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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 03:09 Uhr

Brüel : Mehr Chancen für den Rotmilan

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Der Sternberger Landschaftspflegeverband informierte auf einer Naturschutzberatung für Landwirte über das Projekt zum Schutz des Greifvogels. Im Seenland wurden 14 Jungtiere erfasst.

svz.de von
erstellt am 21.Okt.2014 | 17:30 Uhr

Im Sternberger Seenland wurden in diesem Jahr die Nester des Rotmilans auf einer Fläche von 140 Quadratkilometern mit GPS erfasst, dann kartiert und beobachtet. Bei 14 begonnenen Bruten war genau die Hälfte erfolgreich, 14 Jungtiere und damit zwei pro Nest sind schließlich ausgeflogen.

Seit Dezember 2013 läuft das vom Bundesamt für Naturschutz geförderte Projekt „Land zum Leben“. Das hiesige Seenland gehört zu den elf Modellregionen in acht Bundesländern. In MV gibt es mit einem weiteren bei Waren/Müritz zwei. Darüber informierte Hans Diederichs,
Geschäftsführer und Projektleiter beim Landschaftspflegeverband Sternberger Endmoränengebiet (LSE), in einer Tagung von Landwirten, die gestern auf dem Agrarhof Brüel stattfand. Solche Veranstaltungen für Landnutzer organisiert der Sternberger Verband seit 2012 gemeinsam mit der LMS Agrarberatung. Sie sind ein landesweites Pilotprojekt nach einem Vertrag mit dem Schweriner Landwirtschafts- und Umweltministerium.

Ziel der gestrigen Zusammenkunft war es, über Möglichkeiten zu sprechen, das Nahrungsangebot für den stattlichen Greifvogel zu verbessern und ihm damit mehr Chancen für seine weitere Existenz zu geben. Die Veränderungen in der Landwirtschaft seit Beginn der 1990er-Jahre werden als Hauptgrund gesehen, dass der Rotmilan heute auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten steht. Der Wendorfer Ernst Schmidt habe anfangs der 1990er noch 14 bis 15 Paare gezählt, um die Jahrtausendwende nur noch knapp die Hälfte. Vor allem in der Zeit, in der die Jungen aufgezogen werden, steht nicht ausreichend Nahrung zur Verfügung, erklärt Hans Diederichs. Mit ihm betreut Marika Schuchardt, studierte Landschaftsarchitektin und Umweltplanerin und seit 1. März beim LSE tätig, das Projekt.

Feldmäuse und andere Kleinsäuger hätten sich rar gemacht; Hamster, ein wahrer Leckerbissen und Sattmacher für den Rotmilan, seien hier praktisch von der Bildfläche verschwunden, sagt Diederichs. Schon eine spätere Mahd bestimmter Flächen würde helfen, Mäuse besser zu erreichen. Unter Raps oder Weizen finde er keine. Vielleicht wäre es auch möglich, so Schuchardt, dass Landwirte in der Region zeitlich versetzt mähen, damit das Nahrungsangebot für den schützenswerten Greifvogel gleichmäßiger wird. Für Wolf-Dietmar Vetter, Vorstandsvorsitzender der Wariner Pflanzenbau eG, ist die Auswahl von Flächen in Horstnähe, wie Pufferstreifen an Wäldern, das A und O. Landwirten käme eine frühere Mahd entgegen, doch sie brauchten eine Ausnahmeregelung im Interesse des Rotmilans. Denn dort dürfe erst spät gemäht werden zum Schutz von Bodenbrütern. Es gäbe noch viel Klärungsbedarf, räumt auch Hans Diederichs vom Landschaftspflegeverband ein. Das betreffe genauso finanzielle Anreize, etwa für Saatgut auf eben diese Flächen, auf denen sich Mäuse gern ansiedeln. „Derzeit treten wir leider auf der Stelle. Uns stehen lediglich Agrarumweltmaßnahmen zur Verfügung“, so Diederichs. Darum seien Gespräche mit Umwelt- und Naturschutzbehörden vorgesehen.

Beunruhigung am Horst durch Holzeinschlag oder Räubereien durch den sich verbreitenden Waschbär machten dem Greifvogel ebenfalls zu schaffen. Letzterem könnte mit Manschetten um Bäume, auf denen der Rotmilan nistet, begegnet werden. Um ihm ruhige Standorte zu gewähren und Holzeinschlag vor allem in der Phase zu vermeiden, in der sein Nachwuchs heranwächst, soll es in Gesprächen mit Forstbetrieben gehen. Bei uns niste der Greifvogel im Unterschied zu anderen Regionen, das habe die Erfassung des Bestandes gezeigt, zu 100 Prozent in hohen Bäumen der Wälder, macht Schuchardt deutlich. Das gelte beispielsweise für das Kaarzer Holz, das als Nationales Naturerbe entwickelt werden soll.

Bis ins Frühjahr werden die neuen Horststandorte erfasst, kündigt Hans Diederichs an. Denn 60 Prozent der Rotmilane würden jedes Jahr umziehen. Und gemeinsam mit der Hochschule Neubrandenburg soll das Thema „tiefer wissenschaftlich“ bearbeitet werden.

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