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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

13. Dezember 2017 | 23:39 Uhr

Sternberg : Lange Bohrstrecke unter Gehweg

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Erneuerung der Trinkwasserleitung von der Parchimer Chaussee bis zum Mecklenburgring in Sternberg erfolgt nun doch in geschlossener Bauweise.

von
erstellt am 13.Apr.2017 | 05:00 Uhr

Aus der Erde dringt leises Grummeln, der Gehweg scheint zu vibrieren. Es fühlt sich an wie Kitzeln unter den Füßen. Der Bohrer hat wohl einen Stein getroffen, vermutet Ulf Nowahs. Er setzt das Ortungsgerät Stück für Stück weiter und dirigiert seinen Kollegen Ditmar Höhne im Fahrerhäuschen. Dieser bringt mit Sticks den Vortrieb des Bohrers, der „wie ein abgeklappter Spaten“ aussieht, in die richtige Richtung. Nach rechts muss er, wenn es über Sprechfunk drei Uhr heißt, bei neun Uhr nach links, sechs Uhr bedeutet tiefer. Soll sich die Richtung wenig ändern, ist es eine Uhrzeit dazwischen. „Das Prinzip ist ganz einfach, ein Problem sind nur unterschiedliche Böden.“

Auf dem Monitor vor sich verfolgt Höhne, wie weit er ist. „Jetzt haben wir 60 Meter geschafft.“ 140 sind es bis zum nächsten Kopfloch, von dem aus die 125er-PE-Rohre in Gegenrichtung durch das Erdreich getrieben werden.

Die Sternberger Stadtwerke erneuern seit Mitte März insgesamt 950 Meter Trinkwasserleitung in der Parchimer Chaussee ab der Einfahrt zur Schweinsbrücke, Vor dem Pastiner Tor, in der Güstrower Chaussee sowie im Mecklenburgring bis zur Einmündung in die Philipp-Müller-Straße. Dieser Hauptstrang, der vom Wasserwerk in die Stadt hinein führt, wurde 1958 verlegt. Die Gesamtkosten gibt Kerstin Pohl, technische Leiterin der Stadtwerke, mit 240 000 Euro an. In geschlossener Bauweise waren nur die Querungen der B 192 ausgeschrieben gewesen, im Gehweg sollte offen gearbeitet, also ein Graben ausgehoben werden. Die Tief- und Kulturbau GmbH aus Schwerin (Tuk) als Auftragnehmer habe jedoch vorgeschlagen, ohne Zusatzkosten alles geschlossen zu erledigen, so dass der Gehweg lediglich in Abständen für die Kopflöcher aufgenommen werden müsse,
erklärt Pohl.

Das spare „Zeit ohne Ende“, sagt Tuk-Mitarbeiter Horst Weiß, der mit Hans-Georg Bösler eine Suchschachtung macht, um die alte Wasserleitung zu finden. Die Beiden brauchen nicht lange, etwa 1,50 Meter tief liegt das gute alte Stück. Der neue Strang wird darunter verlaufen. Ulf Nowahs und Ditmar Höhne, die von der Leezener Firma RBU 2 Rohrleitungsbau kommen, sind mit dem Bohrgestänge zwischen 1,80 und 1,90 Meter weit in der Erde.


Besser vorsichtiger sein als Schaden anrichten


Auf einmal hat Nowahs, der Bohrführer, Probleme. Wahrscheinlich beeinflusse eine Elektroleitung die Messdaten des Ortungsgerätes, vermutet Höhne, der über Sprechfunk gefragt wird, ob er den Bohrer zurücksetzen könne. Das sei schwierig, „man trifft danach wieder das alte Bohrloch“, sagt der Mann an den Sticks.

Doch besser vorsichtiger sein, bevor etwas zu Schaden komme, lautet die Devise. So gehe es völlig unterschiedlich vorwärts. Das richte sich nach den örtlichen Gegebenheiten, den Bodenverhältnissen, wie viele Energieträger in der Erde liegen, ob es eine gerade Strecke sei oder eine mit Kurve, erklärt Nowahs. Die 140 Meter, für die hier eine Bohrung
gedacht ist, könnten an diesem Tag geschafft werden. „Wenn alles gut geht“, fügt der Bohrführer gleich hinzu. Mitunter sei es weniger als die Hälfte. Ein großer Stein reiche schon, um aufgehalten zu werden. Die Leitung dürfe nicht im großen Bogen auf ein Grundstück geraten. Dann bleibe nur, an der Stelle zu buddeln und das Hindernis zu beseitigen.

Inzwischen liest Höhne auf dem Monitor 66 Meter ab. Zwei Rohrlängen sind dazu gekommen, eine misst drei Meter. Die Maschine nimmt sich die Bohrrohre automatisch aus dem Magazin und setzt sie an.

„Die Arbeiten liegen voll im Zeitplan“, freut sich Kerstin Pohl. Ist der neue Strang verlegt, werden Knotenpunkte hergestellt, die Leitung wird auf Dichtheit geprüft und gründlich gespült, bevor sie hygienisch einwandfrei in das vorhandene Trinkwassernetz eingebunden wird und zum Abschluss die 48 Hausanschlüsse folgen. Bis spätestens Ende Juni soll alles fertig sein.

Ob die Baustellenampel, die verkehrsabhängig schaltet, um Kraftfahrern lange Wartezeiten zu ersparen, über Ostern in Betrieb bleiben muss, werde sich heute entscheiden.

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