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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

18. Dezember 2017 | 02:28 Uhr

Heirat in Burma : Liebes-Odyssee mit Happyend

vom

In Parchim war man damit schlichtweg überfordert. Dass deutsche Männer Thailänderinnen mitbringen, ist nichts Ungewöhnliches; aber eine burmesische Eheurkunde hatten die Mitarbeiter der Ausländerbehörde noch nie gesehen.

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erstellt am 31.Aug.2013 | 04:16 Uhr

Sternberg | In Parchim war man damit schlichtweg überfordert. Dass deutsche Männer Thailänderinnen mitbringen, ist nichts Ungewöhnliches; aber eine burmesische Eheurkunde hatten die Mitarbeiter der dortigen Ausländerbehörde noch nie in der Hand gehalten. Also wurde das Dokument zum Innenministerium nach Berlin gesandt - zur Echtheits-Kontrolle.

Am 1. November 2012 hatten der Sternberger Heino Keller und seine Nini in Rangun geheiratet, der Hauptstadt jenes Landes, das offiziell Myanmar heißt. Fünf Wochen später konnten die beiden in der deutschen Botschaft das Einreise-Visum endlich in Empfang nehmen. "Ich bin der erste Ausländer, der in dem Land nach 22 Jahren Militär-Diktatur geheiratet hat", sagt der Sternberger nicht ohne Stolz. Vorläufiges Ende einer Liebes-Odyssee!

Heino Keller (44) betreibt seit 13 Jahren die "Slawisch-Germanische Gaststätte Domowoj" am Sternberger Zeltplatz. Und diese macht er übern Winter für fünf Monate dicht. Seit 2008 verbringt der gebürtige Schweriner die kalte hiesige Jahreszeit dann für drei bis vier Monate in Phuket Patong, einer Bucht auf der thailändischen Insel Phuket. Nini ihrerseits ist vor sechs Jahren mit 15 nach der Schule "mit zwei Schlüpfern und einem T-Shirt in der Schultasche" (Keller) von der nordburmesischen Stadt Myitkyina abgehauen in Richtung Thailand. Wie es so viele ihrer Landsleute machen. Schlepperbanden brachten sie im Dunkel der Nacht mit einem Boot, aber ohne Papiere über den Moei - den Grenzfluss nach Thailand. Ihre ältere Schwester war diesen Weg bereits vier Jahre zuvor gegangen.

Und zu der schlug sich Nini irgendwie nach Phuket Patong durch, versteckte sich da erst einmal vor der Polizei. Um dann - gegen Geld, versteht sich - einen Ausweis zu beantragen als Arbeitspapier. "Das ist ein ganz spezielles, es gilt nämlich nur zwischen Burma und Thailand", erklärt Heino Keller, der unterm Sonnenschirm in der Mecklenburger Sommersonne sitzend lächelnd zu seiner Frau rüberblickt und verkündet: "Die Thailänder sind nicht gerade die fleißigsten, ohne Burmesen, Kambodschaner oder Laoten geht da gar nichts!" Nini nickt…

Kennengelernt haben sich die Beiden 2010. "Wenn es über die Mittagszeit extrem heiß ist, gehe ich in Phuket Patong zumeist ins Einkaufscenter Jencilon - wegen der dortigen Klimaanlage. Das ist dreimal so groß wie das Schlossparkcenter in Schwerin. Und da wollte mir eine junge Frau eine Sonnenbrille verkaufen, eine der billigen für 100 Baht (2,35 Euro - d. Red.), die nach drei Tagen kaputtgehen. Ich kaufte nicht." Die Verkäuferin war Nini. Bei einer anderen Frage hatte sie bedeutend mehr Glück: "Kommst du morgen wieder?" Der Sternberger kam - jeden Tag.

Doch irgendwann ging der schönste Thailand-Urlaub zu Ende. Keller: "Jetzt wurde täglich telefoniert. Mit einer Spezialvorwahl kostet das von hier aus nur drei Cent die Minute." 2011 ging seine Liebste drei Monate zur Schule, paukte bei "Mr. Christian" in Phuket Patong deutsch. Und im Winter kam der Mecklenburger wieder nach Südostasien. Dem schloss sich für Nini im April im Goethe-Institut der thailändischen Metropole Bangkok ein A1-Deutschtest an.

"Eigentlich war geplant, dass ich sie 2013 per Visum nach Deutschland hole und wir hier dann heiraten. Doch dann hat sie es nicht mehr ausgehalten und jeden Tag angerufen, was von Thailand aus sehr teuer ist. Also flog ich im vergangenen Jahr für zehn Tage rüber, um eigentlich nur ihre Papiere mitzunehmen. Doch beim hiesigen Standesamt sagte man mir, da fehlt was." Also düste Heino Keller Mitte Oktober sofort wieder nach Thailand und mit Nini weiter nach Burma zwecks Geburtsurkunde.

Als der Sternberger dann bei der deutschen Botschaft in der Hauptstadt Rangun, das Visum für seine künftige Braut beantragen wollte, sagte man ihm: "Seit September dürften Ausländer hier heiraten. Allerdings nur vor den obersten drei Richtern des Landes." Einer der hohen Herrn verkündete denn auch: "Wenn ich das Schreiben hier habe, geht das. Aber ich werde Sie nicht verheiraten, weil ich dann nie mehr glücklich im Leben bin." Heino Keller: "Das war wie ein Keulenschlag, der dachte wohl, ich bin Christ und das wird hier nie was. Ich war nah dran aufzugeben." Doch die deutsche Botschaft wollte es durchsetzen, dass das Abkommen gilt und schaltete U Min Sein, ihren Anwalt in Myanmar, ein.

Die Rettung war, dass der Mecklenburger gegenüber U Min Sein verkündete: "Ich bin Buddhist." Und er glaube wirklich an Buddha, versichert Keller jetzt. Der Anwalt rief beim Richter an "und keine fünf Minuten später hieß es: ,Morgen könnt ihr heiraten." Zuvor musste Keller allerdings noch in der berühmten Sweden-Pagode in Rangun vor Buddha niederknien. Drei Beweisfotos waren schnell gemacht. Tags darauf forderte der oberste Richter von Nini eine eidesstattliche Erklärung, dass ihr Deutscher Buddhist ist, und fragte sie: "Liebst du ihn?" Mit dem "Ja" war alles besiegelt.

So steht in der burmesischen Heiratsurkunde jetzt bei Heino Keller "German-Buddhist". Sie hingegen ist eine Gurkha-Buddhistin, Nini gehört zur nepalesischen Minderheit in Burma. Keller: "Vor ca. 120 Jahren verteidigten 20 bis 30 Gurkha-Kämpfer den burmesischen Königspalast siegreich im Kampf gegen Laos. Als Dank gab der Herrscher ihnen Land in Burma." Seitdem leben Nepalesen dort, Nini ist eine Nachfahrin der Gurkhas. Hierbei handelt es sich um die weltbesten Nahkämpfer, die seit 150 Jahren in der britischen Armee dienen. Keller: "Aktuell sind nepalesische Gurkha-Kämpfer in Afghanistan eingesetzt."

Seit 15. Dezember lebt Nini bei ihrem Heino. Kommenden Winter fällt der Phuket-Patong-Trip allerdings aus. Er deutet aufs Bäuchlein seiner Frau. Und sie sagt: "Am 3. Januar ist es so weit. Ein Junge wird’s."

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