Hohen Pritz : Lebensretter bis in 85 Meter Höhe

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Der Windparkbetreiber in Hohen Pritz hat erstmals in den neuen Bundesländern Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr als Höhenretter gewonnen.

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24. Juni 2015, 20:49 Uhr

Ronald Lange und Birk Lemke haben sich oft gefragt, was geschieht, wenn ihnen bei der Arbeit in Schwindel erregender Höhe etwas zustößt. Sie sind Servicetechniker für Windkrafträder. Der Gedanke ließ sie nicht los. Die Beiden sprachen darüber auch mit der freiwilligen Feuerwehr (FFw) in Hohen Pritz, wo sie oft zu tun haben. Man kennt sich, Lange wohnt im Ortsteil Kukuk und Lemke auch nicht weit entfernt in Demen.

Nahe der Landesstraße zwischen Dabel und Mestlin stehen 14 Windräder, mit Rotorblatt 123,5 Meter hoch, beinahe wie der Schweriner Fernsehturm (136 Meter). Die Servicetechniker müssen meist bis zur Nabe des Windrades in etwa 85 Meter Höhe, dort befindet sich der Maschinenraum mit dem Generator.

Als er nachts mal aufwachte, sei ihm die Idee gekommen, dass Männer der FFw Hohen Pritz eine Ausbildung als Höhenretter machen könnten, sagt Rudolf Bonde, Investor und Serviceleiter der Windpark Hohen Pritz GbR. Er traf auf offene Ohren, sponserte Ausbildung und Ausrüstung. Eine Summe nennt Bonde nicht, „heute ist alles teuer“. Mit Wehrführer René Pfalzgraf, Timo Moor und Robert Sdunek absolvierten drei Feuerwehrmänner eine zweitägige Ausbildung in Husum. Im heimischen Gerätehaus wurden ihnen die Zertifikate feierlich überreicht. Die Ausbildung muss einmal jährlich an einem Tag aufgefrischt und ebenso die Ausrüstung überprüft werden. Er kennt keine andere freiwillige Feuerwehr in den neuen Bundesländern, sagt Bonde, die so eine Ausbildung nachweisen kann.

Bei der Ausbildung außen abgeseilt

„Wir haben vorher getestet, wer sich das zutraut. Mehr als 80 Meter über Leitern hochzusteigen, strengt ganz schön an“, sagt der Wehrführer. Die Höhe habe ihm weniger ausgemacht, zumal sich das innen abspielte. Doch um sich wie bei der Ausbildung in Husum außen abzuseilen, gehöre Mut dazu. Natürlich seien strenge Tauglichkeitsuntersuchungen voraus gegangen. Höhenrettung sei mit Extremsport vergleichbar, so Pfalzgraf.

Alle hoffen, dass es nie zum Ernstfall kommt. „Ich sage immer, üben, üben, aber am besten braucht die Feuerwehr keinen Einsatz“, so Bürgermeister Jan Kessel. Er freue sich, dass die kleine Gemeinde in der für MV wichtigen Branche integriert sei und nun sogar Höhenrettung anbieten könne. „Doch ich hoffe, dass es beim Üben bleibt.“

Die drei Männer der FFw Hohen Pritz könnten auch bei Gefahrensituationen in anderen Windparks, Kirchtürmen, Hochhäusern und ähnlichem aushelfen, überall dort, wo Menschen aus großer Höhe gerettet werden müssen. Allein darum gehe es, betont Rudolf Bonde. Wenn ein Windrad in Brand gerate, wie Anfang Februar 2014 in Hohen Pritz, bliebe der Feuerwehr nur die Aufgabe, das Gelände weiträumig abzusperren und dafür zu sorgen, dass niemand in die Nähe kommt. Leider gäbe es immer wieder Schaulustige, die sich sonst leichtsinnig in Gefahr bringen würden. An Löschen sei in der Höhe nicht zu denken, das Windrad müsse kontrolliert abbrennen, wie es bei der Feuerwehr heißt.

Die beiden Servicetechniker, die die gleiche Ausbildung haben, blieben von schwierigen Situationen, in denen sie Hilfe brauchten, bislang verschont. Doch vorstellen könnten sie sich solche durchaus, stimmen Lange und Lemke überein, etwa einen Stromschlag. Es gäbe gefährliche Stellen. Oder einer stolpert, hängt im Gurt fest und hat ein Hängetrauma, nennt der Wehrführer ein Beispiel. „So blöd, wie es manchmal kommt, kann man gar nicht denken“, meint Lange. Zum Ausbildungstag im nächsten Jahr wollen sie zu fünft fahren.

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