Wolfgang Severin-Iben-Ausstellung in Wendorf : Maler will Ärmsten eine Lobby geben

Wolfgang Severin-Iben
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Wolfgang Severin-Iben

"Ich bin heute Morgen durch das Dorf gegangen und habe ein paar Skizzen zu Papier gebracht", erzählte Wolfgang Severin-Iben. Der Maler aus Bützow stellte erstmals im Wendorfer Museum der Dachbodenbande aus.

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20. Januar 2013, 08:55 Uhr

Wendorf | "Ich bin heute Morgen durch das Dorf gegangen und habe ein paar Skizzen zu Papier gebracht", erzählte Wolfgang Severin-Iben. Der Maler aus Bützow stellte erstmals im Wendorfer Museum der Dachbodenbande bei Betreiber Manfred Bauditz aus.

"Das ist die erste Ausstellung in diesem Jahr. Sie wird bis zum April in dem kleinen Spielzeugmuseum zu sehen sein. Für Mai ist ein Theaterstück geplant, das noch in Arbeit ist. Das wird wieder ein Freiluftstück sein. Was Genaueres kann ich noch nicht sagen. Gerne möchte ich eine Horst-Jansen-Ausstellung in den Räumlichkeiten machen. Wann das sein wird, ist noch nicht vorausschaubar", so Bauditz. Er hat in seinen urigen Räumen allerlei Sammelsurium. Von Spielzeug über Gebrauchsgegenstände bis Kunst ist wohl alles vertreten, was andere Menschen nicht mehr für beachtenswert hielten. Und er gibt Künstlern eine Plattform, so wie für Severin-Iben.

Der hatte nicht nur Ölbilder aus der Schaffensperiode der letzten 15 Jahre mitgebracht, sondern nahm die Gäste mit seinen geschriebenen Reiseskizzen mit nach Italien und Israel. In seinen Zeilen macht er sich Gedanken über die Ärmsten der Gesellschaft, die es in jedem Land gibt. So wie die von ihm bezeichnete "Mama Roma" in seiner italienischen Reiseskizze, die er aus dem Zugfenster auf einem Bahnhof sah. "Ich kriege das Bild nicht aus dem Kopf", liest er. Und so wie er die Menschen beobachtet und über sie schreibt, so finden sich auch diese Menschen der untersten Gesellschaftsschicht in seinen Bildern wieder.

Wie der "Berber", das Bild mit dem Titel "Angst" oder "bis zum abwinken". "Ich male die Menschen so wie sie sind, betrunken, mit der Flasche in der Hand, auf der Straße, den Penner, den Alkoholsüchtigen. Sie lassen mich auch an sich heran. Ich darf sie beobachten, sie darstellen. Dafür besuchen sie die Ausstellung. Manche finden sich gut dargestellt, andere nicht und meckern. Aber das ist so. Ich gebe ihnen, die keine Lobby in diesem Staat haben, eine Lobby. Lasse sie von anderen Menschen anschauen. Will mit meinen Arbeiten anregen zum Nachdenken", erzählt der 63- Jährige. Ins Wendorfer Museum hat er nur wenige dieser gemalten Menschenabbilder mitgebracht. Es lachen dem Betrachter Strand, Kirchtürme hinter grünen Bäumen, Rummeltreiben und Tänzerinnen farbenfroh entgegen. "Gerade seit den letzten Jahren widme ich mich intensiv der Ölmalerei. Rüstzeug habe ich dafür von Rainer Stuchlik mitbekommen. Ein Ölbild ist langlebiger als ein Aquarell. Mit Aquarellmalerei habe ich mich auch viele Jahre befasst. Mein erster Ausbilder war quasi der Maler Albert Martens. Er kam aus dem Zweiten Weltkrieg zurück und war an dem Erlebten zerbrochen. In seinen Bildern zeigte sich das ganze Unheil, das ihm dieser Krieg angetan hatte. Später hörte er auf zu malen. Aber er sagte zu mir, dass ich malen soll, auch wenn ich Grenzen überschreite. Das muss sein", erzählt der Bützower Maler. Er ist ein Autodidakt, seit 1983 betreibt er die Malerei professionell und ist in seiner Region bekannt.

Talent hat Wolfgang Severin-Iben schon in die Wiege von seinem Großonkel hineingelegt bekommen. "Ich malte in der Kinderzeit mit Stiften. Alles was abenteuerlich war, zeichnete ich, wie Ritter. Unsere Geschichtsbücher in der Schule hatten herrliche Illustrationen. Ich war im Grundschulalter, da kopierte ich "Den Ausbruch der Gladiatoren". Mit Wasserfarben malte ich. Die Arbeiten wurden immer ernsthafter, je älter ich wurde. Gerade in den letzten 20 Jahren finden sich auf meinen Bildern Menschendarstellungen", so Severin-Iben, der auch Kolumnen für Zeitungen schreibt.

Aus Zittow reisten Sieglinde und Manfred Thrun an. "Wir haben davon in der Zeitung gelesen, kannten das Museum nicht und sind neugierig geworden. Die Nutzung ist ja wirklich einmalig. Es ist schön, dass sich jemand mit solchen Dingen befasst. Es bereichert diese Ecke der Region", findet Sieglinde Thrun. Sie begrüßt es, dass Manfred Bauditz Künstlern in den Räumlichkeiten eine Plattform bietet, ihre Arbeiten zu präsentieren.

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