Kaarz : Ministerfrage: Was ist Kunst?

Ruzica Zajec macht Minister Mathias Brodkorb (l.) auf Ausstellungen aufmerksam. Im Hintergrund Broder Brunow.
Ruzica Zajec macht Minister Mathias Brodkorb (l.) auf Ausstellungen aufmerksam. Im Hintergrund Broder Brunow.

Auf Antwortsuche war Kulturminister Mathias Brodkorb gestern auch im Atelier von Ruzica Zajec in Kaarz.

von
19. August 2015, 20:52 Uhr

Dem Sommerurlaub hat Kulturminister Mathias Brodkorb auch in diesem Jahr wieder eine Kultur-Tour durch das Land angeschlossen, um mit Kunstschaffenden ins Gespräch zu kommen. Eine Station war gestern das Atelier von Ruzica Zajec in Kaarz. Brodkorb hatte sie 2013 in der Kunsthalle in Rostock kennen gelernt, als er ihr den Kunstpreis der Kulturstiftung Rostock e. V. und der Hansestadt Rostock überreichen durfte.

Schon damals hatte er sich in eine ihrer Arbeiten verliebt, ein großes Triptychon der modernen Glasmalerei. Er entdeckte es wieder in ihrem kleinen Atelier, in dem der Minister schnell mit Ruzica Zajec und ihrem Mann Broder Burow ins Gespräch kam.

Zajek, 1959 in Osijek, Kroatien, geboren, studierte Grafik-Design in Sarajevo und ab 1991 an der Fachhochschule Hannover im Fachbereich Bildende Kunst. Heute gilt ihre Vorliebe dem Glas, aus dem sie Objekte gestaltet, aber es auch flächig bearbeitet.

Broder Burow ist 1949 in Lindholm geboren, absolvierte von 1965 bis 68 eine Tischlerlehre, von 1972 bis 78 folgten Ausbildung und Anstellung als Drechsler. Seit 1978 arbeitet er selbstständig mit eigener Werkstatt. Burow verwendet für seine Arbeiten einfache Elemente aus Holz und die Kräfte des fließenden Wassers. Beide leben seit 2004 in Kaarz.

Minister Brodkorb zeigte sich in der Werkstatt sehr interessiert, vor allem daran, eine für ihn ganz große Lebensfrage zu klären: Was ist Kunst? „Wenn ich ins Bauamt komme und frage, was ist Landwirtschaft, dann kann man mir das erklären. Aber die Künstler haben ihre eigenen unterschiedlichen Auffassungen zur Kunst. Manchmal beobachte ich, dass Kunstkritiker erst den Künstlern erklären, was Kunst ist. Aber sieht der Künstler das auch so? Sehen Künstler und Betrachter die gleiche Kunst in der Arbeit des Künstlers?“

Er besuche nun Jahr für Jahr Künstler im Land und versuche mit ihnen diese Diskussion zu führen und die Frage nach der Kunst zu klären, komme damit aber nicht weiter“, meinte er. Jemand habe ihm gesagt, Kunst sei die Idee zum Werk und nicht das Werk selbst. Aber dann müsse doch jeder mit einer Idee ein Künstler sein. Auch er habe Ideen, verstehe sich aber keinesfalls als Künstler, lachte er.

Für Ruzica Zajec und Broder Burow gibt es diese Frage eigentlich gar nicht. „Kunst wirklich in Worte zu fassen, ist, glaube ich, nicht möglich“, so die Künstlerin.

Brodkorb hatte viel Fragen: Wann haben sie entdeckt, dass sie Künstler sind? – Schon als Kind habe sie gern gezeichnet, so Ruzica Zajec. Waren sie gut in der Schule? – Ja, sehr gut. Ich habe auch erst Jura studiert. Hat ihnen der Kunstpreis etwas gebracht? – Nein, eher nicht! Können sie einem Kollegen sagen, dass das, was er macht, keine Kunst ist? – Nein, es ist schwierig, mit Kollegen ehrlich zu reden. Ist es erst Kunst, wenn man das Grundhandwerk der Malerei beherrscht? Und wenn man das Gefühl hat, das kann ich auch, ist das dann keine Kunst mehr? …

Immer wieder versucht Brodkorb, seine Lebensfrage zu klären. Und während er sich noch Bilder aus früheren Zeiten von Ruzica Zajec zeigen lässt, wie Aktskizzen u. a., fiel beiläufig die Frage, ob man von der Kunst leben könne? Beide, sowohl Zajec als auch Brunow, verneinten ehrlich. Was die Künstlerin denn davon halte, wenn er ein 1000-Euro-Stipendium für zwei Monate New York ins Leben rufen würde, oder doch besser nach Tibet? Für sie wäre New York entschieden lukrativer, antwortete sie und kündigte an, dass sie im nächsten Jahr für einen Monat nach New York gehe.

Letztendlich konnte Kulturminister Mathias Brodkob die Frage „Was ist Kunst?“ auch im Kaarzer Atelier nicht zu seiner Zufriedenheit klären, eine sehr nette und interessante Stunde im Haus von Ruzica Zajec und Broder Brunow war es aber allemal. Die Kultur-Tour geht heute weiter.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen