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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

25. November 2017 | 07:02 Uhr

Sternberg : Markttag freundlich bis nichts los

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Händler haben ganz unterschiedliche Erfahrungen am ersten Mittwoch des Monats in Sternberg.

von
erstellt am 07.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Erster Markttag im Monat: Viele sind jetzt aus dem Urlaub zurück, andere haben gerade ihr Geld für September auf dem Konto. Der Platz vor dem Sternberger Rathaus ist gestern bei dem sonnigen Wetter gut gefüllt, die Verkaufsstände sind allerdings sehr unterschiedlich frequentiert. Dass das Geld zu Monatsbeginn lockerer sitzt, treffe zumindest bei ihr nicht zu, sagt Andrea Bublitz. Sie bietet hier seit etwa 25 Jahren jeden Mittwoch Obst und Gemüse an, selbst den Winter über. „Heute ist das nicht mein Sternberg“, meint sie mit süßsaurer Miene. In Güstrow, ihrem Hauptstandort, sei das aber genauso gewesen. Richtig erklären lasse sich das nicht. „Ich habe eher Ende des Monats mehr Umsatz.“ Vielleicht, weil die Leute wüssten, was sie bis zum nächsten Zahltag im Portmonee hätten.


Mit dem Marktplatz inzwischen angefreundet


Fischer Jörg Rettig sieht kaum Unterschiede zwischen Monatsanfang und -ende. Zahlreiche Kunden kämen ohnehin jeden Mittwoch. „Da weiß ich oft, was sie wollen, und frage schon von mir aus. Doch manchmal soll es gerade an dem Tag was anderes sein“, erzählt Rettig schmunzelnd. Größtenteils habe er Stammkundschaft aus Sternberg und Umgebung. Urlauber kämen eher zum Fischereihof. Mit dem Standort auf dem Markt habe er sich inzwischen angefreundet. „Beim Umzug vom großen Parkplatz hierher war ich skeptisch, das gebe ich zu. Jetzt bin ich aber zufrieden“, sagt der Fischer. Auf dem Markt sei die Atmosphäre freundlicher und der Umsatz nicht wie befürchtet zurückgegangen.

Imker Manfred Hallmann nutzt die Zeit auch gern für einen Plausch. Einige Sternberger kommen jedes Mal, sitzen auf einer Bank und lassen es sich in der Sonne gut gehen, wenn sie scheint, andere stehen am Bistrotisch und unterhalten sich. Sabine und Heiner Stumme sind Urlauber aus Essen und kaufen vier Gläser Honig in verschiedenen Sorten. Sie seien von Dänemark gekommen und eigentlich auf dem Weg zur Müritz gewesen, als sie zufällig „das schöne Sternberg entdeckt“ hätten und mit ihrem Wohnmobil auf dem Campingplatz am Luckower See „hängen geblieben“ seien, wie der Essener sagt. „Das ist ein Luxusplatz, der Service perfekt. Und die Menschen sind freundlich. Ich sage das nicht nur so, wir haben es auch anders erlebt.“ Sie hätten mit dem Fahrrad schon einiges erkundet. Ehefrau Sabine, die aus Dresden stammt, lobt: „Hier finden wir es noch schöner als an der Müritz.“ Wo sie im Urlaub sind, schauen sie sich nach Honig um, erzählt das Ehepaar und lässt sich von Manfred Hallmann beraten. „Ich habe gehört, dass der Raps zu viel gespritzt wird. Deshalb haben wir den Honig nicht mehr gekauft.“ Er wisse, so der Sternberger Imker, dass hier nachts nach dem Bienenflug gespritzt werde und davon am nächsten Tag nichts mehr auf den Blüten sei. Er lasse seinen Honig in der Regel zwei Mal im Jahr im Bieneninstitut Celle prüfen. „Der wird richtig auseinander genommen.“ Beanstandungen am Inhalt habe es noch nie gegeben, einmal sei lediglich das Gewicht mokiert worden. Die Essener Urlauber sind überzeugt und nehmen auch wieder Rapshonig, denn der habe ihnen immer am besten geschmeckt. „Honigkauf ist Vertrauenssache“ steht auf Hallmanns Werbeschild. Er sei seit 1981 Imker und wandere mit seinen Völkern, aktuell 15 an der Zahl. Mit der Zeit seien es weniger geworden, sagt der Rentner. Viel Geld sei damit ohnehin nicht zu verdienen.

Hans-Jürgen Pinnow, der in der Reihe gegenüber Schuhe verkauft, hat auch nur vereinzelt Kunden. „Mit großen Geschäften ist nichts mehr.
Jeder Discounter hat seine Grabbelboxen. Die machen kleine Händler kaputt. Mit den Preisen können wir nicht mithalten.“ Am Textilstand gleich nebenan ist überhaupt „nichts los“, bis kurz nach zehn war hier noch kein Kunde. Schuhhändler Pinnow sagt, „raußreißen werden wir nichts mehr, die Zeit ist vorbei“. Er versuche in seinen letzten Arbeitsjahren „klar zu kommen“, was Neues finde er sicher nicht mehr.

Zu fortgeschrittener Mittagszeit ist der Markt fast leer, selbst die lange Warteschlange an der „Nudelpfanne“ hat sich aufgelöst.

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