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Probleme in der Agrargenossenschaft Gustävel : Landwirt: "Der Biber enteignet uns"

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"Insgesamt sind zehn Hektar weg", sagt Roland Ohlendorf, der Chef der Agrargenossenschaft in Gustävel. So viel Grünlandfläche hat der Landwirtschaftsbetrieb verloren, weil sie durch die Biber unter Wasser gesetzt wurde.

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erstellt am 07.Feb.2012 | 05:22 Uhr

Gustävel | "Insgesamt sind zehn Hektar weg", sagt Roland Ohlendorf, der Chef der Agrargenossenschaft in Gustävel. So viel Grünlandfläche hat der Landwirtschaftsbetrieb verloren, weil sie durch die Biber unter Wasser gesetzt wurde.

Ohlendorf zeigt ein Beispiel an den Schlosswiesen bei Gustävel, nahe am Mickowsee. In einem Vorfluter hat Baumeister Biber mehrere Dämme hintereinander aufgeschichtet. Das Wasser staut sich so, dass es über die Grünflächen schwappt. Ein so genannter Bibertäuscher, eine Drainage im Damm, sollte das verhindern. Doch die war schnell wieder verstopft. "Die Drainage zu pflegen hat keiner die Kraft", erklärt Ohlendorf. Die Landwirte mussten aufgeben. Zwei Hektar Fläche in dem Niedermoorgebiet sind nicht mehr nutzbar.

Der streng geschützte Nager bereitet den Gustävelern an vielen Ecken Probleme. So führen sie einen Kampf, um das Schöpfwerk in Gustävel in Funktion zu halten. Einen Kanal, an dem 80 Hektar Grünland hängen, versucht der Biber durch Dämme zu blockieren.

Die Gustäveler sind bisher wie kein anderer Landwirtschaftsbetrieb in der Region von der Ausbreitung der Biber betroffen. Durch das von ihnen bewirtschaftete Gebiet ziehen sich 50 Kilometer Gräben. In der Nachbarschaft, am Stettiner See bei Cambs, waren vor 22 Jahren zehn Tiere ausgesetzt worden. Mittlerweile haben sie rund 100 Reviere im Sternberger Seenland besetzt.

Als vor einigen Jahren die ersten Biber in der Region auftauchten und sie beim Nachbarn den Obstbaum umlegten, war es noch lustig, so Ohlendorf. Mittlerweile seien die Tiere für die Landwirte, die damit leben müssen, ein Problem. Die Bauern müssen Pacht für ihre Flächen zahlen, Gebühren an den Wasser- und Bodenverband, Grundsteuer, Beiträge an die Berufsgenossenschaft. Sie müssen einen Hektar Fläche für rund 15 000 Euro kaufen. Und dann sind diese nicht mehr nutzbar. Ohlendorf: "Der Biber enteignet uns."

Darüber diskutierten Vertreter aus acht Landwirtschaftsbetrieben aus dem Sternberger Seenland mit Naturschutz-Fachleuten in Gustävel. Organisiert hatten das der Landschaftspflegeverband Sternberger Endmoränengebiet und das Beratungsbüro LMS. Es war das erste Treffen in einer Pilotreihe zur Naturschutzberatung von Landwirten.

Biberexperte Holger Ebersbach sagte: Wir sind wir erst am Anfang. Nach seinen Prognosen wird der Biber weitere Flächen im Naturpark unter Wasser setzen. Er wird versuchen, Rohrdurchlässe zuzubauen. Das lässt sich durch das Vorsetzen von Gittern entschärfen. Die Nager werden wie in anderen Gegenden Wehrbohlen aus Holz benagen, wodurch diese Stauanlagen durchlässig werden. Vorkehrung dagegen beispielsweise im Großraum Eisenhüttenstadt: Jede Bohle mit einem verzinkten Blech beschlagen.

Der Biberexperte verfolgt den Ansatz, die Nager, die sich bereits angesiedelt haben, in die Gegenden zu locken, wo sie weniger Schaden anrichten können. Und dort, wo mit einer Ausbreitung noch zu rechnen ist, sollte man unproblematische Flächen vorbereiten, meint er. Möglichst weg sollte man den Biber von sensiblen kleinen Gräben locken. Denn die muss er anstauen, um ausreichend Wassertiefe für seine Burg zu erreichen. Platz ist dagegen am Randstreifen größerer Gewässer wie der Warnow. Hier könnte man z. B. Zitterpappeln, Mandel-, Silber- und Korbweiden pflanzen, deren Rinde im Winter Grundnahrungsmittel für die Tiere ist. Das Problem, so Ebersbach, sei, dass auf Abschnitten der Warnow derzeit kein Strauch und kein Baum steht.

Es gibt aber kein Patentrezept für die Landwirte. Kristin Zscheile vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) verneinte die Frage, ob man der derzeitigen Überpopulation nicht durch Jagd Einhalt gebieten kann. "Der Biber ist keine bejagbare Art", so Zscheile. "Selbst wenn, dann hätte er ganzjährige Schonzeit." Die Biber sind geschützt und dürfen weder verletzt noch getötet werden. Auch die Dämme und Burgen stehen unter Schutz. Das Landesamt erteilt Ausnahmegenehmigungen beispielsweise für die Verlegung von Drainagen oder das teilweise Herunternehmen der Dämme. Kompromisslos geht man aber nur dann vor, wenn die öffentliche Sicherheit gefährdet ist - beispielsweise an Straßen oder Bahndämmen. Auch das Wegfangen der Biber ist keine Lösung, sagt Zscheile. Denn den Effekt erzielt man erst, wenn man die ganze Familie wegfängt. So lange noch ein Tier da ist, hält es den Damm instand. "Wir haben die Lösung nicht in der Tasche", sagt sie.

Sowohl Zscheile als auch Ebersbach appellierten indes an die Landwirte, über die Probleme mit den Bibern zu informieren.

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