sternberg : Mitmachen für mehr Artenvielfalt

Nicht als Blühfläche angelegt, stand diese Futterfläche trotzdem in voller Blüte.
Nicht als Blühfläche angelegt, stand diese Futterfläche trotzdem in voller Blüte.

Viele Landwirte legen Blühflächen an: Bestandsaufnahme auf einer Besichtigungsfahrt

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10. Juli 2018, 21:00 Uhr

„Sehr viele Landwirte legen Blühflächen an“, weiß Hans-Joachim Hogrefe vom Landschaftspflegeverband Sternberger Endmoränengebiet (LSE) mit Sitz in Kobrow. „Die Mehrheit nutzt die Möglichkeit, diese innerhalb eines Greenings, einer Umweltauflage, gefördert zu bekommen. Früher waren es fünf, jetzt sind es 20 Hektar“, so Hogrefe. Zudem gebe es das Netzwerk „Blühende Landschaften“, über das Privatpersonen für Flächen von 500 Quadratmetern oder Landwirtschaftsbetriebe bis zu fünf Hektar Saatgut von einem Unternehmen aus Süddeutschland zur Verfügung gestellt bekommen können.

Doch wie ist das Saatgut aufgelaufen? Was bringt es für die Bienen? Welche Mischung ist geeignet? Nur drei von vielen Fragen, auf die der Landschaftspflegeverband gemeinsam mit Vertretern von Naturparkverwaltung, Naturschutzbund, eines Saatgutherstellers, Landwirten, Flächeneigentümern und Imkern Antworten bei der Besichtigung von Blühflächen finden wollte. Interesse zeigte auch das Biosphärenreservat Schaalsee, in dem ein Blühstreifen-Projekt für Wildbienen aufgelegt werden soll.

Heinz Gotham ist seit 1980 Imker. „Außer der Spätlinde ist fast alles verblüht. Bei vielen Blühwiesen geht durch die Trockenheit nichts auf. Um Sternberg herum haben wir Sandboden“, sagt er. In Ordnung für die Bienen seien aus seiner Sicht Blühflächen in Alt Necheln, in Borkow in der Kurve zum Flötenberg und in Klein Pritz, nennt er Beispiele.

Auf einer inzwischen gemähten Futterfläche an der Sagsdorfer Brücke, auf der Rotkleegras mit Phacelia eingemischt wurde, gab es reichlich Artenvielfalt sowohl an Pflanzen als auch an Bestäuberinsekten. Grund genug, hier einen kleinen Zwischenstopp einzulegen.

Auf einer Fläche in Eickelberg enthielt die Mischung unter anderem Lupine, Buchweizen, Seradella, Sonnenblume, Phaselia und Borretsch - für das, was sich aktuell zeigt, gab es von den Imkern ein „sehr wertvoll für die Artenvielfalt“.

Ende Mai und damit sehr spät war in Warin eine Blühmischung in die Erde gekommen. Obwohl Melde überwiegt, konnten Schmetterlinge beobachtet werden. Nun soll abgewartet werden, was sich auf der Fläche tummelt, wenn sie zum Blühen kommt. Sollte das im August/September sein, gibt es auch hier aus Imker Sicht ein „in Ordnung“.

Dem Landschaftspflegeverband war es wichtig, möglichst verschiedene Flächen mit unterschiedlichen Aussaatzeiten zu besichtigen. So auch eine in Zahrensdorf, die ein Hobbylandwirt ohne jegliche Vergütung zum Blühen bringt. Die dort wachsenden vielen Kletten wissen besonders Hummeln zu schätzen.

Langfristig als Blühfläche erhalten bleiben soll eine Fläche am Betonknoten an der Bundestraße 104. Hier wurde bereits im siebenten Jahr eingesät, wobei der Landwirt auch „Unkräuter“ duldet. Aus Imkersicht ein sehr wertvolles Areal.

„Wichtig in der Saatmischung sind Phacelia, kruzifere Sommerblüher und Kleearten“, zieht Hans-Joachim Hogrefe ein erstes Fazit. „Wir bekommen eine bestimmte Menge Saatgut von Syngenta und Euralis gesponsert, das wir an Landwirte weitergeben, mit denen wir in Kontakt stehen.“ Viel Einfluss habe, wie der Boden bearbeitet werde, Grubbern oder Pflügen werde favorisiert. Imkerwunsch sei, dass es etwa von Anfang Juli bis Ende September blüht, was am besten gelinge, wenn in der letzten Aprildekade ausgesät werde. Ebenso sollten die verschiedenen Bestandteile einer Mischung möglichst hintereinander blühen. Weitere Recherche sei also nötig. Es geht wie bei allen Projekten des LSE – Bienenstraße, Rotmilan, Streuobstwiese – um Artenvielfalt in der Landschaft. Hogrefe erinnert an eine Aussage von Johannes Ullrich, Leiter des Agrarhofes in Brüel. „Wir müssen uns bei der Anlage von Blühflächen genau so viel Mühe geben wie bei den Hauptkulturen.“

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