Brüel : Minister: Strompreis bleibt hoch

Auf dem Roten Sofa im „Mecklenburger Hof“ in Brüel: Minister Christian Pegel wirkt im Gespräch mit Hotelchefin Gabriele Schumacher-Poschmann locker und offenherzig, setzt bei seinen Antworten auch gern Arme und Hände ein.  Fotos: Rüdiger Rump
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Auf dem Roten Sofa im „Mecklenburger Hof“ in Brüel: Minister Christian Pegel wirkt im Gespräch mit Hotelchefin Gabriele Schumacher-Poschmann locker und offenherzig, setzt bei seinen Antworten auch gern Arme und Hände ein. Fotos: Rüdiger Rump

Christian Pegel antwortete beim 6. Wirtschaftsstammtisch auf dem Roten Sofa in Brüel auf Fragen zu erneuerbaren Energien, Maut, schnellem Internet, Radwegen und Persönlichem.

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26. März 2015, 21:15 Uhr

Gabriele Schumacher-Poschmann hätte ihm gern eine andere Botschaft zum Strompreis entlockt, hakte ein paar Mal nach. Sie habe das Gefühl, der Strom werde von Jahr zu Jahr teurer, obwohl MV bei Erneuerbaren Energien voran gehe, mehr produziere als verbrauche. Da müsste der Preis doch endlich fallen. Doch Christian Pegel wollte keine falschen Hoffnungen wecken. Der Minister für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung war am Mittwochabend Gast auf dem Roten Sofa beim 6. Wirtschaftsstammtisch im „Mecklenburger Hof“ in Brüel.


Gefährlich wird es, wenn die Familie „Sie“ sagt


Wie sonst wollte die Gastgeberin eingangs Persönliches wissen. Pegel, der „die Farbe vom Sofa toll“ fand, stammt aus Hamburg und studierte
Jura an der Uni Greifswald. Bei seiner Frau sei es genau umgekehrt gewesen. Sie war von Velgast bei Stralsund nach Hamburg gegangen, später aber zurückgekehrt. In der Greifswalder Kanzlei hätten sich beide kennen gelernt. Das Paar mit zwei Töchtern lebt in Schwerin, hat aber weiter die Wohnung in Greifswald. Der Weg zurück in die Kanzlei stehe jederzeit offen, und das nehme ihm im Ministeramt, das er sehr gern ausübe, eine große Last. Privat fahre er einen Ford Galaxy mit HGW. In den passe alles hinein, was die Familie auf Reisen benötige. Sein Dienstwagen sei ein fahrendes Büro. Ab Juni 2012 Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei, wurde Pegel am 14. Januar 2014, eine Woche nach dem 40. Geburtstag, zum Minister ernannt. In Brüel sei er noch nicht gewesen, aber in Golchen bei der Preisvergabe für Dorfprojekte.

Ob ein Minister gefährlich lebe, fragte die Gastgeberin. „Am gefährlichsten wird es, wenn Frau und Kinder anfangen zu siezen“, plauderte Pegel munter, um dann völlig ernst zu werden. Vor Weihnachten habe er Drohungen gegen die Kinder erhalten und „schwer zu schlucken gehabt“. Der mutmaßliche Täter sei ermittelt, das beruhige ihn.


Mehr Wertschöpfung im eigenen Land


Zurück zum Strom: Einige Versorger hätten zu Jahresanfang die Preise gesenkt, doch einen Sinkflug leite er davon keineswegs ab, so der Minister. Auf absehbare Zeit würden die Strompreise hoch bleiben. Es müsse umfangreich investiert werden, nachdem Strom jahrelang „auf Verschleiß“ erzeugt worden sei. Und wenn Kernkraft abgeschafft werde, müsse er von woanders kommen. Umso wichtiger sei der Ausbau der Erneuerbaren Energie. Damit steige gleichzeitig die Wertschöpfung im Land deutlich an. Die sei in anderen Bundesländern erfolgt, als MV noch Strom zukaufen musste. Jetzt sei es umgekehrt, die Energiebranche beschäftige inzwischen 20 000 Mitarbeiter; und deren Einkommen liege deutlich über dem Landesdurchschnitt. Der Minister plädierte für kleinräumige Biogasanlagen von Landwirten, die anfallende organische Substanzen vor Ort verwerten, ebenso wie für Windkraftanlagen.

Weiteres Thema: Maut. Die für Lkw unterstütze er „mit tiefer Überzeugung“, weil Laster die Straßen um ein Mehrfaches belasten. Die Erweiterung auf einige Bundesstraßen sei ebenso richtig, um Ausweichverkehr zu verringern. Schumacher-Poschmann warf ein, dass viele Laster bei Zurow die A 20 verlassen, durch Warin, Brüel und Sternberg fahren und hinter Güstrow wieder auf die Autobahn. Für das gesamte Straßennetz Lkw-Maut zu erheben, sei logistisch nicht machbar, so der Minister. Bei der geplanten Pkw-Maut stünden Aufwand und Ertrag in keinem guten Verhältnis, nur die Bescheide an deutsche
Autofahrer gerechnet, die nicht zusätzlich belastet werden dürften. Doch er sehe das „pragmatisch“, so Pegel, „die Pkw-Maut war der Preis für Mindestlohn und Rentenreform im Koalitionsvertrag“.

Das Vorhaben der Bundesregierung, dass für das Internet bis 2018 flächendeckend mindestens 50 MBit verfügbar sein sollen, halte er für ein „mutiges Signal“, in ländlichen Regionen aber für kaum realistisch. Mit 90 Prozent wäre dort schon viel erreicht.

Um noch mehr Radwege zu bauen, fehle das Geld. Ein Kilometer koste 150 000 Euro. Beim Bund stehe eindeutig die Verkehrssicherheit an erster Stelle und nicht der Tourismus, machte der Minister klar. Zudem werde der Erwerb der Grundstücke immer schwieriger. Er habe von den Landkreisen Prioritätenlisten erstellen lassen und könne die nun nicht kassieren, indem er einen Radweg, wie etwa zwischen Ventschow und Warin, vorziehe. Darauf bezog sich die Anfrage einer Neuhoferin.

Die weitere Lagerung von Atommüll in Lubmin, dem einzigen Zwischenlager, in dem der Bund schalten und walten dürfe, kenne er bislang nur „aus der Gerüchteküche“. Bei der Frage eines Lübzers zur Südbahn machte der Minister keine Hoffnung. Die Finanzen für den Regionalverkehr seien begrenzt, es müsse nach Wirtschaftlichkeit gehen. Darauf achte auch der Landesrechnungshof, sprang Ex-Ministerpräsident Harald Ringstorff dem Gast auf dem Sofa bei.

Die Brüeler Stadtvertreterin Nadine Borawski fragte nach einem Raumordnungsverfahren für die Milchviehanlage in Keez. Pegel sagte, damit sollten häufig Projekte verhindert werden. Es sei aber nur zwingend bei einer Umweltverträglichkeitsprüfung. Hier hagelte es kräftig Minuspunkte für den Minister.

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