Blankenberg : Mehr Moore bringen Ökopunkte

Diese Sumpfwiese wurde durch die Melioration in der DDR trocken gelegt. Jetzt ist sie wieder nass und mit in Mooren heimischen Erlen bepflanzt.  Fotos: Katja Frick
1 von 3
Diese Sumpfwiese wurde durch die Melioration in der DDR trocken gelegt. Jetzt ist sie wieder nass und mit in Mooren heimischen Erlen bepflanzt. Fotos: Katja Frick

Durch die Renaturierung des Moorgebietes Fauler See wurde die Freisetzung von 280 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr verhindert

svz.de von
05. Februar 2018, 21:00 Uhr

Ein Ort mitten im Nirgendwo: Kein Ausflugsgebiet für Wanderer, stattdessen trappeln drei Respekt einflößende große Wildschweine vorbei. Trotzdem ist das Moor Fauler See bei dem Dörfchen Weiße Krug in der Nähe der Bahnstation Blankenberg ein wichtiger Ort für Mensch und Natur. „In Mooren, die austrocknen, wandelt sich der Torf im Boden in Erde um. Dabei wird Kohlendioxid freigesetzt“, erklärt Mathias Regenstein, der Leiter zuständigen des Forstamtes Schlemmin. Moore sind die größten und effektivsten Kohlenstoffspeicher auf der Erde, sie speichern doppelt so viel Kohlenstoff in ihren Torfen wie in den Wäldern weltweit enthalten ist. Auf den sieben Hektar des Moores Fauler See hätte eine Austrocknung 280 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr mehr in unserer Atmosphäre bedeutet - wäre der Austrocknungsprozess nicht aufgehalten worden. Im Oktober 2017 wurde das Moorgebiet vom Forstamt renaturiert. Der in den 60er- Jahren des letzten Jahrhunderts angelegte tiefe Graben für eine sehr gründliche Entwässerung des Gebietes legte damals eine Wiese trocken, auf der Balsampappeln wachsen sollten. Die brauchte die DDR für ihre Streichholzproduktion. Doch die Pappeln taten sich schwer mit dem Wachsen, so ganz gelang das Projekt nicht.

Das Forstamt Schlemmin fasste im letzten Jahr den Plan, das Moor auf eigene Kosten wieder zu vernässen - wie schon etwa 130 von 230 Mooren in seinem Gebiet in den vergangenen zehn Jahren. Im Herbst wurde daher der künstliche Abflussgraben am Faulen See verstopft und stattdessen der natürliche Abfluss angestaut. Durch zweieinhalb Tage Arbeit und eine Investition von 2500 Euro werden statt einer Freisetzung nun fünf Tonnen Kohlendioxid pro Jahr und Hektar vom Moor gebunden. „Bei einem Wasserstand wie jetzt bildet sich auch neuer Torf“, so Regenstein. „Außerdem funktioniert ein Moor wie ein Schwamm.“ Und ist damit ein wichtiges Auffanggebiet für überflüssiges Regenwasser wie in diesem Winter mit seinen großen Niederschlagsmengen. „Das Wasser, das hier aufgefangen wird, fließt nicht in die Flüsse. Ohne die Moore würden Warnow und Nebel noch mehr Wasser als jetzt schon führen. Deshalb ist die Renaturierung von Mooren auch ein kleiner, wichtiger Baustein für von Hochwasser bedrohte Gebiete.“

Abgesehen davon ist die Renaturierung des Faulen Sees 143000 „Ökopunkte“ wert. Diese Punkte können Unternehmen oder Privatpersonen kaufen, wenn sie durch Eingriffe in die Natur - also z. B. das Fällen von gesunden Bäumen, Verschmutzung der Luft oder die Aufstellung von Windrädern - Ausgleichsmaßnahmen nachweisen müssen. „Wegen dieses Handels finden auch die Nationalparke und Biosphärenreservate kaum Flächen für eine Renaturierung von Mooren, obwohl das gefördert wird“, meint Mathias Regenstein. Denn die Eigentümer der Flächen wollen lieber auf eigene Kosten ihre Sümpfe trocken legen und in den „Öko-Ablasshandel“ einsteigen, wie das Geschäft mit der Umwelt auch genannt wird. Das ist inzwischen zu einem bedeutenden Unternehmenszweig herangewachsen, meint der Forstamtsleiter.

Seit Dezember 2017 ist übrigens auf der Website der Landesregierung MV eine Publikation mit einer Fachstrategie zur landwirtschaftlichen Nutzung nasser Moore zu finden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen