Kobrow : Manschette soll Waschbär stoppen

Der Waschbär räumt den Horst leer und macht dort womöglich noch Mittagsschlaf.
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Der Waschbär räumt den Horst leer und macht dort womöglich noch Mittagsschlaf.

Schutz für brütende Rotmilane durch Sternberger Landschaftspflegeverband / Mit einer Erle und zwei Kiefern begonnen

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02. Juni 2015, 12:00 Uhr

Waschbären gehen wie Marder flink an Baumstämmen hoch und räumen Horste leer. Lediglich glatte Rinde etwa von Buchen bereitet ihnen Schwierigkeiten. Deshalb hat der Landschaftspflegeverband Sternberger Endmoränengebiet (LSE) mit Sitz in Kobrow II erst einmal dort, wo der aus Nordamerika eingewanderte Räuber leichtes Spiel hätte, Baummanschetten angebracht. Sie sollen brütende Rotmilane schützen. Denn die anderthalb Meter breite Verglasungsfolie, die es im Baumarkt zu kaufen gibt und
eigentlich für Gewächshäuser gedacht ist, dürften selbst
gewandte Kletterer nicht überwinden, sagt Marika Schuchardt.


Mit neun Brutpaaren unter Bundesschnitt


„In unserer Region haben wir gegenwärtig nur neun Brutpaare, die fest sitzen“, so Schuchardt. „Das sind nicht so viele, wir liegen damit unter dem Bundesdurchschnitt. Daher ist es für uns umso wichtiger, dass die wenigen Paare Bruterfolg haben.“ Im Vorjahr sei anhand von Spuren der Verdacht aufgekommen, dass der Waschbär oder andere Klettertiere sich in manchen Horsten bedient oder zumindest arg gestört haben könnten. Die Greifvögel hätten angefangen zu brüten und lange auf den Nestern gesessen, doch auf einmal sei Ruhe gewesen, die Brut aufgegeben worden,
erklärt Schuchardt. Freilich könne es auch andere Ursachen geben, die kenne bislang niemand mit Bestimmtheit, doch es liege nahe, dass kletternde Räuber in den Horsten gewesen seien. „Mit den Manschetten schließen wir den Waschbär und andere Klettertiere jedenfalls aus.“ Wenn sich ein Habicht auf den Horst setze oder ein Mäusebussard „Stress“ mache, was neuerdings häufiger vorkomme, würden die nicht helfen.

Mit einer Erle und zwei Kiefern sei begonnen worden. An dem Gemeinschaftswerk waren noch LSE-Geschäftsführer Hans Diederichs und Felix Herder, der zum Rotmilan seine Masterarbeit schreibt, beteiligt. „Wir konnten das nur bei günstiger Witterung machen, warme Temperaturen, kein Regen und Wind. Wir
waren ganz leise und haben uns mächtig beeilt, die Manschetten anzubringen, um die Vögel nicht zu stören. Vorher war genau abgesprochen, wer was macht“, so Schuchardt. Nur aus einem Nest sei ein Rotmilan auf einen Nachbarbaum geflogen, aber gleich wieder zurückgekehrt.

Nach dem Brüten werden die Manschetten wieder abgenommen. Wenn sie was genützt haben, würden im nächsten Jahr vielleicht noch mehr Bäume damit versehen.


Auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten


Noch gäbe es zu wenig verlässliche Informationen, ob die Eindringliche Eier oder Jungtiere aus den Nestern nehmen oder ob sie vielleicht doch vom Rotmilan, der mit einer Spannweite bis zu 1,70 Meter durchaus wehrhaft sei, vertrieben werden können. Mehr Aufschluss erhofft sich der Landschaftspflegeverband vom Artenschutzprojekt „Land zum Leben“, das seit Dezember 2013 in sieben Bundesländern in elf Regionen läuft und vom
Bundesamt für Naturschutz gefördert wird. Das hiesige
Gebiet umfasst rund 300 Quadratkilometer von Warin bis Below nahe dem Dobbertiner See. Das Projekt zielt darauf, den Brutbestand und
die Gefährdung des Rotmilans festzustellen, um Maßnahmen abzuleiten, die ihm wieder mehr Lebensraum und Nahrung verschaffen, um seine Existenz zu sichert. Der elegante Greifvogel steht derzeit auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten.

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