Warin/Schwerin : Mit bunten Farben und Nägeln

„Blindes Verstehen“ heißt das im Hintergrund zu sehende Nagelbild von Harry Sticklorat, das ihn mit Ehefrau Petra im Profil zeigt. Und das aus gutem Grund: Beide sind 38 Jahre miteinander verheiratet.  Fotos: Rüdiger Rump
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„Blindes Verstehen“ heißt das im Hintergrund zu sehende Nagelbild von Harry Sticklorat, das ihn mit Ehefrau Petra im Profil zeigt. Und das aus gutem Grund: Beide sind 38 Jahre miteinander verheiratet. Fotos: Rüdiger Rump

Petra und Harry Sticklorat aus Warin stellen am Schweriner Campus aus. Es ist eine ungewöhnliche Kombination aus abstrakter Malerei und Nagelkunst.

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22. Juni 2017, 21:00 Uhr

Heute hängen sie die Bilder, am morgigen Sonnabend um 15 Uhr beginnt die Vernissage. Petra und Harry Sticklorat aus Warin stellen am Schweriner Campus aus. Es sind 72 Exponate, 56 von ihr, 16 von ihm, in einer wahrlich ungewöhnlichen Kombination: abstrakte Malerei und Nagelkunst. Es ist eine Auswahl von dem, was die Hobbykünstler in den letzten zwei Jahren geschaffen haben. Petra Sticklorat hat einige Bilder gerade erst fertig gestellt.

Sie hatten in der SVZ gelesen, dass die Ausstellungen am Campus mehrmals wechseln, und einen Katalog mit ihren Arbeiten abgegeben, erklärt die Warinerin das Zustandekommen dieser Exposition.

Anschlag in Paris gab letzten Anstoß

Seine Arbeiten finde sie „viel interessanter“, weil die so ausgefallen seien, räumt Petra Sticklorat unverblümt ein. „Bisher haben alle gesagt, dass sie das ganz prima finden und noch nicht gesehen hätten.“ 2015 habe er mit der Nagelkunst begonnen, aufmerksam geworden durch Günther Uecker. „Ich bin nicht ungeschickt und habe einfach angefangen.“ Von Günther Uecker sei lediglich die Anregung gekommen, „was ich mache, ist ganz anders“, so Sticklorat. Ihn als „politischer Mensch“ habe der Anschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und die darauf einsetzende Welle der
Solidarität den letzten Anstoß gegeben. „Dass eine Million Menschen auf die Straße gegangen sind, hat mich tief beeindruckt.“ Es sei nicht möglich gewesen, für ein Bild eine Million Nägel zu verarbeiten, daher symbolisch „Wir sind Charlie“ aus 2650 entstanden. Sticklorat weiß, dass sein Hobby nicht nur kraftraubend ist, sondern auch laut, und deshalb nehme er eben Rücksicht. Von seiner Frau sei nichts zu hören, wenn sie male, sagt Sticklorat schmunzelnd. Ein Malzimmer hätten sie von Anfang an eingeplant, als sie im Juni 2012 vom niedersächsischen Oldenburg nach Warin an den idyllisch gelegenen Glammsee umzogen. Er arbeite im Gästezimmer, so Sticklorat.

Seine Frau hat 2006 nach dem Besuch einer Kunstausstellung die abstrakte Malerei für sich entdeckt und autodidaktisch damit begonnen.
„Gegenständlich malen kann ich nicht. Ich mache das mehr intuitiv, bin manchmal selbst überrascht, was aus den Farben entstanden ist, mal auch enttäuscht. Dann stelle ich das Bild an die Seite und übermale es später. So entstehen neue Sachen mit anderen Farben. Das ist jedes Mal spannend. Ich spiele auch viel mit den Methoden.“ Keines der Bilder erhalte einen Titel, jeder Betrachter könne was anderes sehen, ermuntert Petra Sticklorat. Lieblingsfarben seien Rot, Orange und Gelb, „offene, freundliche Farben, zu denen manchmal Schwarz kommt“.

Was Ausstellungen betrifft, habe sie „ganz klein angefangen“ mit zehn bis zwölf Bildern in einer Arztpraxis in Wismar. Die im Freizeitbad „Wonnemar“ und im Café „Naschwerk“ in Weberin seien dann größer gewesen; und in der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest in Wismar sei dann abstrakte Malerei auf Nagelkunst getroffen. Jetzt über drei Etagen am Campus in Schwerin sei es ihre bislang größte Ausstellung.

Die künstlerische Betätigung sei und bleibe jedoch Hobby, betonen Petra und Harry Sticklorat. Beide nicht mehr berufstätig, seien sie froh, so eines gefunden zu haben. Und wenn sie Glück hätten und Bilder gekauft würden, könnten sie dieses Hobby auch finanzieren, sagt der
Wariner. Doch viel wichtiger sei ihnen, andere Interessierte teilhaben zu lassen. Und sie hätten dadurch viele interessante Menschen kennen
gelernt, wie Christoph von Fircks, der sich in einem völlig anderen Genre betätigt und Steinköpfe anfertigt. Sie freuen sich, dass der Wariner
Autor, der durch unterhaltsame Erzählungen wie kurzweilige Vorträge bekannt ist, auf der morgigen Vernissage die Laudatio hält. Zu sehen ist die Ausstellung am Schweriner Ziegelsee dann bis zum 15. September.

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