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Bio-Landwirt der ersten Stunde : „Man muss ein bisschen stur sein“

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Langen Jarchower Dirk Saggau war 1999 der „1. Pionier“ der Region: Erfahrungen und Ausblick eines Bio-Bauern

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erstellt am 04.Jul.2016 | 20:45 Uhr

Langen Jarchow  „Der Sturmhof“ nennt Dirk Saggau aus Langen Jarchow  seinen 400 Hektar großen Bio-Hof. „Wegen des Windes hier“, sagt  der 1992 aus Schleswig-Holstein nach Mecklenburg Gezogene. Seit 1999 wirtschaftet er  unter Verzicht  auf Chemie zum Düngen und Pflanzenschutz – als Bio-Landwirt. So setzt er keinen Phosphor, Kali und Schwefel ein.

Und damit begannen für ihn auch aus anderen Gründen stürmische Zeiten.  1992 pachtete er landwirtschaftliche Flächen in und um Langen Jarchow, vier Jahre darauf konnte er zudem Ackerland kaufen. Heute gehören ein Viertel der 400 Hektar ihm, das  Gros ist  gepachtet.

1999 gab es noch keine Akzeptanz für Bio

Richtig kompliziert wurde es 1999. Bio war damals keineswegs akzeptiert auf dem Lande, es gab vielerlei Vorbehalte. Auch in Langen Jarchow und Umgebung. „Anfangs war es ganz schwer. Man muss auch ein bisschen  stur sein“, sagt Saggau im Rückblick. Teilweise sei ihm gar Land gekündigt worden –  mit der Begründung, dass durch Bio die Ackerqualität sinke und außerdem im Dorf dann mehr Unkraut wachse.

„Ich habe natürlich auch Unkräuter, Disteln auf den Feldern. Das gehört dazu“, so Saggau, auf einem Sommergerstenschlag gleich hinterm Sturmhof  stehend. Aus dem Getreide wird  entweder Braugerste oder – wenn es dazu aus Qualitätsgründen nicht reicht – „zu 50 Prozent Futtergetreide“. Zwischen der Saggauschen Sommergerste, die in MV nur noch ganz wenige Betriebe  anbauen, stehen Melde und auch die gelbe Senfpflanze leuchtet. „Wir haben den Boden zweimal gestriegelt, aber das hat diesmal nicht viel gebracht“, so der Bio-Bauer.

Unkräuter gehören halt dazu, wenn konventionelle Pflanzenschutzmittel nicht eingesetzt werden sollen und dürfen. Der Sturmhof hat sich dem ökologischen Landbau „Bioland“ verschrieben – mit fünfjähriger Fruchtfolge: Kleegras, Dinkel, Zwischenfrucht, Hafer oder Sommergerste und Triticale bzw. Roggen. „Eventuell kommt auch mal zwei Jahre Kleegras, dann ist es eine Sechser-Fruchtfolge“, erläutert Dirk Saggau.

Gegenüber der konventionellen Landwirtschaft ernte er als Bio-Bauer im Schnitt „knapp die Hälfte. Der Ertrag schwankt von ganz schlecht bis fast heranreichend an konventionell“. Die vergangenen zwei Jahre seien „gute Jahre gewesen“, davor die vier, fünf Jahre war es hart: Für Bio-Getreide gab es seinerzeit nicht viel mehr als für  konventionell Angebautes.

„Als Bio-Bauer muss man sich eben voll identifizieren. Es ist dies eine Frage des Willens“, bemerkt der Langen- Jarchower, der sich selbst als „1. Pionier“ in Sachen Bio-Landwirtschaft bezeichnet. Vom Getreide liefere er den Hafer komplett (50 Tonnen) und Dinkel teilweise (75 Tonnen) an den Hamburger Vollkorn-Bäcker Thomas Effenberger. „Das andere geht nach Schleswig-Holstein.“

Zudem entwickelt sich hierzulande immer mehr eine Kooperation unter den Bio-Betrieben – eine Art Stoffkreislauf zwischen Acker- und Milchbauern.  So hat Dirk Saggau erst am 30. Mai mit Arne Jöhnk aus Neperstorf, der seine 150 Milchkühe auf Bio umstellt (SVZ berichtete), einen Vertrag geschlossen. „Er bekommt von mir Kleegras, ich von ihm Mist“, so Saggau, der ähnliches auch bereits mit einem Hähnchenbetrieb aus Ludwigslust praktiziert: Futtermittel gegen Mist.

Neben dem Ackerbau hält der Langen-Jarchower auch  bis zu 40 Mastrinder – Bullen und Ochsen. Aktuell grasen 25 auf der Weide an der Straße nach Klein Jarchow.

Urlaub auf dem Land

Zudem haben sich die Saggaus ein zweites Standbein geschaffen – Urlaub auf dem Lande, auf dem Biohof. Die vier Ferienwohnungen, auf dem Hof und in Klein Jarchow,  sind in erster Linie der Part von Ehefrau Petra. Die aus dem nahen  Ventschow Stammende backt u.a. das Brot für die Gäste. Vor allem junge Familien, Großstädter aus dem Hamburger Raum kämen. „Es kommen viele gerne wieder, helfen auch manchmal mit.  An 130 bis 140 Tagen im Jahr sind wir ausgelastet“, verkündet Dirk Saggau, der  zudem  neben vier Großpferden Marke Quarter Horse auch vier Mini-Shetlands hält. Ponys auf dem Bauernhof – für einen Familien-Landurlaub ist das ein  Pluspunkt. Dirk und Petra Saggau sehen sich mit ihrem Gesamtpaket für die Zukunft gut aufgestellt.

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