Sternberg : Menschlich muss es passen

Gestärktes Team im Sternberger Betrieb, v. r.: Firmenchef Johannes Sandmann und seine neue Mitarbeiterin Claudia Artl mit Katrin von Pich-Lipinski vom Arbeitgeberservice und Carola Behnisch von der Arbeitsagentur.
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Gestärktes Team im Sternberger Betrieb, v. r.: Firmenchef Johannes Sandmann und seine neue Mitarbeiterin Claudia Artl mit Katrin von Pich-Lipinski vom Arbeitgeberservice und Carola Behnisch von der Arbeitsagentur.

Sternberger Firmenchef berichtet von der schwierigen Suche nach neuen Mitarbeitern: Schulungsangebote für Quereinsteiger

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14. Mai 2018, 21:00 Uhr

Es passt eigentlich nicht, könnte man meinen: Eine Bankkauffrau steigt in eine Tief- und Kabelbaufirma ein. Und es passt doch: Claudia Artl arbeitet jetzt bei Johannes Sandmann in Sternberg. Katrin von Pich-Lipinski von Arbeitgeberservice hat die 39-Jährige vermittelt.

Claudia Artl war wegen einer neuen Beziehung umgezogen und hatte so ihren Job bei einem Kreditinstitut aufgegeben. Zwischenzeitlich war sie vertretungsweise in der Arbeitsagentur tätig.

„Ich bin sehr zufrieden mit der Arbeit“, sagt Johannes Sandmann über seine neue Kollegin. „Es passt auch menschlich.“ Der Geschäftsführer von zwei Firmen für Tief-, Kabel- und Freileitungsbau sowie Energieservice hatte eine kaufmännische Angestellte als Assistentin für die Geschäftsführung gesucht und sich zunächst für eine andere Bewerberin entschieden, die ihm mit der Baumaterie vertrauter erschien. Doch sie passte nicht in das Team.

Da die Auftragslage für die Firma Sandmann momentan so gut ist, setzt der Chef Claudia Artl für eine ganze Reihe von Aufgaben ein, für die sie eigentlich gar nicht vorgesehen war, hauptsächlich bei der Vorbereitung von Projekten. Sie hält beispielsweise wegen Hausanschlüssen Kontakte zu Kunden, organisiert Arbeitsschutz und Weiterbildungen.

Cornelia Behnisch, Teamleiterin der Agentur für Arbeit, erklärte, dass Stellenausschreibungen und Profile der Bewerber heute nicht mehr eins zu eins zusammenpassen. Würde man nur danach gehen, könnten offene Stellen nicht besetzt werden. Es zählt unter anderem: Passt es menschlich? Ist der Bewerber in der Lage, sich zusätzliches Wissen anzueignen?

Johannes Sandmann ist froh, dass es in seiner Firma eine sehr geringe Fluktuation gibt und er auf einen Stamm von Mitarbeitern setzen kann, die 15, 20 oder sogar 25 Jahre hier tätig sind. Das sei wichtig für die Qualität bei der Abarbeitung von Aufträgen.

Allerdings gibt es Probleme, weitere Mitarbeiter zu finden. Der Geschäftsführer möchte zehn motivierte Bewerber aus Sternberg und Umgebung zum Tiefbauhelfer schulen und will in diese Weiterbildung pro Mann 12 500 Euro investieren. Nach drei Monaten Ausbildung winkt ein unbefristeter Arbeitsvertrag. Ansprechen will er damit beispielsweise Quereinsteiger oder Langzeitarbeitslose. Sandmann erklärt, dass es für Helfer auf dem Bau einen deutlich höheren Mindestlohn als den gesetzlichen gibt. Der Firmenchef verweist auch auf die betriebliche Altersversorgung in seiner Firma.

Carola Behnisch weiß: Viele Pendler wollen zurück. Wenn sich Nachwuchs ankündigt, zieht es junge Leute oft in die Nähe ihrer Eltern. Allerdings müssen auch Gehalt, Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten stimmen.

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