Nisbill/Warin : Martin hat Gesellschaft bekommen

Ein wenig argwöhnisch scheint Ganter „Martin“ (l.) seine neue, ein Jahr jüngere Partnerin noch zu betrachten. Die Warinerin Gerlinde Klinke (l.), die das Tier als ersten Preis beim Weihnachtsmarkt gewonnen und für einen symbolischen Preis Imke Kniest überlassen hatte, amüsieren sich über die vorsichtigen Annäherungsversuche im Streichelzoo vom „Haus am Bibowsee“ in Nisbill.
Ein wenig argwöhnisch scheint Ganter „Martin“ (l.) seine neue, ein Jahr jüngere Partnerin noch zu betrachten. Die Warinerin Gerlinde Klinke (l.), die das Tier als ersten Preis beim Weihnachtsmarkt gewonnen und für einen symbolischen Preis Imke Kniest überlassen hatte, amüsieren sich über die vorsichtigen Annäherungsversuche im Streichelzoo vom „Haus am Bibowsee“ in Nisbill.

Für den Ganter im Streichelzoo vom „Haus am Bibowsee“ wurde eine Partnerin gefunden. Der erste Preis beim Wariner Weihnachtsmarkt wurde vor der Schmorpfanne bewahrt und wird jetzt liebevoll betreut.

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21. August 2015, 20:52 Uhr

In dem kleinen Streichelzoo vom „Haus am Bibowsee“ in Nisbill wiehert, meckert, gackert und schnattert es. Letzteres neuerdings im Duett, denn Martin hat Gesellschaft bekommen. Der Ganter, mancherorts auch als Gänserich, Ganser oder Ganterich bezeichnet, war der erste Tombolapreis auf dem Weihnachtsmarkt im Dezember in
Warin. Zwei tierliebe Frauen bewahrten ihn dann aber vor der Schmorpfanne.

Bei der Tombola galt es, die Zahl der Schokokugeln in einem Glasbehälter zu erraten werden. 401 wären richtig gewesen. Neun Teilnehmer lagen nahe dran. Unter ihnen zog eine Glücksfee die drei Hauptgewinner. Die Weihnachtsgans vom „Storchenhof Sauer“ in Reinstorf, die sogar schon einen Namen hatte, ging an Gerlinde Klinke aus Warin.


Zuerst Freundschaft mit den Hühnern


Das Federvieh so allein in seiner Box auf dem Markt habe ihr leid getan, blickt die 73-Jährige zurück. Dieses Tier könne man doch nicht einfach schlachten. „Ich bin vom Lande und hatte immer mit Viechern zu tun, doch das konnte ich nicht übers Herz bringen, obwohl dies ein Weihnachtsbraten für die ganze Familie gewesen wäre“, sagt die Seniorin.

Imke Kniest, die vorher von der Weihnachtsgans wusste, dachte ähnlich und hatte schon geahnt, dass der oder die Gewinnerin vielleicht nicht allzu viel mit dem lebenden Hauptpreis anfangen könnte – und sie hatte im „Haus am Bibowsee“ vorgefühlt. Sie wüsste einen guten Platz für das Tier, sprach Kniest die Gewinnerin an. Beide waren sich ganz schnell einig. Dass es sich später beim genauen Hinsehen als männlich erwies, war Nebensache. So wurde aus Martina ohne großes Prozedere Martin. Er kam über Nacht in eine große Hundebox auf dem städtischen Bauhof und tags darauf nach Nisbill in die Fachpflegeeinrichtung für Menschen mit Demenz, psychischen und Suchterkrankungen. In dem Streichelzoo lebten bereits ein Pferd, Ziegen, Hühner und zwei Pfaue. Ein
Bewohner versorge die Tiere jeden Tag liebevoll, sagt Hausleiterin Suse Hartmann. Für ihn sei das Hobby und Therapie, „er striegelt, putzt, mistet aus“. Er mache das perfekt, habe eine Aufgabe und Freude daran, so Hartmann.

Der junge Ganter hätte sich mit den Hühnern angefreundet, sich manchmal aber wohl auch einsam gefühlt. Dass ihm eine Partnerin gut tun würde, habe sie gleich gedacht, sagt Imke Kniest. Zumal Gänse monogam seien, sich ein Leben lang die Treue hielten. Lebe ein Partner nicht mehr, bleibe der andere allein. Doch bei Sauers seien im Dezember bereits alle Gänse geschlachtet gewesen. Deshalb habe sie, so die Warinerin, gleich eine Bestellung aufgegeben, als in diesem Frühjahr die Gössel vom neuen Jahrgang auf dem Storchenhof einzogen.

Vor einer Woche brachten nun Gerlinde Klinke und Imke Kniest sowie der Wariner Bürgermeister Michael Ankermann dem Ganter eine Partnerin nach Nisbill, wo sie zunächst Dettlef Lukat, der in dem Haus angestellt ist, in Empfang nahm. Beide Federtiere seien mit lautem
Geschnatter aufeinander zugegangen, bevor sich Martin doch erst einmal wieder den Hühnern zuwandte, die er länger kennt, erzählt Gerlinde Klinke, die sich freut, dass der gerettete Weihnachtsganter es in Nisbill „so gut getroffen hat“. In der Woche hätten sich Ganter und Gans mehr und mehr aneinander gewöhnt, sagt Suse Hartmann. „Sie kommen gut miteinander aus.“

Ob es ein richtiges Gänsepaar ist, steht allerdings noch nicht fest. Im jetzigen Alter der vermeintlichen Partnerin lasse sich nicht genau feststellen, ob es sich um Weibchen oder Männchen handelt. Imke Kniest sieht das ganz pragmatisch und hat das mit den Sauers vom Reinstorfer Storchenhof schon abgesprochen: Sollte Martin einen Ganter an die Seite bekommen haben, wird kurzerhand getauscht, wenn es Gewissheit über das Geschlecht gibt. Damit in Nisbill ein Gänsepaar zusammen lebt, das vielleicht auch Nachwuchs bekommt.

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