Brüel : Modernes Wohnen im Denkmal

Petra und Ekkehard Graf sanieren das unter Denkmalschutz stehende Stift mit viel Liebe zum Detail.
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Petra und Ekkehard Graf sanieren das unter Denkmalschutz stehende Stift mit viel Liebe zum Detail.

Private Investoren nehmen Herausforderung an: Im ehemaligen Brüeler Stift entstehen Wohnungen.

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10. Dezember 2013, 16:35 Uhr

Es wird tüchtig gewerkelt im großen, roten Backsteinbau in der Friedrich-Engels-Straße in Brüel. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist vielen Brüelern besser als Stift (Witwenhaus) bekannt. Die Familie von Friedrich Garfs hatte es 1928/29 für Witwen erbaut. Doch als vor rund zehn Jahren die letzten Mieterinnen ausgezogen waren, stand das Haus leer.

Nun hat es einen neuen Eigentümer: Petra und Ekkehard Graf aus Blankenberg. „Wir haben das Haus, bis die letzten Damen ausgezogen sind, immer für die Stadt verwaltet“, sagt Ekkehard Graf von der Graf Hausverwaltung. Man wusste also, worauf man sich einlassen würde. „Wir werden langsam älter und haben uns nach einem schönen alten Haus in einer ruhigen Wohnlage umgeguckt“, begründet er. Bei dem Stift passte beides. Und mit den von der Denkmalpflege gemachten Auflagen könne das Ehepaar auch sehr gut leben, sagt Ekkehard Graf. „Wir mögen Holzfenster mit Sprossen“, nennt er ein Beispiel.

Die größte Herausforderung in dem Haus sei, modernes Wohnen in einem Denkmal zu ermöglichen. Was auch die größte Schwierigkeit gewesen sei: Vorab musste geklärt werden, ob die Immobilie vernünftige Grundrisse hergibt, sagt der Bauherr.

Früher hat es hier zwölf Einzelzimmer, aber nur zwei Toiletten und eine Dusche gegeben, künftig sollen es vier moderne Zwei-Raum-Wohnungen sein und eine weitere, größere, die die Bauherren selbst beziehen wollen. Doch Letzteres habe keine Eile, sagen beide.

Rund um das Haus musste reichlich Gestrüpp beseitigt werden und auch zwei Birken wurden abgenommen. Als die Baumkletterer ihre Arbeit durchführten, gab es gleich eine gratis Vorführung für die Kinder der benachbarten Tagesmütter, sagt Ekkehard Graf. „Von der Nachbarschaft haben wir viel positive Resonanz bekommen. Die Leute freuen sich, dass das Haus nicht mehr leer steht und hier was passiert“, ergänzt seine Frau.

Zurzeit konzentrieren sich die Grafs auf den Innenausbau. Und packen, begonnen mit der Entkernung, auch kräftig mit an. Ekkehard Graf ist fast täglich auf der Baustelle, seine Frau in der Regel am Mittwochnachmittag und am Wochenende. Froh sind beide besonders darüber, dass das Dach wieder dicht ist und laut Holzgutachter, der einige kritische Stellen im Dachstuhl untersucht hatte, auch hier alles in Ordnung ist. Ihre Arbeit im Haus beendet haben bereits Klempner, Heizungsmonteure und Trockenbauer. Der Maurer hat nur noch mit der Dämmung zu tun, der Fliesenleger ist im Haus und der Parkettlegemeister steht in den Startlöchern, um die Fußböden zu schleifen. „Die Dielen sind noch sehr gut erhalten und aus sehr gutem Holz, das langsam gewachsen ist“, weiß Graf zu schätzen. Wo es möglich ist, werden auch hier die alten Fußbodenleisten erhalten und aufgearbeitet. Auch das einstige Treppenhaus wird trotz modernen Wohnkomforts u. a. durch eine zugemauerte Tür erkennbar bleiben. „Wir würden gern mehr über das Haus erfahren und über die Nachfahren der Familie von Garfs. Vielleicht gibt es auch noch alte Fotos, wie Haus und Zaun ausgesehen haben“, wünscht sich Petra Graf.

Anfang des nächsten Jahres sollen dann die beiden ersten Singlewohnungen im ehemaligen Stift zur Verfügung stehen.

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