Auf D-Tour : Mit dem Rad in ein neues Leben

Viel Erfolg für die gestrige Etappe nach Güstrow wünschte Warins 1. stellvertretender Bürgermeister Timo Untrieser (r.) dem Deutschlandtour-Radler Oliver Trelenberg.
Viel Erfolg für die gestrige Etappe nach Güstrow wünschte Warins 1. stellvertretender Bürgermeister Timo Untrieser (r.) dem Deutschlandtour-Radler Oliver Trelenberg.

Ruhrpottler Oliver Trelenberg machte auf seiner 3000-Kilometer-Deutschlandtour Station in Warin. Gestern ging’s weiter nach Güstrow.

von
25. Juni 2016, 14:57 Uhr

Von Basel bis Dresden – und das über 60 Tage – ist Oliver Trelenberg aus Hagen seit dem 18. Mai unterwegs. Nach 34 Etappen will der 1965 in Schwerte Geborene und 2013 mit der Diagnose Kehlkopfkrebs Operierte am 11. Juli in Elbflorenz ankommen.

Bis gestern auf seiner Zwischenstation in Warin hatte „Oli radelt“ – wie er sich auch auf seiner Facebookseite nur nennt – bereits 2100 seiner insgesamt ca. 3000 Kilometer zurückgelegt. Am Donnerstag war er in der Zweiseenstadt eingetroffen, die Stadt hatte ihm eine Übernachtung organisiert. Gestern früh wurde er vom 1. stellvertretenden Bürgermeister Timo Untrieser im Rathaus empfangen.

„Ich möchte mit meiner Tour zugunsten von Engel mit Herz e.V. auf die Belange vieler Krebspatienten aufmerksam machen und ein Signal setzen“, so Trelenberg, dem eines dabei besonders wichtig ist: „Armut als Folge einer Krebserkrankung ist für immer mehr Betroffene und deren Angehörigen in den vergangenen Jahren zu einer bitteren Realität geworden.“ Auch er, der „ehemalige Fernfahrer Oli“ zähle dazu. Vielen Menschen falle es „leichter, über ihre Erkrankung zu sprechen als über ihr krankheitsbedingtes Leben in Armut“. Dieses würde in der Öffentlichkeit weitgehend negiert. „Man soll sich viel mehr um die Probleme vor der Tür kümmern und nicht so viel um die von weiter weg“, ist Trelenbergs Auffassung.

Experten gehen je nach Altersklasse von cirka 30 Prozent Armuts-Erkrankte aus. Für Urlaub bleibe da kein Geld. Der Verein „Engel mit Herz“ habe sich gegründet, um möglichst vielen durch Krebs in Armut geratenen Familien eine einwöchige „Auszeit für die Seele“ zu ermöglichen. Dies werde in einem ostfriesischen Pfarrhaus mit drei Gästezimmern ermöglicht. Oliver Trelenberg, der von 850 Euro im Monat als Frührentner lebt, tritt u.a. auch dafür in die Pedale.

„Mit dem Rad in ein neues Leben“ – steht auf der Rückseite seines Trikots. Es ist in erster Linie sein Leben, Schicksal. „Ich war Alkoholiker, bin jetzt trocken, litt 2003 unter Depression und bin weiter in psychiatrischer Behandlung.“ Darüber zu sprechen, sei für ihn kein Problem. Eine Therapie ist für ihn das Radfahren. Nach der Krebs-OP vor drei Jahren schaffte er erst sieben Kilometer pro Tag. 2014 stellt er sich das Ziel „Ü4000“ – es wurden 5460 Rad-Kilometer!

Und nun ist er auf großer Deutschlandtour. Wobei der Startort Basel in der Schweiz, drei Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, der besseren Zugverbindung geschuldet war. Donnerstag war die Strecke Schwerin – Warin dran, gestern ging es weiter nach Güstrow. Entweder über Weiße Krug oder wegen der Hügel ersatzweise über Laase. „Eine sehr schöne Gegend hier, aber nicht für Krebspatienten wie mich“, so Trelenberg und meinte damit die hügelige Strecke sowie vor allem die bis zu sechs Zentimeter tiefen Sandwege im Wald bei Hasenwinkel auf dem Radfernweg Hamburg - Rügen. Nach der Kehlkopf-OP bekomme er nur noch 50 Prozent Luft. Doch „Oli radelt“ lässt sich nicht aufhalten: „Ich verbinde meine Leidenschaft mit einem guten Zweck und beweise, dass man von selbst wieder auf die Beine kommen kann.“

„Eine tolle Sache“, betonte Timo Untrieser und wünschte dem radelnden Botschafter weiterhin eine gute Fahrt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen