Sternberg/Blankenberg : Mit der Bahn wie vor vielen Jahren

„Großer Bahnhof“ für den kleinen Dampfzug in Sternberg.  Fotos: Bernd Möschl
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„Großer Bahnhof“ für den kleinen Dampfzug in Sternberg. Fotos: Bernd Möschl

SVZ schildert Eindrücke von der Jubiläumsfahrt zwischen dem 130jährigen Bahnhof Sternberg und Blankenberg.

svz.de von
25. September 2017, 08:00 Uhr

Unterwegs. Natürlich gab es Gedränge um die besten Fensterplätze in den drei aus Beständen der ehemaligen Deutschen Reichsbahn der DDR liebevoll restaurierten ExPRESSzug-Wagen, welche am Jubiläums-Sonnabend des Bahnhofs Sternberg kurzzeitig den Personenverkehr auf einem Teil der inzwischen stillgelegten Nebenbahnstrecke Wismar-Karow wiederbelebten.

Viermal sollte der einzigartige Jubiläumszug zwischen Sternberg und Blankenberg pendeln und jede einzelne Tour war restlos ausgebucht, und zwar nicht nur wegen der sympathischen Einladung durch die Stadt, das Unternehmen EcoMotion sowie ihren Partnern, darunter nicht zuletzt der Mecklenburgische Eisenbahnfreunde e.V. und die erzgebirgische „Pressnitztalbahn“.


Eisenbahn-Nostalgiker auf und an der Strecke


Letztere beiden Interessengemeinschaften ostdeutscher Eisenbahnhistorie brachten gemeinsam diesen Sonderzug auf die Schienen, der zunächst von der schmucken roten Diesellokomotive 12 703-4 Richtung Norden gezogen wurde und retour dann von der legendären 91 134 aus dem Schweriner Eisenbahnmuseum, welche zu Recht als älteste betriebsfähige Normalspur-Dampflok Deutschlands gilt.

War allein schon diese Tatsache Grund genug für Eisenbahn-Nostalgiker aus Nah und Fern, sich auf und an die Strecke zu begeben, so beförderte zudem noch das Bilderbuchwetter den Wunsch etlicher Familien nach so einem seltenen gemeinsamen Erlebnis. „Als Sternbergerin habe ich diese Gelegenheit natürlich gern beim Schopfe gepackt, denn ich wollte meinen Kindern schon immer mal zeigen, wie es ist Eisenbahn zu fahren, wie ich es aus meiner Jugend kenne“, bekannte Monika Jaugitz mit ihren Sprösslingen Matty (4), Fiete (3) und Nesthäkchen Fiene (1 Jahr jung).

Im Nachbarabteil warteten gleich 17 Mädchen und Jungen der Sternberger Jugendfeuerwehr mit den Jugendwarten Janine Reimers und Patrick Scott Dingle genau so gespannt auf das Abfahrtsignal von Zugführer Martin Rehbein, der anschließend gleich persönlich ihre Fahrkarten mit der originalen Stempelzange „knipste“. Seit 43 Jahren sei er aktiver Eisenbahner und leidenschaftlich gern bei derlei Sonderfahrten dabei, bemerkte der in nahezu allen Bereichen des erlernten Berufes „Betriebs- und Verkehrseisenbahner“ (kurz: BVE) erfahrene Putbusser.

Wie er stammt auch sein junger Azubi Maik Schwebke (22) von der Insel Rügen. Dieser sorgte mit seiner Begrüßungsansage, der Sonderzug begebe sich jetzt auf die Fahrt nach Blankenburg, für ungläubiges Staunen in den Waggons. „Bis in den Harz wollten wir heute eigentlich nicht“, schallte es ihm lachend entgegen, so dass er seinen Irrtum umgehend korrigierte: „Natürlich fahren wir nach Blankenberg. Gute Reise!“

Schon dieser erste Abschnitt der Jubiläumstour geriet für alle Beteiligten zum Erlebnis, zumal es nicht nur im auffallend sauberen und gepflegten Zuginneren, sondern noch mehr in der gemächlich an den hier ausnahmsweise zu öffnenden Fenstern vorbeiziehenden Landschaft zu entdecken gab. Die vom früheren Durchgangsverkehr erholte Natur grüßte die Reisenden sowohl mit zum Abpflücken nahen Holunderbeeren und Äpfeln als auch mit Wildtieren und Kranichen, denen man sonst kaum so nahe kommt, ohne sie zu verstören.

Beim Richtungswechsel am Haltepunkt Blankenberg fieberten alle dem Moment entgegen, da die stolze alte Dame der Mecklenburger Eisenbahnfreunde endlich den Jubiläumszug nach Sternberg zurück ziehen durfte. Ein Umspannen war nicht möglich, weshalb sich die historische Dampflokomotive bisher vornehm am „Schwanz“ des Zuges zurückgehalten hatte. Nun aber übernahm die vom diensthabenden Lokführer Peter Kempf (32) beim Halt am Antriebsgestänge geradezu zärtlich geputzte 91 134 – übrigens neben der Geste der Wertschätzung eine ganz pragmatische Kontrollmethode auf eventuelle Reibungshitze – die Zugspitze mit Volldampf.


Persönliches Ständchen mit Akkordeon


War schon der nostalgische Anblick des kraftvollen Oldtimers an sich eine Augenweide, so zauberte sein Dampf obendrein noch märchenhafte Schemen in die Landschaft und manchem, der davon eine Nase voll schnupperte, erinnerndes Lächeln aufs Gesicht. Für die junge Mutti Nadine Reimers jedenfalls ging ein Traum in Erfüllung und ihre kleine Familie wird sich zudem noch gern an das persönliche Ständchen von Dieter Krüger und seinem Akkordeon erinnern. Der langjährige „Dabeler Müllerbursche“ begleitete die Fahrten gern mit seiner handgemachten Stimmungsmusik. Das in den Ruhestand gegangene Ensemble spielt ausnahmsweise noch einmal am kommenden Sonnabend zum 125. Jubiläum der Dabeler Windmühle.

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