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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. Oktober 2017 | 02:44 Uhr

Firmenjubiläum : „Man muss mit der Zeit gehen“

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

„Metallbau & Schmiede Joachim Hecht“ gibt es seit 20 Jahren. Dabeler beging am Dienstag zugleich seinen 55. Geburtstag

von
erstellt am 17.Aug.2017 | 11:13 Uhr

An der Werkstattwand gleich neben der Bürotür hängt Joachim Hechts Meisterstück, eine schmiedeeiserne Pforte zur Meisterprüfung. Seit 20 Jahren gibt es die Firma „Metallbau & Schmiede Joachim Hecht“ in der Dabeler Schmiedestraße 2.


Beim Vater einst in die Lehre gegangen


Selten passt ein Straßenname so, ist beileibe aber kein Zufall. Zu DDR-Zeiten gab es hier die PGH „Fritz Reuter“ Dabel „mit acht Gewerken, inklusive Schmiede“, erzählt der Jubilar. Walter Hecht, dessen Vater, war der Schmied, „bei ihm habe ich von ’79 bis ’81 gelernt und bis zur Wende dann auch gearbeitet“, betont der 55-Jährige.

Am 16. August hatte er Geburtstag. „Aber das ist Nebensache.“ In der Tat kamen die Gratulanten – Freunde, Nachbarn, Handwerkskollegen etc. – vor allem wegen des Firmenjubiläums. Dies war zwar bereits am 1. Mai, die Feierlichkeiten wurden aber aus betrieblichen Gründen auf den August verschoben.

Nach der Meisterschule 1996 in Lüneburg machte sich Joachim Hecht selbstständig. Zuvor war er nach dem Mauerfall ein halbes Jahr als Schmied in den Westen gegangen, bevor er viereinhalb Jahre berufsfremd bei der Firma Sanitär und Heizung Ockert in Brüel arbeitete. „Ockert war mein letzter Chef!“

Der Schmiedemeister hat den Schritt in die Selbstständigkeit nie bereut, obwohl er sich gleich nach der Wende „erst mal nicht traute“, wie er bekennt. Stattdessen pachtete sein Onkel Karl Peters die Schmiede in der Schmiedestraße, ging aber nach sechs Jahren raus, um im Dabeler Herrenweg eine eigene Metallbauwerkstatt aufzumachen. „So gibt es jetzt in Dabel zwei Metallbauer“, für Joachim Hecht kein Problem. Zumal seine Auftragslage „im Moment sehr gut ist“. Er kann gar nicht alle Aufträge annehmen und könnte gut einen dritten Beschäftigten einstellen. „Aber uns fehlen die Fachkräfte“, Schulabgänger hielten heute nicht mehr viel von einem handwerklichen Beruf, hat der Meister die Erfahrung gemacht. Zudem habe sich aber auch für Joachim Hecht die jetzige Konstellation mit ihm als Chef sowie zwei Gesellen eingespielt. Wobei einer gar kein Geselle mehr ist: Sohn Thomas (35) hat auch bereits den Metallbaumeister in der Tasche und verkündet gegenüber SVZ: „Ich will es mal übernehmen und die Familientradition fortsetzen.“ Doch erst einmal plant der Senior noch für „die nächsten zehn Jahre“.

Der Firmenname „Metallbau & Schmiede“ hat eine besondere Bewandtnis. „Nach der Wende waren wir plötzlich alle Metallbauer“, so Joachim Hecht. Die Berufsbezeichnung des seit der Antike geschichtsträchtigen wie ehrbaren Schmieds war im Westen abgeschafft worden. Hecht sieht sich beidem verbunden: Tradition und Gegenwart.

„Man muss mit der Zeit gehen“, sagt der 55-Jährige. Damit meint er aber nicht den Streit um Kaisers Bart, ob Metallbau oder Schmiede – sondern den Zeitgeist. „Als ich vor 20 Jahren anfing, da gab es einen Spruch: ,Ich bin Handwerker, was soll ich mit Computer‘. Ich habe mir als erstes einen Computer angeschafft. Heute reicht ein Handy zum Telefonieren schon lange nicht mehr“, betont Hecht und fügt hinzu: „Man muss mit der Zeit gehen! Dabei aber gut abwägen, was ist wirklich wichtig und was verzichtbar, um noch Mensch zu bleiben und man selbst kein Computer wird.“

Die Auftragsbücher sind, wie gesagt, voll: Zäune, Tore, Geländer, Treppen „und ein bisschen Alu und Edelstahl bis hin zum kleinen Stahlbau“. Sein größtes Projekt war vor einem Jahrzehnt ein 120-Tonnen-Auftrag für die Rollbahn der Tunnel-Bohrmaschine beim U-Bahn-Bau in Amsterdam. Aber auch Kleinkunden seien sehr, sehr wichtig, „in schlechten Zeiten halten Kleinkunden einen am Leben“. So habe er gerade für einen Kunden aus Kukuk den Wetterhahn wieder zusammengelötet.  

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