Trams / Warin : Landwirt: Uran nicht durch Dünger

Diese Säulen veranschaulichen die veränderte Anbaustruktur des  Wariner Agrarbetriebes seit 1963. Wintergetreide und Raps haben deutlich zugelegt, Mais längst nicht so stark. .
Diese Säulen veranschaulichen die veränderte Anbaustruktur des Wariner Agrarbetriebes seit 1963. Wintergetreide und Raps haben deutlich zugelegt, Mais längst nicht so stark. .

Der Chef vom Wariner Pflanzenbau wehrt sich gegen den Vorwurf, dass die Überschreitung der Grenzwerte durch die Landwirtschaft verursacht wurde.

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02. März 2015, 20:45 Uhr

Große Besorgnis über erhöhte Uran- und Nitratwerte im Grundwasser: Fünf von sechs Brunnen können die Einwohner von Alt und Neu Necheln nicht für Trinkwasser nutzen (wir berichteten). Proben ergaben, dass der Grenzwert für Uran, der laut Trinkwasserverordnung 0,010 Milligramm pro Liter beträgt, mit 0,095 Milligramm weit überschritten ist. Doch über die Ursachen gibt es inzwischen Streit. Die Landwirtschaft wird allenthalben verantwortlich gemacht.

Dagegen wehrt sich Wolf-Dietmar Vetter, Vorstandsvorsitzender der Wariner Pflanzenbau eG, ganz entschieden. „Den Schuh ziehen wir uns nicht an“, sagt er und wartet mit Fakten auf. „Uran ist überall in der Natur – im Boden, im Grundwasser. Deshalb wurden Grenzwerte festgelegt, um Gesundheitsrisiken zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Dass darüber gewacht wird, ist völlig richtig.“ Die oberen 20 Meter von Ackerboden enthielten pro Hektar 300 Kilogramm natürliches Uran. „Um die Relation zu verdeutlichen: Phosphatdünger, den wir übers Jahr ausbringen, enthält 25 Gramm Uran pro Hektar, das sind 0,008 Prozent des natürliches Vorkommens auf der Vergleichsfläche.“ Vetter verweist auf eine Anfrage, die die Grünen-Fraktion 2009 zu dem Thema an den Bundestag
gestellt habe. „Für das Umweltministerium wäre das kein Thema, hieß es in der Antwort, weil die Werte äußerst geringfügig sind.“

Auch Kali- und Kalkdünger enthielten Spuren von Uran. Das sei völlig normal bei Mineraldünger, der aus Sedimentgestein gewonnen werde. Für ihn stelle sich die Frage nach der Mobilität des Urans, so der Agrarchef. „Woher kommt es, dass an manchen Stellen kein Uran im Trinkwasser ist und woanders der Grenzwert überschritten wird?“

Bei Mankmoos gäbe es eine von sechs Grundwassermessstellen des Landes mit erhöhtem Uran-Gehalt. Die liege am Waldrand. Und wie Untersuchungen zur Fließrichtung des Grundwassers ergeben hätten, käme das vom Wald. Dort werde überhaupt kein Dünger ausgebracht. Folgerichtig ziehe das Landesamt für Umwelt, Natur und Geologie (Lung) am 5. April 2012 den Schluss: „Ein signifikanter landwirtschaftlicher Einfluss auf die Uran-Gehalte lässt sich aus diesen wenigen Untersuchungsergebnissen für Mankmoos nicht ableiten.“

Dass durch andauernden Nitrateintrag, verursacht von Stickstoffdüngern wie Gülle, die Aufspaltung des Pyrits, einer Eisen/Schwefelverbindung, die auch Uran enthält, zu dessen Freisetzung führt, wie ein Diplom-Geologe in dieser Zeitung erklärte, sei lediglich eine Hypothese und keineswegs belegt. Das müsse weiter untersucht werden, meint auch Vetter. Er wisse nicht, wie die Entwicklung weiter gehe. Aber wenn die Landwirtschaft Einfluss habe, müsse sie ihr Handeln ändern und möglicherweise für die Versorgung der Pflanzen mit Phosphor verstärkt organischen Dünger einsetzen. Der Wariner Pflanzenbau decke auf diese Weise bereits drei Viertel des Bedarfs mit Gärsubstrat aus der Biogasanlage, Gülle und Stalldung. Zu viel Gülle sei allerdings auch nicht gut. „Es ist bekannt, dass sich im Boden Umsetzungsprozesse vollziehen, aber welche Bedeutung die mengenmäßig haben, ist noch unerforscht“, sagt der erfahrene Landwirt.

Nicht nachvollziehen könne er die Behauptung, dass Dünger Jahrzehnte lang an der oberen Grenze der erlaubten Menge auf die Felder gebracht werde. Zu viel schade den Pflanzen eher und koste obendrein unnütz Geld. Vor allem in den letzten 25 Jahren habe sich auf dem Gebiet „wahnsinnig was vollzogen“. Moderne Düngung erfolge über GPS. Fotozellen würden die Grünfärbung der Pflanzen messen und danach die Düngergabe bestimmen. Es sei wichtig, den Boden im Gleichgewicht zu halten. „Für unseren Betrieb kann ich sagen, dass wir Humus vermehrenden Ackerbau betreiben. Das lässt sich mit Zahlen belegen“, betont Vetter. Eine Tafel im Büro des Betriebes in Trams zeigt, dass die Humusbilanz, die 1963 tief im Minus steckte und Mitte der 1980er-Jahre erstmals ausgeglichen war, heute weit im Plus steht. Das liege doch im Interesse des Landwirts, so Vetter, denn mit höherem Wasser- und damit Nährstoffspeichervermögen steige auch der Ertrag.

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