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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

25. November 2017 | 09:08 Uhr

Sternberger Seenland : Landwirte wollen Lerchen retten

vom

Zahl der Brutvögel auf Feldern und Wiesen ist zurückgegangen: Daher wollen sich Landwirte aus dem Sternberger Seenland dafür einsetzen, dass der Gesang der Feldlerchen und anderer Vögel in unserer Region nicht verstummt.

svz.de von
erstellt am 04.Apr.2012 | 10:30 Uhr

Brüel | Landwirte aus dem Sternberger Seenland wollen sich dafür einsetzen, dass der Gesang der Feldlerchen und anderer Vögel in unserer Region nicht verstummt. Darum drehte sich eine Gesprächsrunde mit dem Hobbyornithologen Ernst Schmidt aus Wendorf. Bei einer Naturschutzberatung im Agrarhof Brüel, die der Landschaftspflegeverband Sternberger Endmoränengebiet für seine Mitglieder angeboten hatte, gab Schmidt Tipps, was Landwirte zum Schutz und zur Erhaltung der heimischen Vogelwelt tun können.

Laut dem Naturfreund aus Wendorf hat sich die Artenvielfalt auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen in den vergangenen Jahren stark verringert. Die Bundesrepublik habe sich verpflichtet, diesen Prozess zu stoppen - zunächst bis 2010, jetzt bis zum Jahr 2020.

Hobbyornithologe Schmidt beobachtet seit Jahren die Vogelwelt in seiner Heimat. Intensiv hat er sich beispielsweise mit einer rund 43 Hektar großen Niedermoorwiese zwischen Holzendorf und dem Mickowsee beschäftigt. Die Gesamtzahl der Brutpaare hat sich hier innerhalb von nur fünf Jahren fast auf ein Drittel reduziert. Gab es auf dieser Wiese beispielsweise 2001 noch 26 Reviere von Feldlerchen, so verringerte sich die Zahl bis 2005 auf 14. Ebenfalls zurück gingen die Bestände bei den Braunkehlchen, während sie bei Wiesenpieper, Rohramme und Sumpfrohrsänger gleich bleiben.

Ähnlich wie auf der Wiese sieht es auch auf den Feldern bedenklich aus um das Überleben der Lerchen. Wurden bei Wendorf beispielsweise in den 1960er-Jahren noch zwölf Brutpaare auf zehn Hektar nachgewiesen, so ist deren Zahl mittlerweile auf unter zwei gesunken. Von einem Feld mit schwerem Boden bei Gustävel liegen Zahlen aus den Jahren von 2002 bis 2010 vor. Dort gab es zwischen zwei und vier Reviere auf zehn Hektar.

Ein Ansatzpunkt, die Vogelwelt zu erhalten, ist es, ihre Brut besser zu schützen. Das kann man beispielsweise dadurch erreichen, dass die Wiesen nicht gerade in der Zeit, wenn die Vögel ihre Jungen ausbrüten, bearbeitet werden. Schmidt schlägt aber beispielsweise auch vor, auf Grünland immer von innen nach außen zu mähen. Dadurch können die brütenden Weibchen fliehen. Auch sieht er es als möglichen Kompromiss, einen Streifen von etwa zwei Metern zum Graben zunächst ungemäht zu lassen, wohin sich die Weibchen mit ihren Jungen zurückziehen können. Aus Brandenburg kennt der Naturschützer Beispiele, dass man Landwirte über Verträge einen Anreiz schafft. Wenn sie 14 Tage später mähen, so meint Schmidt, müssten die Landwirte auch hierzulande einen Ausgleich erhalten für die Verschlechterung des Futters, was sie durch diese Art von Vogelschutz in Kauf nehmen.

Für den Vogelschutz auf den Feldern haben die Engländer eine Methode erfunden, berichtet Schmidt. Sie schalten in bestimmten Abständen die Drillmaschinen für einige Meter ab. Auf diesen Flächen, auf denen der Aufwuchs niedriger ist, finden die Vögel ihre Reviere. Das werde beispielsweise auch schon in Nordrhein-Westfalen gefördert, sagt Schmidt. In Mecklenburg-Vorpommern aber leider noch nicht. Eine andere Möglichkeit wäre, Kuppen auf dem Acker brach liegen zu lassen oder auch einen ca. drei Meter breiten Randstreifen an den Feldern als Rückzugsgebiet für die Vögel zu schaffen. Wichtig sei zudem, so der Hobbyornithologe, die Chemie mit Bedacht einzusetzen.

Es ist gut, dass die Landwirte auf den neusten Stand gebracht werden und wissen, welche Vögel in ihrem Territorium brüten, sagte gestern Dietmar Schulz, Chef vom Agrarhof in Brüel. Er zieht für seinen Betrieb aus der Naturschutzberatung ganz konkrete Schlussfolgerungen, dass dort, wo die Bodenbrüter vorkommen, Arbeiten zum Schleppen und Walzen auf die Zeit vor dem 1. April vorgezogen werden, um die Gelege nicht zu zerstören.

Einige Punkte aus der Beratung seien in seinem Betrieb umsetzbar, so Wolf-Dietmar Vetter, Chef der Wariner Pflanzenbaugenossenschaft: "Wir wollen, dass alles wächst und gedeiht und nicht platt gemacht wird." Schmidts Vorschlag, beim Mähen von innen nach außen zu arbeiten, wenden die Wariner laut Vetter schon an. Das machen sie um die Rehkitze zu schonen. Auch hat der Betrieb zur naturschutzverträglichen Grünlandnutzung und damit zum Vogelschutz Förderverträge mit dem Land abgeschlossen. Dafür gibt es Fördermittel der Europäischen Union.

Mit dem Landwirtschaftsbetrieb in Gustävel sei vereinbart, dass bestimmte Grünlandflächen, auf denen die Vögel brüten, nicht gewalzt werden, erklärte Ernst Schmidt gegenüber SVZ.

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