Letzte Fragen : Mit Fünfzehn auf den Friedhof

Friedhofswart Tilman Richter mit den Schülern vor einem der historischen Grabsteine.  Fotos: Katja Frick
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Friedhofswart Tilman Richter mit den Schülern vor einem der historischen Grabsteine. Fotos: Katja Frick

Im Rahmen des Philosophieunterrichts besuchten Neuntklässler des Gymnasiums Neukloster die letzte Ruhestätte der Stadt

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24. November 2017, 12:04 Uhr

Zumindest Amily, Sarah, Vanessa und Valerie waren an diesem Vormittag nicht zum ersten Mal auf einem Friedhof. Mit ihrem Philosophiekurs besuchten die vier zusammen mit weiteren 17 Schülern der Klassenstufe 9 des Gymnasiums Neukloster die Begräbnisstätte der Kleinstadt Neukloster. „Vor zwölf Jahren ist Herr Milde an mich heran getreten und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, mit Schülern im Rahmen des Philosophie- und Religionsunterrichtes über Friedhof und den Tod zu reden“, erzählt Friedhofswart Tilman Richter zu Beginn dieser besonderen Philosophiestunde. „Da musste ich erst einmal darüber nachdenken, ob man Schülern, die so im Leben stehen wie ihr, das Thema Tod nahe bringen kann. Aber seitdem mache ich das mit jedem Jahrgang des Gymnasiums.“ Tilman Richter, der bereits seit 1980 Friedhofswart für Neukloster und die der hiesigen Kirchengemeinde angeschlossenen Gemeinden ist, erzählt den Schülern, warum es in unserer Kultur üblich ist, die Toten in der Erde zu bestatten und welche Bestattungsformen es gibt. Außer denen, über die die SVZ in den vergangenen beiden Tagen in ihrem „Friedhofscheck“ berichtet hat, gibt es auch noch die Form der Seebestattung. „Dafür gibt es westlich von der Insel Poel ein ausgewiesenes Gebiet in der Ostsee. Dort werden aber nur Urnen bestattet.“

Der Begräbnisexperte berichtet darüber, dass Friedhöfe in größeren Städten von der Stadtverwaltung und in kleineren Kommunen meist von den evangelischen Kirchgemeinden betreut werden, weder Gewinne noch Verluste machen dürfen und ausschließlich der Bestattung von Menschen dienen. Opas treuer Hund dürfe nicht mit ins Grab, wenn er später stirbt. „Ein Friedhof hat drei Aufgaben“, so Richter, „Tote beerdigen, Trauer zu ermöglichen und die Totenruhe zu sichern.“ Denn die unantastbare Würde des Menschen, die im Grundgesetz verankert ist, gelte auch über den Tod hinaus. Die sogenannten Ruhezeiten ergäben sich aus dem Abstand der Generationen und würden in Deutschland zwischen 20 und 25 Jahre betragen. Und die preiswerteste Bestattung würde zwischen 2000 und 2500 Euro kosten, nach oben seien da keine Grenzen gesetzt.

Die 15-Jährigen schreiben alles mucksmäuschenstill in der Friedhofskapelle mit. Bei dem späteren Rundgang über den Friedhof fragt Valerie, was denn nach dem Ablauf der Ruhezeit mit den Toten passiert. „Wenn ein Grab neu belegt wird, werden beim Ausheben des Grabes nur noch Knochen von dem zuvor dort Beerdigten gefunden. Die werden unter dem neuen Grab wieder beigesetzt“, erklärt Tilman Richter.

„Wir beschäftigen uns eine ganze Stoffeinheit, also sieben Unterrichtsstunden lang, mit dem Thema Tod und Sterben“, erläutert Philosophielehrerrin Dagmar Kiesel. Die Schüler seien dem Thema offen gegenüber.

Amily, Sarah, Vanessa und Valerie wissen auch schon, wie sie später einmal beerdigt werden wollen. Amily und Valerie möchten eine Seebestattung. „Weil ich mir die Beerdigung schön vorstelle“, meint Amily zur Begründung. Und als Ort zum Trauern hätten ihre Angehörigen dann ja das Meer. Valerie stimmt ihr da zu.

„Ich will ganz normal in einem Sarg begraben werden“, sagt dagegen Sarah. „Damit meine Familie einen Ort zum Trauern hat.“ „Ich möchte verbrannt werden“, weiß Vanessa ganz genau. „Ich kann mir das nicht vorstellen, nach meinem Tod so in der Erde zu liegen. Außerdem wurde mein Großvater so auch beerdigt.“

Wenn die Angehörigen übrigens nicht das Begräbnis für einen Verstorbenen bezahlen können oder es keine Angehörigen gibt, kommt übrigens das Sozialamt für die Begräbniskosten auf, beantwortet Tilman Richter noch eine letzte Frage der SVZ.

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