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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

19. September 2017 | 13:41 Uhr

Gross Raden : Modenschau anno 900 im Tempelort

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vier Tage lebten 80 Mittelalterfreunde das Leben um das Jahr 900 u. Z. im Archäologischen Freilichtmuseum in Groß Raden aus.

von
erstellt am 31.Mai.2014 | 16:10 Uhr

Vier Tage lebten 80 Mittelalterfreunde das Leben um das Jahr 900 u.Z. im Archäologischen Freilichtmuseum in Groß Raden aus. Mit den Gästen kamen sie ins Gespräch, zeigten Einblicke in ihre Handwerks- und Kriegskunst.

Museumsleiterin Heike Pilz hatte für dieses Jahr eine etwas ungewöhnliche Idee mit einer Modenschau. Gemeinsam mit Ontja aus Mölln bereitete sie die etwas andere Modenschau vor und suchte spontan die Modelle dazu aus. Dabei waren Kinder, Frauen und Männer. „Eigentlich ist es eher eine Gewandschau“, sagte Ontja. Sie präsentierte mit ihrem Mann Gandolf ein wohlhabendes Paar aus Haithabu um 930.

Fitten, alias Jens Pape aus Osnabrück, wurde kurzerhand zum Moderator benannt. Er gab kurze Einblicke in das Leben um 900. Dabei gab es auch Spitzen auf die heutige Lebenssituation in Deutschland: Der Gewürzhändler Gandolf hat nebenbei noch andere handwerkliche Arbeiten in Ausübung um die Familie zu ernähren. Das war damals so und ist heute leider wieder so. Auch im wirklichen Leben arbeitet der Möllner in der Gewürzbranche und geht einem Zweitjob nach.

In kriegerischem Gewand der Wikinger kleideten sich Gorm und Andy Freyde und sein Söhnchen Arvid (2) am Donnerstagnachmittag. Die kriegerischen Wikinger aus Eberswalde jedenfalls machten ebenso mit wie viele andere Mittelalterfreunde, als sie gefragt wurden.

Der Bogenschütze präsentierte sich auf dem hölzernen Laufsteg ebenso wie die freie Bäuerin. Sie hatte das Sagen im Hause und musste alles können. In der Sippe hatte der Heilkundige ein gewichtiges Wort, hingegen der Knecht barfuß daher kam. In einem Kilt gehüllt präsentierte sich ein Scote, ein Schotte. Der Kilt, oder Plaid, war eine Decke und hatte den Zweck, sich einzuhüllen, wenn es kalt war. Auch ein Sklavenhändler, der eine Sklavin am Strick führte, kam daher. Und wie es sich für Darsteller des Mittelalters gehörte, wurde natürlich auch kräftig verhandelt über den Verkauf des Menschen.

„Wir waren vor zwölf Jahren das letzte Mal im Freilichtmuseum. Es hat sich einiges verändert, wir sind überrascht“, sagte Jutta Blank. Sie kam mit Mann Ralf und Tochter Saskia aus Bad Kleinen ins Museum und genossen die Gewandschau.

„Unseren Gästen wollten wir einmal etwas anderes bieten und hatten die Idee mit der Gewandschau. Die Darsteller, die hierher kommen, sind seit über zehn Jahren dabei. Sie kennen sich untereinander und so gab es keine Schwierigkeiten, Models herauszufinden“, so Heike Pilz.

Dass etwa 80 bis 90 Prozent der Wikinger aus ihrem Dorf gar nicht herauskamen, erzählte Ontja. In den Orten gab es zahlreiche Handwerker, so dass alles vorhanden war – vom Brot bis zum Schmuck und ein reger Tauschhandel existierte.

Sie selbst ist Gewandschneiderin, auch im wirklichen Leben in Mölln, und verwendet für die Garderobe nur Naturstoffe wie Leinen und Wolle. „Das schon aus Sicherheitsgründen. Die modernen Stoffe enthalten Synthetik. Kommt da ein Funke rauf, brennt man wie eine Fackel. Wolle hingegen fällt als Asche ab. Die Verbrennungsgefahr durch die offenen Feuerstellen ist also sehr viel geringer“, so die 50-Jährige.

Das Handwerk der Brettchenweberei zeigte unter seinem Zeltdach Naskur, alias Jens Schwarzer, von den Leinewölfen. Nebenan demonstrierten Frauen das Nadel binden, Wolle spinnen und Armbänder binden aus Draht.







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