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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

22. November 2017 | 08:42 Uhr

Ventschow : Lichtwellenleiter bis ins Zimmer

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Der Fernsehempfang in 240 kommunalen Wohnungen von Ventschow erfolgt über modernste Technologie. Für das Projekt fanden sich drei Partner.

von
erstellt am 12.Jan.2015 | 17:47 Uhr

Schon beim Internet hat Ventschow es Ende 2013 deutschen Metropolen so richtig gezeigt. Wenn Ronald Jansen Besuch von seinem Neffen aus Hamburg bekam, stand diesem fortan ein superschnelles Netz ohne Volumenbegrenzung zur Verfügung. Das hatte der Junge zu Hause in der Millionenstadt nicht. Für das „Highspeed Internet“, das schnellste, das derzeit möglich ist, werden neueste Glasfaserkabel verwendet, auch Lichtwellenleiter genannt (wir berichteten).

Jetzt ging es in Ventschow noch einen Schritt weiter: Seit Jahresbeginn empfangen die Mieter von 240 kommunalen Wohnungen auch rund 100 digitale und 50 analoge Fernsehsender über dieses Netz. Für das Regionalfernsehen, das Aloys Behnke mit elf Schülern in einer Arbeitsgemeinschaft der Regionalen Schule Bad Kleinen macht, wurde ebenfalls eine Lösung gefunden. Zudem sind verschlüsselte Programme verfügbar, für die der Verbraucher bei Bedarf extra löhnen muss, und diverse Radiosender. Von der so genannten Kopfstelle, wo die Einspeisung erfolgt, gelangt alles direkt in die Wohnung.


Projekt erst zu dritt wirtschaftlich


Neben den 22 Blocks soll bis Ende Januar ein weiterer, der einem privaten Eigentümer gehört, angeschlossen werden, sagt Rainer Killer vom Bereich Technik und Betrieb bei Wemacom, einer Tochter des regionalen Energieversorgers Wemag und der Stadtwerke Schwerin. Das Telekommunikationsunternehmen habe bereits in der Landeshauptstadt und in Wittenförden derartige Glasfaserkabel in Betrieb genommen, nun aber das erste Mal in dem Ausmaß für eine Wohnungsgesellschaft.

„Allein hätten wir das Projekt nicht angefasst, zumal es keinen Cent Fördermittel gab“, räumt Killer ein. Es werde nicht zukunftsträchtig gefördert, sondern das, was am preiswertesten ist, kann er sich eine Spitze in Richtung Politik nicht verkneifen. „Aber zu dritt mit der Ventschower Firma MOS und der Gemeinde wurde es wirtschaftlich.“ Bürgermeister Dieter Voß und André Dahl, beide Geschäftsführer der Mess-Ortungs- und Service GmbH, hatten das Unternehmen mit rund 20 Beschäftigten ohne Breitbandverbindung schon in Gefahr gesehen. Denn bei Aufträgen jeder Art würden Unterlagen fast nur noch per E-Mail ausgetauscht. Vom Internet aber seien die Ventschower praktisch abgeschnitten gewesen.

Von der 110-Kilovolt-Leitung Güstrow-Schwerin in Rampe, wo bereits ein Lichtwellenkabel vorhanden war, ist eines zur Schaltstation für die Energieverteilung in Ventschow verlegt und damit eine ISDN-Leitung ersetzt worden. Ein Aufwand, der sich für die Schaltstation allein nicht gelohnt hätte, bei dem mehrfachen Nutzen aber schon. MOS finanzierte die Tiefbauarbeiten, die Gemeinde den Anschluss ihrer Wohnblocks.

„Hier ist das verwirklicht worden, was die Politik fordert, die Versorgung auf der Fläche. Und das mit der besten Lösung, die derzeit möglich ist und weit reicht“, meint Thomas Braun, Geschäftsführer von braun teleCom in Hannover. Wohnungsgesellschaften investierten zunehmend in Breitband, um ihre Wohnungen attraktiver zu machen oder Gewerbetreibende zu halten. „Ventschow ist dafür ein super Beispiel, ganz bemerkenswert.“ Nach der Wende wurde zwar vielerorts Glasfaser verbaut, diese Opal-Netze seien mit heutigen Technologien jedoch nicht kompatibel. Es würden dafür keine Endgeräte mehr hergestellt und die Leitungen teils nutzlos in der Erde liegen.

„Wir hätten es auch anders machen und im Keller auf die alten Kupfer- bzw. Koaxialleitungen gehen können“, sagt Rainer Killer. „Damit wäre aber längst nicht die Qualität erreicht worden. Wenn Glasfaser- auf Kupferkabel trifft, gibt es spürbare Verluste. Jetzt hatten die Mieter nur kurze Zeit den Nachteil, dass in allen Wohnungen gebohrt und
geschraubt werden musste.“

Lichtwellenleiter seien am teuersten, aber eine Investition in die Zukunft, ist Killer überzeugt. Sie ermöglichten eine Internetgeschwindigkeit bis in den Gigabyte-Bereich, die heute noch gar nicht gebraucht werde.

Mit DSL, Fernsehen und Telefon über nur eine supermoderne Leitung könnten Wohnungen in Ventschow für junge Leute interessant werden, hofft Bürgermeister Dieter Voß. Ihm sei aber auch wichtig, der Firma Gauer in Hohen Viecheln Dank zu sagen, die bislang das Fernsehen in den Wohnungen zuverlässig abgesichert und dafür investiert habe.

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