Landwirtschaft : Mit 100 000 Litern aufs Altenteil

Stolz auf ihre Superkuh mit der Schärpe für 100 000 Liter Milchleistung: Bereichsleiter Andreas Ogorreck (l.), Betriebsleiter Johannes Ullrich (3.v.l.) sowie die Tierpfleger Jörg Seidler, Olaf Viek, Danilo Eggerth und Sven Müller (v.l.).
Stolz auf ihre Superkuh mit der Schärpe für 100 000 Liter Milchleistung: Bereichsleiter Andreas Ogorreck (l.), Betriebsleiter Johannes Ullrich (3.v.l.) sowie die Tierpfleger Jörg Seidler, Olaf Viek, Danilo Eggerth und Sven Müller (v.l.).

Der Agrarhof Brüel schafft das zweite Mal die magische Grenze bei der Milchleistung einer Kuh. Rita behält ihren Sonderstatus bis ans Lebensende.

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19. März 2015, 17:04 Uhr

Ihren Namen bekam sie erst jetzt – mit elf Jahren. Aber den hat sich Rita, die bislang wie alle ihre Artgenossinnen in einem größeren Stall lediglich eine Nummer trug, redlich verdient. Sie erreichte als zweite Kuh auf dem Agrarhof Brüel die magische Grenze von 100 000 Litern Milch. Das hatte hier zuerst Elenor im Oktober 2013 geschafft und auch aus diesem Anlass ihren Namen bekommen.

Ein Ereignis, das dem Landeskontrollverband (LKV) für Leistungs- und Qualitätsprüfung Mecklenburg-Vorpommern, der sich in 16 Kontrollvereine gliedert, eine zünftige Auszeichnung wert ist. Das Sternberger Seenland betreut der Kontrollverein Güstrow. Dieser kommt mit Rita auf 121 Kühe, die in ihrem Leben über 100 000 Liter Milch gegeben haben. 28 von ihnen leben noch, weiß Angelika Fraß. Weitere elf Tiere würden gewissermaßen in der Warteschleife für die Auszeichnung stehen.


Genetisches Potenzial auf Anhieb zu erkennen


„Bei 95 000 Litern verständigen wir den Betrieb, damit vielleicht besonders auf diese Kuh geachtet und sie möglichst nicht zum Schlachten abgeliefert wird“, so Fraß. Nächste Woche zeichne der Güstrower Kontrollverein mit Zara aus dem Landwirtschaftsbetrieb Griepentrog in Steinhagen bei Bützow sogar eine Kuh mit der beinahe
unglaublichen Milchleistung von 150 000 Litern aus.

Rita vom Agrarhof Brüel, am 14. Oktober 2003 geboren, hat Bereichsleiter Andreas Ogorreck vor zehn Jahren als tragende Färse in Lübtheen gekauft. Dass sie so einschlägt, habe er nicht wissen können, doch ihr genetisches Potenzial sei auf Anhieb zu erkennen gewesen. „Ich kann mich ziemlich gut daran erinnern. Ich stand in der Herde und wollte mir 20 Tiere aussuchen. Fünf hätte ich zweimal gekauft. Als ich auf die zeigte, hieß es, die hätte ich doch schon ausgesucht. So war das auch mit unserer jetzigen Rita“, erzählt Ogorreck schmunzelnd. Die drei L hätten dann zu der bemerkenswerten Milchleistung geführt: „Licht, Luft, Liebe.“

Die Superkuh hat acht Kälber zur Welt gebracht und pro Laktation durchschnittlich 11 700 Liter Milch gegeben. Aktuell sind es noch
33 Liter am Tag. Futter erhält sie auf dem Altenteil wie alle anderen, Mais- und Grassilage, Stroh sowie Kraftfutter. Doch Rita genieße einen Sonderstatus, den sie bis an ihr Lebensende behalte, so Ogorreck. Das habe sich so ein Tier verdient. Und Rita rage auch ohne Schärpe heraus, schon wegen ihrer Größe. Sie gehört zu den Letzten ihrer Art im Betrieb, der den gesamten Bestand von schwarzbunten Holstein-Frisian auf braune, deutlich kleinere Jersey-Rinder umgestellt hat. „Damit sind wir jetzt durch und kennen die Tiere“, sagt Betriebsleiter Johannes Ullrich. Eine Rasse auszutauschen, sei eine große Herausforderung. „Wir lernen noch täglich dazu, wie die Kuh tickt, wie sie behandelt werden will, um das zu geben, was in ihr steckt.“ Kuh sei zwar Kuh, aber in den Feinheiten gäbe es Unterschiede, was am besten zu ihr passe, ob beim Futter oder bei der Haltung. „Ich meine, wir sind auf dem richtigen Weg und können bald anderen was über Jerseys erzählen“, so Ullrich. In Deutschland würden von dieser Rasse schätzungsweise rund 3500 Tiere gehalten, in Brüel sind es mittlerweile exakt 267. Der Agrarhof will anstelle der jetzigen Ställe ein Vermarktungszentrum mit Auktionshalle für Jersey-Kühe errichten, in dem der Betrieb Fachleute aus ganz Europa erwartet. Im Vergleich zu den Schwarzbunten sei das jetzt „eine Welt für sich“, meint Ullrich. „Ich bin jeden Tag gespannt, wie sich das entwickelt, was wir tun.“

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