Brüel/Sternberg : Mit alter Technik beim Erntefest

Die Sternberger Detlef und Sigrid Holz nehmen wieder mit ihren Eicher-Traktoren, Baujahr 1961 und 1963, am Umzug beim regionalen Erntefest in Brüel teil. Helmut Jentzen aus Kobrow (vorn links) kommt mit einem Famulus, Baujahr 1956, Viktor Bergau aus Hohen Pritz mit einem LO.  Fotos: Rüdiger Rump
1 von 3
Die Sternberger Detlef und Sigrid Holz nehmen wieder mit ihren Eicher-Traktoren, Baujahr 1961 und 1963, am Umzug beim regionalen Erntefest in Brüel teil. Helmut Jentzen aus Kobrow (vorn links) kommt mit einem Famulus, Baujahr 1956, Viktor Bergau aus Hohen Pritz mit einem LO. Fotos: Rüdiger Rump

Landwirte aus der Region laden am Wochenende nach Brüel ein. Die Freunde alter Landtechnik aus Sternberg sind im Umzug dabei.

von
02. September 2015, 21:12 Uhr

Das regionale Erntefest an diesem Wochenende in Brüel beginnt wie jedes Jahr mit einem Umzug vom Agrarhof zum Festplatz an der DHG. Weit vorn hinter Erntekrone und Landfrauen in ihren Trachten reihen sich die Freunde alter Landtechnik ein. Die Sternberger Detlef und Sigrid Holz fahren Eicher-Traktoren, Baujahr 1961 und 1963, Helmut Jentzen aus Kobrow einen Famulus, Baujahr 1956, und Viktor Bergau aus Hohen Pritz einen vor Jahrzehnten selbst aufgebauten Sieben-Tonner-LO. Von diesem Klein-Lkw gibt es mehrere Varianten, selbst eine zur Personenbeförderung, wie mancher sicher noch weiß.


Ersten Eicher auf Achse von Bremen geholt


Die „Freunde alter Landtechnik ut Sternberg“ sind kein Verein. „Wir fahren dorthin, wo es uns gefällt, etwa im Umkreis von 30 bis 40 Kilometern“, sagt Detlef Holz. „Und wo die Veranstaltungen Niveau haben, wie am vorigen Wochenende in Reinstorf oder in Alt Schwinz.“ Auf dem Brüeler Erntefest seien sie jedes Jahr, das sei fast ein Muss wie nächste Woche die MeLA in Mühlengeez. Leider gäbe es auch andere Beispiele, wo reichlich Alkohol fließe, und das sei nichts für sie, so Holz.

Er und seine Frau seien eher zufällig an dieses Hobby geraten. Sie brauchten Nachschub für ihre neue Holzvergaserheizung im Haus. „Das erste Jahr waren wir noch mit Pkw und Hänger im Wald“, erzählt Detlef Holz. Aber das gehe richtig an die Substanz des Autos. Deshalb habe er sich 2005 den ersten Eicher-Traktor zugelegt, Baujahr 1961. „Den habe ich aus Bremen abgeholt, auf der Achse. Früh um sechs bin ich dort losgefahren und war um Mitternacht mit Glockenschlag hier“, erzählt der Sternberger schmunzelnd.

Ehefrau Sigrid fand ebenso Gefallen an dem Gefährt. Sie stammt auch vom Lande, hatte mit solcher Technik allerdings nichts zu tun. Dafür sei in der Großfamilie mit neun Kindern kein Geld da gewesen, bestenfalls für Pferd und Fahrrad. Als sich Holz’ einen zweiten Eicher, Baujahr 1963, kauften, der in Hohen Pritz abgebrannt war, hätte mancher geraten, die Finger davon zu lassen. „Doch der große Schaden war außen, die innere Substanz noch in Ordnung“, so Viktor Bergau, Sigrid Holz’ Bruder. Der gelernte Landmaschinen-Traktorenschlosser legte beim Neuaufbau des Traktors tüchtig Hand an. „Zweieinhalb Jahre hat das gedauert“, blickt Detlef Holz zurück. „Die Teile habe ich in Bayern bekommen und dort einen netten Treckerfreund getroffen. Er gab mir alles kostenlos mit. Ich hätte die Teile zurückgeben können, wenn wir den Trecker nicht in Gang bekommen hätten.“ Er kam in Gang und wurde 2011 zugelassen. „Ich bin dann zu einem Eicher-Treffen runtergefahren und habe meine Schulden beglichen, wurde aber nicht über den Tisch gezogen, wie mancher vorher vielleicht annahm. Das hat mich gefreut.“

Seitdem könnten sie zu zweit mit ihren Traktoren fahren, sagt Sigrid Holz, manchmal einfach zum Eisessen in Dobbertin oder mit Wohnanhänger für ein Wochenende ganz in Ruhe zu einem
Bekannten in Krakow am See. „Die Leute an der Straße, die uns sehen, gucken und freuen sich, das ist schön.“ Mit dabei auch stets Tom, der zehnjährige Labrador-Mischling.

Viktor Bergau hat über 20 Jahre im Kreisbetrieb für Landtechnik (KfL) in Holzendorf gearbeitet. Als dort nach der Wende Schluss war, sei er auf den Bau gewechselt, die Liebe zu der Technik aber geblieben. Das Herz schlage weiter für die Landwirtschaft. LO und MTS 50 nutze er für sein „bisschen Wald und Acker“, alles zum Eigenbedarf.


Treues Gefährt aus DDR-Zeiten verkauft


Inzwischen sei ein Güldener von 1957 dazugekommen. Für den wären schwerer Teile zu bekommen als für LO und MTS, und sie seien teurer. „Doch bisher hat es geklappt“, sagt der 59-Jährige. Sein Chef habe auch alte Technik, um die er sich gern kümmere.

Seinen ersten Famulus hat sich Helmut Jentzen noch vor der Wende gekauft. Einen Lanz Bulldog besaß er schon. „Mit dem habe ich zu DDR-Zeiten alles gemacht, das war ein treues Gefährt. Aber den musste man vorglühen, und zu langsam war er auch. Deshalb habe ich ihn verkauft.“ Heute gräme er sich zuweilen darüber, räumt der Kobrower ein. Inzwischen habe er einen zweiten Famulus, auch um Baujahr 1956. Seit zwei Jahren Rentner, sei er „nach Lust und Laune“ mit den Freunden alter Landtechnik, mit denen es einfach passe, unterwegs – so wie jetzt in Brüel.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen