Warin : Mais verbindet Landwirte und Jäger

Bei der Wariner Pflanzenbau eG in Trams ging es mit den Jagdpächtern und Inhabern von Begehungsscheinen um den Maisanbau.
Bei der Wariner Pflanzenbau eG in Trams ging es mit den Jagdpächtern und Inhabern von Begehungsscheinen um den Maisanbau.

Die Wariner Pflanzenbau eG stimmt die Jagdpächter auf die Mitte April beginnende Aussaat ein. Erste Gefahr droht rund 20 Tage bis zum Auflaufen.

svz.de von
30. März 2014, 18:18 Uhr

Bilder, die der Beamer groß an die Wand bringt, zeigen „die brutalen Stellen“ aus dem Vorjahr im Mais. Wolf-Dietmar Vetter, Vorstandsvorsitzender der Wariner Pflanzenbau eG, macht bei deren Anblick kein Geheimnis aus seiner Gemütslage. „Da stehen einem als Landwirt die Haare zu Berge.“ Der Betrieb hatte das zweite Mal die Jagdpächter und Inhaber von Begehungsscheinen eingeladen, in deren Revieren Maisflächen liegen. Premiere war im Herbst 2012 nach der Ernte mit frischen Eindrücken, diesmal also ein Treffen kurz vor der Aussaat, die Mitte April beginnt.


Schweine sind schlau und scheuen keine Mühe


Vor allem Maisanbau funktioniert nur, wenn der Acker ausreichend bejagt wird. Denn die gelben Körner sind eine Delikatesse für Wildschweine und die Schäden groß, wenn nicht zum richtigen Zeitpunkt eingeschritten wird. Die erste Gefahr droht, wenn der Mais gerade gelegt ist, rund 20 Tage bis zum Auflaufen. Schwarzkittel holen an die 90 Prozent der Saat wieder heraus, wenn kein Einhalt geboten wird. Sie sind schlau und scheuen keine Mühe, wissen Landwirte wie Jäger. Reihe für Reihe gehen sie durch, machen am Ende kehrt und nehmen die nächste. Allheilmittel dagegen gibt es nicht. Mitunter kann jedoch schon ein Abschuss eine Rotte vom Feld vertreiben, weil die so etwas wie Sozialgefühl entwicklt. Oder die Jäger vergrämen das Schwarzwild. Ingolf Schröder, Leiter des Hegerings Weiße Krug, bringt mit Erfolg menschliche Haare, die er sich vom Friseur holt, in regelmäßigen Abständen an.

Wenn der Mais bis zu drei Meter hoch steht und Kolben gebildet hat, kommen die Weidmänner schwerer zum Zuge, weiß auch Wolf-Dietmar Vetter. Die Mähdruschfrüchte seien größtenteils abgeerntet, so dass nur der Mais noch Deckung und dazu reichlich Nahrung für die Schwarzkittel biete. „Wir können viel philosophieren, Wildschäden wird es immer geben. Aber was uns aufstößt, das sind die großen Unterschiede. In manchen Ecken ist fast gar nichts und in anderen dafür umso mehr“, redet der Agrarchef Klartext. Wenn eine Rotte großflächig Mais heruntergetrampelt hat, gehe nicht nur dieser Ertrag verloren, sondern es gäbe dort auch im Jahr darauf Probleme. „Das ist dann doppelter Schaden“, so Vetter. Denn liegen gebliebene Kolben würden nach der Ernte in den Boden eingearbeitet, das nächste Jahr aber, wenn die neue Kultur steht, von den Wildschweinen wieder hervorgewühlt. „Die finden Kolben bis in 30 Zentimeter Tiefe. Deshalb pflügen wir auf diesen Schlägen nicht, sondern grubbern flach durch, dann werden die Löcher von den Schweinen nicht so groß“, erklärt Vetter.


Reihenabstand erstmals auf 50 Zentimeter


Auf rund 550 Hektar bauen die Wariner Mais an, das seien ca. 18 Prozent der Nutzfläche und „ein Tick mehr“ als 2013. „Das war ein schlechtes Maisjahr. Im Durchschnitt liegen wir bei 360 Dezitonnen pro Hektar, jetzt hatten wir 260. Deshalb werden die Silos leer, wir müssen einen neuen Puffer anlegen“, sagt der stellvertretende Agrarchef Daniel Bohl. Die Wariner bauen Mais an für ihre Biogasanlagen und die von zwei Nachbarbetrieben sowie für Landwirt Arne Jöhnk in Neperstorf, der mit der Silage auch Milchvieh füttert.

Erstmals werde der Reihenabstand von 75 Zentimetern, wie ihn die Häcksler brauchten, auf 50 Zentimeter reduziert, kündigt Wolf-Dietmar Vetter an. Die Anzahl an Pflanzen pro Quadratmeter bleibe aber gleich, denn der Abstand in der Reihe vergrößere sich von ca. 15 auf 25 Zentimeter. Der Effekt soll vor allem sein, dass die Pflanzen den Boden früher beschatten und so auf natürliche Art Unkraut unterdrückt werde. Außerdem sei es besser möglich, für die Jäger Schneisen anzulegen. Über die gäbe es zwar geteilte Meinungen, so Vetter, doch Frank Burmeister von der Pachtgemeinschaft Neuhof/Dämelow sieht darin eine probate Hilfestellung, den Wildschweinen beizukommen. „Wir hatten voriges Jahr die beste Schwarzwildstrecke seit unserem Bestehen.“ Zwar kommt der Einwand, dass es in einem guten Maisjahr, in dem das Wild überall Kolben findet, ganz anders sein könne, doch die Zustimmung überwiegt klar.

Der Betrieb baue Mais nicht zum Spaß an, sondern weil der „pure Energie“ liefere, so Vetter, ob als Tierfutter oder für Biogasanlagen. Diese würden keine Energie erzeugen, sondern die aus dem Mais umwandeln. Das zweite Jahr teste der Betrieb auf nun fast 40 Hektar Hirse, die „weltweit Zukunft“ habe und pro erzeugter Energieeinheit weniger Wasser benötige als Mais. Die Ergebnisse 2013 hätten noch nicht überzeugt, aber drei Jahre werde probiert. Hirse sagt den Wildschweinen nicht zu, dafür dem Rotwild. Die Jäger sind wieder gefragt.

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