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Die Weihnachtsgeschichte : Leuchtende Kinderaugen sind der Dank

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Bibows Bürgermeister Dettlef Lukat geht heute in seine 39. Weihnachtsmann-Saison.

svz.de von
erstellt am 23.Dez.2015 | 16:32 Uhr

Die Kinder können den Heiligen Abend kaum erwarten. Und auch für den 57-jährigen Dettlef Lukat aus Nisbill ist heute ein besonderer Tag: Der ehrenamtliche Bürgermeister der Gemeinde Bibow ist mal wieder als Weihnachtsmann unterwegs; bereits seine 39. „WM“-Saison!

Unterwegs ist er zwischen 13.30 und 17.30 Uhr in Warin, Schwerin sowie in Baumgarten bei Bützow. „Ich habe schon abgespeckt. In meiner Höchstform waren es sieben Termine“, so Lukat. Daheim bei seinen Kindern oder später Enkeln war Knecht Ruprecht zur „eigentlichen Bescherungszeit am Nachmittag“ fast nie. Manchmal konnte es bei den Terminen zwischendurch eingestreut werden. Zumeist mussten aber die drei eigenen Kinder oder später die sieben Enkel auf den Weihnachtsmann länger warten. Seine jetzige Frau brachte 2010 zwei Kinder in die Ehe mit.

„Und es hat nie einer rausbekommen, wer der Weihnachtsmann ist“, ist Dettlef Lukat mächtig stolz drauf. Selbst Enkel Jonas nicht, als er Acht war, obwohl er einen heißen Verdacht hatte. Damit das Geheimnis gewahrt bleibt, ist Lukats WM-Auftritt in den eigenen vier Wänden vorbei.

Wenn Vater und später Opa plötzlich weg musste, hieß es anfangs: Er müsse noch das Vieh füttern. Später war er „auf Arbeit. Und in den vergangenen zehn Jahren hatte ich immer Bereitschaft.“ Dettlef Lukat arbeitet als Haustechniker und Therapeut in der Fachpflegeeinrichtung „Haus am Bibowsee“ in Nisbill.

Dieser Weihnachtsmann ist ein spezieller, denn er geht (fast) nur zu ärmeren Familien oder dorthin, wo etwa ein behindertes Kind ist. „Aber im Wariner Kindergarten war ich auch schon.“ Seine Auswahl hat viel mit der eigenen Kindheit zu tun. Aufgewachsen ist der im Januar 1958 Geborene im einst zu Klein Labenz gehörenden, abgelegenen Flecken Rothenmoor (gibt es seit 1974 nicht mehr). „Zum Schluss haben wir dort als einzige Familie gewohnt, wir waren bettelarm.“ Nachdem der Vater wegging, musste die Mutter fünf der sechs Kinder allein ernähren. „Zu uns kam nie der Weihnachtsmann ab der Zeit, als ich Sechs war. Höchstens Westpakete. Der Inhalt wurde dann eingetauscht.“ Später, 1970, musste Dettlef Lukat als Jüngster des Quintetts gar für zwei Jahre ins neu geschaffene Kinderheim Wendorf bei Brüel. Heute ist das Gebäude ein Fünf-Sterne-Schlosshotel.


Mit Mantel, Lederstiefel und Petroleumlampe


„Im Heim kam der Weihnachtsmann und ich begriff dort, dass man auch einen Wunschzettel schreiben kann.“ Dies alles war für sein weiteres Leben prägend. Und so war er nach seinem NVA-Grundwehrdienst dann in Aschersleben mit knapp 20 Lenzen erstmals unterwegs, „damit der Weihnachtsmann bei kinderreichen Familien Freude bringt“. Bald zog es ihn zurück in den Norden – nach Nisbill und er schlüpfte an Heilig Abend all die Jahre ins Weihnachtsmannkostüm.

Wobei Dettlef Lukat großen Wert auf Tradition legt. Dazu gehören für ihn der Mantel – „manche gehen heute auch schon mit Jacke und Hose, aber das ist nicht mein Ding –, sowie ein Strick, mit dem das rote Teil zugebunden wird. Am Strick hängt eine Petroleum-Lampe, „um im Dunkeln was zu sehen.“

Sein roter Mantel, der mittlerweile zweite, hat auch schon „gute 30 Jahre auf dem Buckel; noch DDR-Ware“. Ebenso alt ist auch sein Jutesack, in dem er die Geschenke für die Kinder bringt. Und noch auf eines legt Dettlef Lukat großen Wert; er zieht immer weiße Handschuhe sowie Lederstiefel an. Letztere müssen blitzblank sein und so hat der Nisbiller „stets Lederfett“ mit bei seiner Geschenke-Überbringer-Tour.

Leuchtende Kinderaugen sind des Weihnachtsmanns Dank. „Sie geben dir das wieder. Es sind einfach immer wieder Momente, die kann man nicht beschreiben.“ Zugleich habe der Geselle mit dem roten Mantel, der natürlich immer gut gebrieft zu den Mädchen und Jungen kommt, auch eine erzieherische Pflicht. Und sei es, dass der Nuckel gegen eine Süßigkeit eingetauscht wird.

In der Tat: Da helfen manchmal Weihnachtsmannwunder…

Die 40 wolle Dettlef Lukat 2016 noch vollmachen. „Dann ist Schluss.“ Wer hätte es gedacht: Auch Weihnachtsmänner gehen in den Ruhestand! Er werde wirklich langsam alt, sagt er schmunzelnd. „Früher hatte ich auch immer eine Glocke dabei. Irgendwo habe ich die dann vergessen. Also, wenn sie noch da ist: Ich hätte sie gern zurück und würde sie gegen eine Süßigkeit eintauschen“, so Lukat. Heute ist er wieder unterwegs. Nach der Dreier-Bescherungsrunde verbringt der Nisbiller den Heiligen Abend privat dann bei der angeheirateten Tochter in Neukloster.  

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