundstück aus der Kiesgrube Kobrow.

Bei Raritäten aus dem „Sternberger Kuchen“ geht es in Teil 3 um eine Bohrmuschel.

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29. Juni 2016, 20:45 Uhr

Er war der Albtraum antiker römischer Seeleute; Christoph Kolumbus hat den Verlust einiger seiner Schiffe ihm zu verdanken und auch heute noch ist er als Zerstörer mariner Holzbauten (Buhnen, Hafeneinrichtungen usw.) sehr gefürchtet.

Seit 1993 verursacht er zum Beispiel an verschiedenen Küstenabschnitten in MV erhebliche Schäden an Buhnenpfählen, für deren Erneuerung Millionen an Euro ausgegeben werden müssen. Die Rede ist vom „Schiffsbohrwurm“, der in Wirklichkeit eine Muschel (Teredo navalis) ist, die zur Familie der Bohrmuscheln (Teredinidae) gehört.

Bei dieser wurmförmigen, hoch spezialisierten Muschel sind die Klappen zu Bohrwerkzeugen umgewandelt, mit der sich das Tier wie eine Tunnelfräsmaschine ins Holz raspelt. Die abgeraspelten Holzteilchen werden von der Muschel aufgenommen und mit Hilfe von Enzymen und Bakterien in Zucker umgewandelt, der ihr als Nahrung dient. Zeitgleich mit dem Vortrieb im Holz stabilisiert die Muschel den entstandenen Hohlraum mit einer dünnen, röhrenartigen Kalkwand und schafft so bis zu 20 Zentimeter lange Wohnröhren, die bei starkem Befall dicht an dicht sitzen und so die Struktur des Holzes bis zum totalen Zerfall zerstören können.

Ein Beleg für fossile Teredo-Wohnröhren findet sich auch in versteinerten Treibholzstücken, die gelegentlich in Kobrow gefunden werden und sich altersmäßig aufgrund der Begleitfauna dem Sternberger Gestein zuordnen lassen.

Das in der Abbildung gezeigte, im damaligen Oligozänmeer schwimmende, ungewöhnlich große Treibholzstammstück mit Astansatz wurde von Bohrmuscheln (Teredo sp.) so stark angebohrt, dass es vor 28 Millionen Jahren auf den Meeresboden sank und hier im feinkörnigen Schlamm eingebettet wurde. Der Schlamm füllte auch die Wohnröhren, die als wurmartige, unregelmäßig verlaufende Strukturen versteinerten und neben dem mineralisierten Restholz überliefert wurden.

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