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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

17. August 2017 | 01:50 Uhr

Warin : Luftgrüße ans Burggelände

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Eine Betrachtung über frühe Flugzeug-Landungen in und um Warin .

Nein, Warin hat nie einen Flugplatz gehabt. Und doch gab es in der Frühzeit des Flugverkehrs Landungen von Luftfahrzeugen in und um Warin. Im Juli 1932 berichtet die „Wariner Zeitung“ über den tödlichen Absturz des berühmten Segelfliegers Günther Groenhoff im Gebiet der Rhön. Er sei mit seiner „Fatnir“ in eine Gewitterfront geraten. In den Turbulenzen brach das Höhenruder. Groenhoff sprang ab, doch der Fallschirm öffnete sich zu spät.

Den Warinern werde sein Tod besonders nahe gehen, so die „Wariner Zeitung“, denn sie erinnern sich noch, dass eben dieser Günther Groenhoff im Juni 1928 auf dem Glammsee mit einem Wasserflugzeug gelandet sei und an der Amtskoppel (heute Sportplatz am Glammsee) angelegt hätte. Die Aufregung, die das in der Stadt verursacht hat, ist gut vorstellbar. Leider waren Gründe für diese Wasserlandung nicht auffindbar. Gerade der Jahrgang 1928 der „Wariner Zeitung“ fehlt und auch die Archivbesuche in den Nachbarstädten Neukloster und Sternberg blieben ergebnislos.

Und überhaupt, warum fliegt ein Segelflieger mit einem Motor getriebenem Wasserflugzeug? Das Buch „Günther Groenhoff und die Goldenen Jahre des deutschen Segelflugs“ gibt die Antwort. 1927 nahm Groenhoff bei der gerade gegründeten Lufthansa eine Ausbildung als Verkehrsflieger auf. Dazu gehörte auch die Beherrschung von Wasserflugzeugen. Ausbildungsort war Warnemünde. Später war Groenhoff als Seeflieger in Travemünde, ab 1929 widmet er sich wieder seiner wahren Leidenschaft: dem Segelflug.

1928 erregte die Fliegerei allgemeines Aufsehen. Da war die Suche nach der verschollenen Nobile-Expedition*) und ein erfolgreicher deutscher Transatlantikflug. Und im August 1928 brummte dicht über den Baumwipfeln des Waldgebietes zwischen Neukloster und Warin ein Ganzmetallflugzeug der Junkers-Werke zu Dessau hin und her, sprühte Gift aus, zur Bekämpfung des verbreiteten Kiefernspanners. Der Flugplatz lag auf der Feldflur Klein Warin, unmittelbar vor der Waldkuppe „Düsterberg“. Den Anflug von Dessau nach Klein Warin hatte das Flugzeug in ganzen 100 Minuten geschafft. Im Oktober 1928 irrten über unserem Gebiet bei dichtem Nebel zwei Wasserflugzeuge umher. Man orientierte sich ja noch nach Landmarken. Sie waren auf dem Rückflug von der Berliner Luftfahrtausstellung, wollten nach Kiel. Eines wasserte notgedrungen auf dem Groß Tessiner See, das zweite habe den Flug durch den Nebel fortgesetzt. Ob Groenhoff eines geflogen haben mag? In den 1930er-Jahren waren öfter Flugzeuge dicht über Warin unterwegs. Aus dieser Zeit stammen die Luftbilder der Stadt als Schwarz-weiß-Ansichtskarten. Und, so wurde erzählt, der Verlobte einer der Webschülerinnen an der Bauernhochschule Warin sei Flieger gewesen, der so manches mal einen Luftgruß gesendet haben soll, herunter an das Burggelände am Glammsee.

Zeitzeugen erzählen noch von der Notlandung, wahrscheinlich war das 1938/39, eines Doppeldeckers auf den Feldern vor Warin in Richtung Klein Labenz. Mindestens zwei Tage hätte der dort gestanden, bis der Motor wieder in Ordnung gebracht worden sei. Halb Warin sei dahin gerannt, habe diesen seltsamen Eisenvogel bewundert. Kinder seien sie damals gewesen. Und wenn sie heute, hoch am Himmel, die Kondensstreifen sehen, dann ist ihnen klar, wie viel technische Entwicklungen sie seitdem haben erleben dürfen.



*) Umberto Nobile (1885 – 1978) war ein italienischer Luftschiffpionier. Er wurde besonders durch die Polarfahrten mit halbstarren Luftschiffen weltberühmt. Am 23. Mai 1928 stützte sein Luftschiff „Italia“ auf dem Rückflug von Nordpol in der Nähe von Spitzbergen ab, wobei die Gondel mit Nobile und neun weiteren Expeditionsmitgliedern auf das Eis krachte. Nobile konnte einen SOS-Ruf absetzen, woraufhin eine große Rettungsaktion einsetzte. Der durch Knochenbrüche bewegungsunfähige Nobile wurde schließlich vom schwedischen Piloten Einar Lundborg in Sicherheit gebracht, die anderen acht Überlebenden am 12. Juli 1928 vom sowjetischen Eisbrecher Krassin gerettet.

Die dramatische Nobile-Rettung wurde später auch verfilmt.





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erstellt am 09.Jan.2014 | 16:54 Uhr

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