zur Navigation springen
Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 04:55 Uhr

Kobrow : Mit Fahrrad zu den Rotmilanen

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Der Sternberger Landschaftspflegeverband ist im zweiten Jahr des Artenschutzprojektes „Land zum Leben“. Durch Studenten kam Verstärkung.

von
erstellt am 07.Mai.2015 | 21:31 Uhr

In Buchenwäldern waren die Horste des Rotmilans bis vor kurzem noch aus 150 Metern Entfernung auszumachen. Damit ist es vorbei, seitdem das junge Grün, das zur Freude von Spaziergängern schlagartig zum Vorschein kam, die Sicht in die Baumkronen versperrt. „Nach dem Blattaustrieb kann man manchmal genau darunter stehen und findet das Nest nicht.“ Diese Erfahrung hat Marika Schuchardt vom Landschaftspflegeverband Sternberger Endmoränengebiet (LSE), der im Vorjahr nach Kobrow II umzog, schon mehrmals gemacht. Sie und Hans Diederichs, der Geschäftsführer und Projektleiter, hatten deshalb schon die Wintermonate genutzt, um alte Horste zu kontrollieren. In Kiefernwäldern mache es keinen Unterschied, da sei es stets schwieriger. Seit Dezember 2013 läuft das Artenschutzprojekt „Land zum Leben“, das vom Bundesamt für Naturschutz gefördert wird. Elf
Regionen in sieben Bundesländern wurden ausgewählt.


Für Masterarbeit drei Horste ausgesucht


Das Gebiet, in dem der hiesige Bestand des eleganten Greifvogels, der einst zur Feldlandschaft gehörte, sich aber alarmierend verringert hat, umfasst rund 300 Quadratkilometer. Es reicht von Warin bis Below nahe dem Dobbertiner See mit Sternberg mittendrin. Wald-, Wasser-, Acker- und Siedlungsflächen wechseln sich ab. Der Rotmilan baut seine Nester bis 150 Meter in den Wald hinein, auf Jagd geht er im offenen Land, bevorzugt auf Feldmäuse und andere Kleinsäuger, die allerdings rar geworden sind, auch auf Elstern. Wobei er alles fresse, „was ihm vor den Schnabel kommt“, sagt Schuchardt.

Seit dem Frühjahr hat der LSE bei seinem Projekt Verstärkung von Studenten. Felix Herder absolviert sein zehntes Semester an der Hochschule Neubrandenburg und schreibt seine Masterarbeit. Ab Mitte März lief er oft an der Seite von Marika Schuchardt mit durch die Wälder, um auf den gleichen Stand zu kommen. Jetzt unterstütze er sie schon stark, freut sich Schuchardt. Der 25-Jährige sei bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad unterwegs. Drei Horste habe er sich herausgesucht, „im Wald, am Gewässer und im freien Gelände, quer durch das Untersuchungsgebiet“. Es gelte herauszufinden, wie die Rotmilane den Raum um sie herum nutzen, aus welcher Richtung und wie oft sie einfliegen, wie Brutzeit und Aufzucht der Jungen verlaufen. Mitte April kam Janina Pankratz hinzu, sie studiert im achten Semester an der Universität Greifswald. In ihrer Bachelorarbeit geht es um das Jagdverhalten des Greifvogels auf Agrarflächen mit unterschiedlichen Kulturen. Beide bleiben voraussichtlich bis Ende Juni. Ein Fahrrad habe sie sich auch gleich organisiert, erzählt die 24-Jährige schmunzelnd. Nur wenn das Wetter zu ungemütlich oder die Entfernung groß sei, nehme sie das Auto und ihren Kollegen gleich mit. Untergebracht seien sie „in einer Wohngemeinschaft“ mit jungen Leuten, die eine Ausbildung in der Landwirtschaft machen. Eine durchaus glückliche Fügung, wie die beiden Studenten meinen, gäbe es doch zwischen Naturschützern und Landwirten reichlich Berührungspunkte und entsprechend Gesprächsstoff.

Die Landschaft hier sei „sehr schön“. Beiden mache ihre Geländearbeit viel Spaß. An vielen Standorten würden die Rotmilane „richtig gut“ fliegen, woanders seien die Horste verborgen. Um diese zu entdecken, müsse man „erstmal ein Auge haben“. Aber das weiß selbst Marika Schuchardt, die schon länger an dem Projekt arbeitet. Im Vorjahr wurden 120 Nester und 14 Brutpaare gezählt. Diese Anzahl bleibe hoffentlich, doch sicher sei das keineswegs. Einerseits kämen neu gebaute Horste hinzu, doch andere würden dem Rotmilan streitig gemacht, vom Kolkraben, der ein, zwei Wochen früher brütet und das Nest schon besetzt, vom Habicht und zum großen Ärgernis vom Waschbären.


Waschbär räumt das ganze Nest leer


Der werde zunehmend zum Problem. An Bäumen mit rissiger Rinde komme der aus Nordamerika eingewanderte Geselle mühelos hoch, räume das Nest aus und mache Mittagsschlaf. „Wenn der Marder, der hier seit Urzeiten heimisch ist und hergehört, die Bäume hoch läuft, nimmt er nur ein Ei aus dem Nest“, verdeutlicht Hans Diederichs den Unterschied. „Stress“ gäbe es auch mit dem Mäusebussard und neuerdings der Nilgans, die sich heftig widersetze, wenn ihr jemand in die Quere komme. „Der Rotmilan ist auch recht wehrhaft, „aber er sucht keinen Streit“, so Diederichs.

Manche der Greifvögel hielten die Kartierer mächtig in Trab, sagt Schuchardt, „auch unser Hausmilan“. Der sei bis zum Kobrower See unterwegs, sein Nest aber noch nicht entdeckt worden. Einige Paare hätten einen festen Sitz, andere „tingeln umher“ oder es kreise nur einer über dem Nest. Nach der jetzt laufenden Kartierung könne mehr über den Bestand gesagt werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen