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Back-Manufaktur in Sternberg : Mit Neustart das Sortiment umgestellt

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Hermann Josef Taterra und Mitgesellschafter Wilfried Schütte haben die seit Oktober 2010 insolvente Sternberger Bäckerei in die Sternberger Back-Manufaktur GmbH umgewandelt. Die Produktion wurde komplett umgestellt.

svz.de von
erstellt am 24.Feb.2012 | 12:07 Uhr

Sternberg | Treffpunkt jeden Morgen in der Backstube: Die beiden neuen Chefs kommen mit den Mitarbeitern an einen Tisch, auf dem das gesamte Sortiment für den Tag liegt. Dann wird von jedem was aufgeschnitten oder herausgebrochen, um zu schauen, zu riechen, zu probieren. "Wir sprechen darüber, was gelungen ist und was noch besser gemacht werden muss. Auf diese Weise nehmen wir uns persönlich in die Kritik", sagt Hermann Josef Taterra. Er und Mitgesellschafter Wilfried Schütte haben die seit Oktober 2010 insolvente Sternberger Bäckerei in Sternberger Back-Manufaktur GmbH umgewandelt und genau zur Monatsmitte die Geschäfte an dem langjährigen Standort im Gewerbegebiet Rachower Moor übernommen.

In gut einer Woche hat sich viel getan. Die Produktion wurde komplett umgestellt, Weizen-, Misch- und fein gemahlene Vollkornbrote werden wie früher mit Sauerteig gebacken, "frei von Chemie und künstlichen Zusatzstoffen", wie Taterra betont. Von Fertigmischungen habe sich die Back-Manufaktur verabschiedet. Derzeit kämen versuchsweise auch erste Vollkornbrote mit ganzen Körnern aus dem Ofen, wie von zahlreichen Kunden gewünscht. Ab Mitte/Ende nächster Woche sollen sie in die Geschäfte gelangen. Schwieriger als gedacht sei es gewesen, Mühlen zu finden, die das richtige Mehl liefern. Jetzt seien zwei vertraglich gebunden, eine in der Region.

Auch Brötchen backen die Sternberger nun nach herkömmlichen Rezepten. "Da ist keine Luft drin, die schmecken so richtig", preist Feinbäckerin Jutta Wolff die eigenen Produkte an. Sie findet auch die morgendlichen Besprechungen gut. Da wisse jeder aus erster Hand, was anliegt. Das Arbeitsklima habe sich spürbar verbessert, fügt Sabrina Neumann an, die im vorherigen Betrieb schon gelernt hat. So einbezogen zu werden und Probleme offen ansprechen zu können, habe es vorher nicht gegeben. Die Mitarbeiter sollen dicht dran sein am Geschehen, sagt der Geschäftsführer dazu.

"In einer Filiale in Grevesmühlen haben wir Brötchen aus frischen Gärlingen gebacken. Dieser Test war ein voller Erfolg und gibt uns Mut für unser absolutes Frischekonzept", sagt Taterra. In den Filialen müsse dringend investiert werden, vor allem in Backöfen. 400 000 Euro seien dafür veranschlagt, weitere 600 000 Euro im Sternberger Stammhaus.

Was aus dem Backofen kommt, soll gut aussehen, schmackhaft und bekömmlich sein, so Taterras Credo. Und wenn die Kunden mit den Herstellern übereinstimmten, sei das Ziel erreicht. Er selbst kommt nicht aus dem Fach, stand lange Jahre erfolgreich an der Spitze der Eisengießerei Torgelow, bevor sich der heutige Schweriner aus gesundheitlichen Gründen dort zurückzog. Eine "gewisse Ähnlichkeit" bei den Produktionsabläufen gäbe es schon, meint Taterra lachend, nur Grundmaterial und Temperaturen unterschieden sich gewaltig.

Kochen und Backen seien lange Zeit sein großes Hobby. Irgendwie sei ihm das anzusehen, fügt der Mann mit der großen, kräftigen Statur schmunzelnd hinzu.

Inzwischen habe er auch die einschlägige Fachliteratur buchstäblich in sich "hin eingefressen". Wer ihn reden hört, glaubt schon einen Bäcker vor sich zu haben. Und mit Wilfried Schütte weiß er einen versierten Fachmann an der Seite. Er habe auch schon selbst Brot verkauft, erzählt Taterra lächelnd eine Episode. Er wollte sich aus einer Schweriner Filiale Hefekuchen holen, eine ältere Kundin Brot. Der runde Sechs-Pfund-Laib war ihr natürlich zu groß. Also bot der Chef an, nachdem er sich geoutet und die neue Zusammensetzung erklärt hatte, ein Stück heraus zuschneiden und mit Butter zu probieren. "Die Dame war ganz begeistert, das schmecke ja so gut wie früher mal, meinte sie." Die Möglichkeit zu kosten, solle es künftig in allen Filialen geben.

Jeden Tag kommen 19 000 Brötchen, 2500 Brote und 6000 Stück Kuchen in die Verkaufsregale. Der Umsatz zeige steigende Tendenz, spätestens im zweiten Monat rechnet Taterra mit schwarzen Zahlen. Bis zu vier Millionen Euro Jahresumsatz peilt der Unternehmer mittelfristig an. 35 bis 40 Filialen von Sternberg bis Schwerin, Rostock und Lübeck seien das Ziel. "Die jetzigen schauen wir uns genau an. Möglich, dass es Filialen, die unrentabel sind, bald nicht mehr geben wird, dafür neue an guten Positionen. Wichtig ist auch, dass unsere Franchise-Nehmer das Unternehmen mit voller Überzeugung repräsentieren", sagt der Geschäftsführer.

Insgesamt stehen 60 Mitarbeiter in Lohn und Brot. Sie hatten vom Insolvenzverwalter Kündigungen erhalten und von den jetzigen Eigentümern neue Arbeitsverträge - mit 17 Prozent höheren Bezügen ab März, wie Taterra sagt. "Wir brauchen motiviertes Personal, und da spielt das Geld eine wichtige Rolle, aber natürlich auch die Arbeitsbedingungen und das ganze Klima. Deshalb sanieren wir und bauen einen neuen Sozialtrakt." Zehn bis 15 Mitarbeiter sollen noch hinzukommen. Auf eine Stellenanzeige jüngst in der SVZ seien bis gestern 180 Bewerbungen eingegangen, die nun nach und nach abgearbeitet würden. Und wenn der Betrieb "guten Gewinn" erzielt, würden die Mitarbeiter monatlich daran beteiligt, verspricht der Chef.

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