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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

24. August 2017 | 03:17 Uhr

Groß Raden : Mittelalterliche Führung im Tempelort

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Bei Sonnenschein und leckerem Würzwein bot das Archäologische Freilichtmuseum in Groß Raden Einblicke in Hütten und Tempel zur Zeit der Slawen.

Über 30 Teilnehmer lauschten am Silvestervormittag den Worten von Sven Müller zur Führung im Freigelände des Archäologischen Freilichtmuseums in Groß Raden. Der 49-Jährige ist Mitglied des Fördervereins und führte erstmals eine solche öffentliche Führung durch. Wer mochte, nahm sich einen heißen Würzwein mit auf den Weg.

Bei frühlingshaftem Wetter mit Sonnenschein strömte der rauschende Wassergraben unter der Brücke mit dem Zugang ins Innere des palisadenumgebenen Platzes. Seine Bauten aus den Siedlungsphasen des 9. und 10. Jahrhunderts versetzten die Besucher in eine vergangene Zeit.

„Der Solgraben diente zur Verteidigung der Burganlage. Die Wikinger nannten unser Land Burgenland. Über 400 Burgen besiedelten das Land. Die Wikinger selber waren ein kriegslustiges Völkchen, aber nicht hinterlistig. Der zehn Meter hohe Wall hatte im Innen einen drei Meter hohen Palisadenschutz“, erfuhren die Gäste zur Einführung des Tempelortes. Weiter hieß es, dass sich ab dem 9. Jahrhundert Slawen in Groß Raden ansiedelten. „Die Slawen kämpften überall. Das Erlernte brachten sie mit nach Hause. Mittig führte ein Bohlenweg, an den Seiten standen die Hütten, was für eine planmäßige Besiedlung zeugt.“

Etwa 50 Prozent allerdings wurden erst frei gelegt, der Rest schlummert in der Erde. „In Mecklenburg wird nichts mehr ausgegraben. Nur was sich nicht verhindern lässt, wie durch Autobahnbauten oder in den Städten Neubebauungen“, so Sven Müller. In vielen Hütten ist Handwerk dargestellt. Viele Handwerke wurden im Freien ausgeübt, außer die Schmiede hatte eine Überdachung um die Farbe des Feuers im Halbdunkel besser sehen zu können. „Die Slawen beherrschten Techniken wie die Bearbeitung des Holzes, der Wollverarbeitung und der Metallverarbeitung wie das Raseneisenerz. Das zerkleinert und reduziert wurde, bis man das reine Metall erhielt“, so Sven Müller. Er wies auch auf die verschiedenen Baustoffe hin, die zum Wiederaufbau der Hütten im Tempelort verwendet wurden. Flechthütten mit Spaltwänden und Lehm bestrichen, stehen neben Behausungen in Holzbauweise und Holzschindeleindeckung.

Die Gäste hörten auch über den arabischen Handelsreisenden Ibrahim ibn Yaqub, der in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts Mitteleuropa bereiste und gut über seine Einwohner sprach, denn sie seien klug und hätten gute Handwerker. Interessiert lauschten die Gäste den Ausführungen über die aus Eichenspaltbohlen gebauten Boote jener Zeit. Auf dem begehbaren Burgwall endete die 90- minütige Führung.

Lilly Schabacka aus der Nähe von Heidelberg, hatte noch Fragen an Sven Müller, der diese beantwortete. „Ich bin mit der ganzen Sippe hier“, erzählte die 10-Jährige höflich und schwärmte von dem historischen Handwerk der Brettchenweberei der sie sich vor einiger Zeit zuwandte. Mit ihren Eltern, Geschwistern und Freunden verlebt sie jährlich Mittelalterlager und lebt das Leben der damaligen Bevölkerung nach. Sie folgte interessiert den Ausführungen Müllers. Später möchte sie gerne Grundschullehrerin werden.

„Sohn, Tochter und Schwiegerkinder fertigen von den ausrangierten Tannenbäume zum Beispiel Quirle und Kleidergarderoben an. Darauf freuen wir uns schon wieder etwas herzustellen“, erzählte Karin Schabacka. Dabei zeigte die Wismarerin eine Tasche die ihr Sohn gefertigt hatte nach mittelalterlichem Hintergrund.

In einer Lehmhütte schauten sich nach der Führung Elsa und Helmut Jahns aus Langen Brütz mit ihrem Besuch aus Berlin um. „Wir hatten in der Zeitung von der Führung gelesen. Es war sehr interessant und brachte uns neue Erkenntnisse“, so der Langen Brützer.

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erstellt am 01.Jan.2014 | 16:52 Uhr

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