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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

25. November 2017 | 06:44 Uhr

Dabel : Mit 100 Jahren voller Lebensfreude

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Lina Dreyhaupt aus dem Rosenhof in Dabel hatte gestern zu ihrem runden Jubliäum zahlreiche Gratulanten.

von
erstellt am 02.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Das volle Haar frisch frisiert, blickt die Jubilarin freudig wie erwartungsvoll in die Runde – es darf gratuliert werden. Auf ihr Alter kommen nur die, die es wissen: Lina Dreyhaupt aus dem Rosenhof in Dabel feiert den 100. Geburtstag.

Zu den ersten Gratulanten am Nachmittag gehören die Allgemeinmedizinerin Dr. Elke und der Zahnarzt Dr. Rainer Brandt, die Eigentümer der im Herbst 2013 fertig gestellten Senioren-Residenz. Sie freuen sich mit der Jubilarin und ihrer Familie über den ersten 100. Geburtstag in dem Haus. Das bietet barrierefreies, selbstbestimmtes Wohnen mit der Möglichkeit von Tagespflege oder hauswirtschaftlichen und pflegerischen Leistungen. Letztere nur so viel wie benötigt, laute die Devise. Die rund 40 Einwohner könnten so viel wie möglich selbst erledigen, auf diese Weise hielten sie sich am besten körperlich und geistig fit.


Gleich nach der Schule selbst Geld verdient


Glückwünsche natürlich ebenso von Gemeinde, Landkreis und Land. Lina Dreyhaupt lebt seit knapp einem Jahr im Betreuten Wohnen des Rosenhofs, wird vom Personal wie von ihrer jüngeren Tochter Brigitte Lenz fürsorglich betreut. Diese verschlug es 1994 wegen der Liebe nach Dabel. Ihr Mann Hans-Jürgen Lenz, zu DDR-Zeiten Produktionsleiter im Kreisbetrieb für Landtechnik Holzendorf, hatte sich mit einer Schleiferei selbstständig gemacht. Als die Aufträge nach dem ersten Boom weniger wurden, lebte das Paar der Arbeit wegen zwölf Jahre in Österreich, fand aber nach Dabel zurück und fühlt sich hier wohl. Dass Brigitte Lenz ihre Wurzeln in Sachsen hat, lässt sich allerdings schwerlich überhören.

Ihre Mutter wurde im sächsischen Wolteritz nördlich von Leipzig, heute ein Ortsteil der Stadt Schkeuditz im Landkreis Delitzsch geboren. Die Eltern betrieben eine Bauernwirtschaft. Um sie finanziell zu entlasten und selbst Geld zu verdienen, fing das Mädchen gleich nach dem Schulbesuch in einem Gasthof im Nachbardorf Schladitz an. Das Dorf fiel mit seinem Ortsteil Kömmlitz zwischen 1986 und 1990 dem Braunkohleabbau zum Opfer. Wolteritz blieb verschont, im Elternhaus der Hundertjährigen wohnt ein Neffe, Sohn des ältesten Bruders. Von ihren Geschwistern aber lebt niemand mehr.

Als es im Gasthof einen Wechsel gegeben hatte, zog die junge Frau in die Nähe von Leipzig, wo sie ihren Mann Heinz Dreyhaupt kennen lernte. Am 27. November 1943 wurde geheiratet, trotz des Krieges im Elternhaus zünftig gefeiert. Das junge Paar zog nach Leipzig. Ihr Mann arbeitete dort als Dreher, sie begann in einer Leipziger Fischfabrik, machte später eine Ausbildung als Laborantin und blieb dem Beruf bis zur Rente im Volkseigenen Betrieb (VEB) Farben und Lacke treu.

Inzwischen, im März 1949, kam die erste Tochter Erika zur Welt, sechs Jahre später im April Brigitte. Die junge Familie konnte sich nun über eine Drei-Raum-Wohnung in Leipzig freuen. Aber nur die heimischen Wände waren nichts für Lina Dreyhaupt. Sie wollte immer einen
Garten mit vielen Blumen. Außerdem schmeckte selbst angebautes Gemüse frisch auf dem Tisch besser. Bohnen, Gurken, Erdbeeren – „wir hatten alles“, erinnert sich Brigitte Lenz. Auch der Zusammenhalt mit den Nachbarn in der Kleingartenanlage habe gestimmt. Es sei gefeiert, auch mal ein Laternenumzug organisiert worden. Die 100 Jahre hätten der Jubilarin zahlreiche schöne Erlebnisse beschert, der Garten stehe dabei mit an vorderer Stelle. Wenn dann noch Zeit blieb, beschäftigte sie sich gern mit Handarbeiten oder verfolgte Sportsendungen im Fernsehen, am liebsten Fußball.

Als 1994 ihr Mann starb, holte die ältere Tochter Erika die Mutter in ihre Nähe, wo diese sich, inzwischen hoch in die 70, in einer Ein-Raum-Wohnung selbst versorgte. Das war nicht mehr möglich, als die Seniorin das zweite Mal gestürzt war, vor etwa einem Jahr zu Hause im Bad. Eine Operation war nötig und sie von nun an auf einen Rollstuhl angewiesen.


Es wird viel gelacht und manchmal gesungen


Mit 99 wechselte sie noch mal den Wohnort. „Sie war schon immer gern zu Besuch bei uns in Dabel, weil sie vom Lande stammt“, erzählt die Tochter. „Ich habe mit Familie Brandt gesprochen, sie hat schnell und unkompliziert geregelt, dass meine Mutter hier unterkam. Dafür bin ich sehr dankbar“, so Brigitte Lenz. „Im Sommer haben wir sie so oft es ging zu uns in den Garten geholt, Kaffee getrunken und erzählt. Manchmal singen wir auch gemeinsam. Sie ist eine fröhliche Natur und lacht gern.“ Auch mit 100 sei ihre Mutter voller Lebensfreude. Sie sei auch glücklich über die zwei Enkel und drei Urenkel. Und nach dem gestrigen Trubel geht es heute wieder in die Tagespflege.

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