Dämelow : Leben an und mit der Autobahn

Renate Wleczyk kehrte vor elf Jahren zurück ins Dorf, kümmert sich um die Familie und Enkel Martin. Fotos: Ines Engelbrecht
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Renate Wleczyk kehrte vor elf Jahren zurück ins Dorf, kümmert sich um die Familie und Enkel Martin. Fotos: Ines Engelbrecht

SVZ-Dorfgeschichte: Heute in Dämelow.

Wenn man über die Autobahnbrücke Richtung Schwerin saust, befindet sich rechter Hand Dämelow, zu erkennen an dem weißen Federvieh des Geflügelhofes. Fährt man auf der Landesstraße 031 durch den 40-Seelen-Ort, der zur Gemeinde Bibow gehört, ist die Autobahn ebenfalls präsent. Schwarzbunte und braune Kühe grasen auf grüner Weide. Über ihnen fahren die Kraftfahrzeuge auf der 501 Meter langen Autobahnbrücke der A 14 über das Mühlenbachtal. Darüber blauer Himmel. Ein Anblick, den es zwischen Wismar und Schwerin nur hier gibt.


Engagiert sich im Verein Alte Schmiede


„Ein Dorf mit Fahrtgeräuschen in der Ferne“, findet Renate Wleczyk. Trotzdem lebt sie seit elf Jahren wieder in dem Ort, in dem ihre Schwiegereltern lebten, sie ihr erstes Ehejahr 1965 verbrachte und ihr Mann in Dämelow geboren und gestorben ist. „Wir haben die Jahre über in Warin und Ventschow gewohnt. Acht Jahre lang war ich Leiterin der Ventschower Bibliothek. Auch im Dämelower Gutshaus gab es eine wöchentliche Ausleihe. Ein Kindergarten und der erste Konsum waren ebenfalls im Gutshaus untergebracht“, weiß die 69-Jährige. Sie versorgt in der Woche ihre Familie mit Mittagessen. Ein Hobby hat sie im Verein „Alte Schmiede“ im Nachbarort Neuhof gefunden, wo sie im Vorstand als Kassenwart ehrenamtlich tätig ist. Ihr Enkel Martin ist von der Schule nach Hause gekommen. Der Zehnjährige muss früh aufstehen. Um sieben Uhr nimmt ihn seine Tante mit und setzt ihn in der Grundschule in Lübow ab.

Einen Kumpel hat er auch im Dorf, erzählt Martin. Sie sehen sich aber nicht täglich, nur wenn sie Lust haben. Ansonsten hilft er seinem Vater beim Versorgen des Viehzeugs oder beim Rasen mähen. Pferde, Kühe und Schweine hält sich die Familie noch, baut Mais und Kartoffeln an, hat Koppeln für die Tiere, pflegt und nutzt alte Landmaschinen. Gerade kommt Ernst Wolff auf Kaltblut Flora in Dämelow eingeritten. Der Rubower leiht sich regelmäßig ein Reittier von Wleczyks aus und genießt die Natur auf dem Pferderücken.

Ute und Wolfgang Wolff – mit dem Rubower nicht verwandt – sind auf dem Sprung, wollen mit dem Auto los. „Ich bin in Dämelow aufgewachsen und habe früher im Gutshaus gewohnt. Kinder gab es viele im Ort. Wir sind überall herumgestromert, im Wald, über die Koppeln. Zehn Jahre lebten wir in Schwerin. Mit meiner Frau habe ich das Haus meiner Großeltern 1982 übernommen und es aus- und umgebaut“, so der 61-Jährige. Inzwischen ist es diesbezüglich ruhiger in Dämelow geworden. „Aber wir kommen als Dorfgemeinde doch einmal im Jahr zusammen zum Grillen und Plaudern“, sagt er.

Vor vier Jahren ersteigerte Familie Steenbergen aus Holland das Gutshaus am Langen Moor 1 auf einer Auktion. Seitdem leben die vier Erwachsenen im Haus und bieten Ferienwohnungen an. „Die Umgebung hier ist sehr schön. Zwar habe ich wenig Zeit durch meine eigene Firma, aber ich habe die Gegend schon erkundet“, meint Mitchel Steenbergen (22). Der Jungunternehmer einer Entrümpelungsfirma will sich aber bald ein eigenes Heim suchen.

Das Gut befand sich um 1840 im Besitz der Familie von Storch. Am Giebel des Gutshauses sind die Initialen C.v.S. noch zu lesen – ebenso an den Gutsarbeiterhäusern entlang der L 031.

Drei Häuser weiter zieht ein Schild die Aufmerksamkeit auf sich. Das „Küchen Direkt“-Studio von Reinhold Berg ist in der Ex-Schmiede zu finden. „Das Haus wurde 1949 erbaut. Mit meiner Familie bin ich 2002 hergezogen. Wir haben uns sofort in das Haus verliebt und es nach unseren Bedürfnissen ausgebaut. Ein Grund, hierherzuziehen, war auch die wunderschöne Natur rundherum. Allerdings haben wir durch die A 14 an Lebensqualität verloren“, so der 44-Jährige. Seit Ende Oktober ist er mit seinem Küchenstudio in Ventschow zu finden im ehemaligen Konsum an den Bahnschienen.










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