Landwirtschaft : Milchpreis macht Bauern Sorgen

Joachim Lübcke auf dem Hof in Siggelkow. Hier stehen rund 300 Milchkühe.
Joachim Lübcke auf dem Hof in Siggelkow. Hier stehen rund 300 Milchkühe.

Einnahmen sind weiter gesunken / Aufwand der Landwirte bei der Milchproduktion liegt in manchen Betrieben bereits über den Erlösen

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12. November 2014, 12:00 Uhr

Sinkende Preise für Milch und Butter im Discounter. Was bei so manchem Kunden ein Lächeln hervorruft, sorgt bei Bauern für Sorgenfalten: Die Preise, die sie als Erzeuger für jeden Liter Milch bekommen, sind soweit gesunken, dass manche Betriebe inzwischen Verluste machen.

Erhielten die Bauern von den Molkereien im vergangenen Wirtschaftsjahr noch Vergütungen von rund 40 Cent je Liter Milch, waren es beispielsweise für die Landwirtschaftliche Erzeuger- und Absatzgemeinschaft (LAG) Friedrichsruhe zuletzt nur noch 33. „Wir brauchen 35 Cent, um die Kosten auszugleichen“, sagt Betriebschef Holger Rebert. Dazu gehören neben laufenden Ausgaben u.a. Tilgung und Zinsen von Krediten für Investitionen in Ställe. Rund 350 Milchkühe stehen hier.

„Wenn wir um die 35 Cent liegen, geht das ganz gut auf“, stimmt Joachim Lübcke, Chef der Siggelkow Agrar eG, zu. Im letzten Jahr blieb Geld aus der Milchproduktion übrig. Gewinne werden auch benötigt, um zu investieren. Derzeit liegen die Kosten über den Erlösen. Im Siggelkower Betrieb mit rund 300 Milchkühen ist dieser Zweig zwar nur einer, aber ein wichtiger. Ärgerlich für den Agrarbetrieb, dass auch in anderen Bereichen die Einnahmen nicht sprudeln. Die Ernte war zwar gut, doch die Getreidepreise bescheiden. Auch mit Schweinefleisch lässt sich momentan nichts verdienen. Im Gegenteil. Für 1,40 Euro pro Kilo verkaufen die Siggelkower das Fleisch. 1,60 bis 1,70 Euro benötigen sie aber, so Lübcke.

Die Fleischpreise sind u.a. auch bei der Bullenmast gesunken, ist aus Friedrichsruhe zu erfahren. Für Hähnchen sank der Kilopreis von 98 auf 90 Cent, so Holger Rebert. „Wir rechnen mit dem Zehntel hinter dem Komma.“

Für Marcus Schwarzer, Chef der Dobbertiner Agrargenossenschaft und Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Parchim, liegt die absolute Schmerzgrenze vom Milchpreis bei 30 Cent. „Alles, was drunter liegt, geht richtig an die Substanz.“ Er sieht die Möglichkeiten erschöpft, die Kosten bei der Milchproduktion weiter zu senken. Auch an Arbeitskräften könne man nicht sparen, wenn die Milchpreise sinken. Die Tiere müssen versorgt werden, das Abkalben funktionieren.

Von Eingriffen in den Milchmarkt hält der Kreisbauernpräsident allerdings nichts. Das habe noch nie funktioniert, meint Schwarzer. „Die Märkte müssen sich alleine regulieren.“

Für einige Betriebe besteht die Gefahr, dass sie mit einer Strafe von der Europäischen Union rechnen müssen, weil sie zu viel Milch produziert haben, weiß Schwarzer. Die Quotenregulierung fällt zwar im nächsten Jahr weg. In diesem Jahr wurden die Kontingente aber noch an der Börse gehandelt. Einige Betriebe haben sich für vier bis acht Cent pro Liter zusätzliche Milchquote eingehandelt, um nicht mit einer Superabgabe belastet zu werden.

Rainer Hromada, Chef der Agrar KG in Suckow mit rund 280 Milchkühen, hat seit dieser Woche offenbar als einer der Ersten die Abrechnung seiner Molkerei für Oktober auf dem Tisch: Auf 30 Cent ist der Grundpreis pro Liter Milch gesunken. „Das ist schon nicht mehr das Wahre“, sagt er. Bleiben die Preise auf dem Niveau, hätte der Betrieb im Vergleich zu den Spitzenpreisen 220 000 Euro weniger Einnahmen im Jahr. „Bei gleichem Aufwand“. Hromada hofft, dass die Preise wieder steigen. Er erinnert an noch schlechtere Zeiten. Vor Jahren waren die Milchpreise auf 18 Cent gesunken.

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