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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 08:55 Uhr

Warin : Mit dem Rollstuhl über den Flur

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Beim Aktionstag „Gemeinsam aktiv“ in der Grundschule Warin erfahren die Jungen und Mädchen, wie der Alltag mit einer Behinderung ist.

von
erstellt am 08.Mai.2015 | 23:46 Uhr

Mit beiden Händen fest an den Griffen der großen Räder des Rollstuhls, lenkt der Wariner Schüler Jonas Bohnes den fahrenden Stuhl. Über den Flur, hinein in die Jungentoiletten und dann wieder zurück zu seinen Klassenkameraden fährt er. „Es geht eigentlich einfach, aber auf Dauer strengt es die Arme an“, zieht der Viertklässler sein Fazit, steht aus dem Stuhl auf und reicht ihn an den Nächsten weiter. Beim gestrigen Aktionstag „Gemeinsam aktiv“ konnten Wariner Grundschüler zum Teil hautnah erleben, wie das Leben mit einer Behinderung ist.

„Es ist eine Ehre für uns, diesen Tag durchführen zu können. Es geht uns darum, gelebte Gleichstellung zu zeigen und dabei gemeinsam Spaß zu haben. Im Sachkundeunterricht haben sich die Schüler bereits mit diesem Thema auseinandergesetzt und sich auf den Tag vorbereitet“, berichtet Schulleiterin Dagmar Arndt. „Die Kinder sind unheimlich aufgeregt und wollen alles ausprobieren. Das sind alles wertvolle Erfahrungen für die Entwicklung unserer Kinder“, so Arndt weiter.

An unterschiedlichen Stationen haben die Jungen und Mädchen sowie die Lehrer nicht nur erfahren, welche Einschränkungen es gibt, sondern haben am eigenen Leib erfahren dürfen, wie der Alltag teilweise zu bewältigen ist. Beim Blindenparcours bekamen die 27 Viertklässler jeweils eine Maske aufgesetzt und einen Blindenstock, mit dem sie sich den Flur entlang um zwei Stühle herum manövrieren mussten. Darüber hinaus lernten sie, ihren Namen in Gebärdensprache zu zeigen oder ihn in Blindenschrift zu schreiben. „Es ist wirklich spannend, das alles mal machen zu dürfen. Ganz normale Dinge sind super anstrengend“, sagt Johanna von der Heyden.

Um diese Erkenntnis gehe es an dem Aktionstag, resümiert Wolfgang Griese, Vorsitzender des Beirates für Menschen mit Behinderung des Landkreises Nordwestmecklenburg. „Wir wollen die Kinder für Menschen mit Handicap sensibilisieren. Dabei darf es aber nicht nur darum gehen, dass sich Behinderte integrieren, sondern auch die Gesellschaft bemüht, sie anzunehmen. Ich denke, dass dafür ein solcher Tag sehr gut ist. Denn so erkennen sie, dass behinderte Kinder zwar Unterstützung brauchen, im Grunde aber nicht anders sind“, so Griese. Dies zeigen die Viertklässler um Jonas Bohnes: Beim Blindenparcours beschreiben sie sich gegenseitig den Weg und beim Rollstuhlfahren ist immer einer zur Stelle, falls der Rollstuhlfahrer mal Hilfe braucht. „Ich bin ganz doll stolz auf meine Schüler. Man kann an diesem Tag gut erkennen, dass nur miteinander ein gemeinsames Leben aufgebaut werden kann und die Gesellschaft verbessert wird. Der Tag hat sich für uns gelohnt“, so Dagmar Arndt.  

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