Sternberg : Lammzeit an der Warnow

Die Lämmer, die besondere Fürsorge brauchen, sind bei Monika Richter (l.), die auch die Buchhaltung des Betriebes erledigt, und Praktikantin Abigail Roß bestens aufgehoben. Die junge Frau aus Gustävel möchte ab Herbst Agrarwissenschaft studieren.
Die Lämmer, die besondere Fürsorge brauchen, sind bei Monika Richter (l.), die auch die Buchhaltung des Betriebes erledigt, und Praktikantin Abigail Roß bestens aufgehoben. Die junge Frau aus Gustävel möchte ab Herbst Agrarwissenschaft studieren.

In der Landwirtschaftsgesellschaft Groß Raden hat die erste Schafherde ihren Nachwuchs. Hauptsaison beginnt jetzt.

von
08. April 2020, 19:16 Uhr

Das Gras auf den Weiden oberhalb des Warnowtals wächst noch recht langsam. Doch die Schafe finden schon frisches Futter. Zusätzlich gibt es Silage und Pellets. Sobald das Weidegras ausreicht, bekommen die Tiere nur Grünes, ergänzt durch Mineralstoffe, bei denen sie sich auch selbst bedienen können, sagt Erik Neumann, seit Anfang des Jahres Betriebsleiter für die Schafhaltung in der Landwirtschaftsgesellschaft (LWG) Groß Raden.

Die erste Herde aus rund 500 Mutterschafen hat von Februar bis März gelammt und bevölkert nun samt Nachwuchs eine weitläufige, hügelige Fläche zwischen Groß Görnow und der Warnow. Insgesamt hält der Betrieb 3200 Mutterschafe. Es sind die am ehesten bekannten Schwarzköpfe sowie Lleyn, deren Heimat die gleichnamige Halbinsel im Nordwesten von Wales ist, und Texel, die ihren Namen von der niederländischen Insel haben. Alles Rassen, die sich für die Produktion von Lammfleisch besonders eignen, erklärt der junge Betriebsleiter, der kurz vor seinem Meisterabschluss als Landwirt steht. „Wir lagen schon mal bei 3500, verringern aber auf 3000“, fügt LWG-Geschäftsführer Dietmar Schulz hinzu, seit 1. März Rentner, aber stundenweise weiterhin zur Stelle.

Groß Raden hat den landesweit zweitgrößten Bestand, weiß Ulrike Koch vom Landesschaf- und Ziegenzuchtverband MV in Karow bei Plau am See, der 236 freiwillig organisierte Mitglieder mit 38700 Mutterschafen vertritt, von ausgedehnten Schäfereien im Haupterwerb bis zu Hobbyzüchtern. Den größten Betrieb dieser Art gebe es im Landkreis Rostock, so Koch.

An der Warnow beginnt am 10. April die Hauptlammzeit. „Sonst kamen dazu zwei, drei Leute aus Schottland oder Holland, jetzt haben wir uns aus den eigenen Reihen verstärkt“, sagt Dietmar Schulz. So würden Mitarbeiter vom Golfplatz in Vorbeck, der zum Gesamtunternehmen gehöre, wegen der Corona-Krise aber geschlossen sei, bei der Vorbereitung helfen und beispielsweise Buchten bauen. Über Ostern gehe die Arbeit in den Schafställen voll durch.

Zusammen mit denen, die bereits auf den Weiden herumtollen, werden 4600 Lämmer erwartet, 1300 als sogenannte Einlinge und 3300 als Zwillinge oder gar Drillinge. Das wurde wie jedes Jahr mit Ultraschalluntersuchungen Wochen zuvor festgestellt. Die Mutterschafe werden danach zur Lammzeit eingeteilt.

Einlinge kommen im Freien zur Welt, zum Teil im Bereich Necheln, die Mehrlingsgeburten erfolgen im Stall in Groß Görnow, um die Neugeborenen vor Kolkraben zu schützen. Die Mutter könne auf der Weide ein Lamm vor Angriffen verteidigen, zwei oder mehr kaum. Das Problem werde „eher größer als kleiner“, ärgert sich Schulz. Ab dem dritten Tag, wenn die Kleinen etwas gewachsen seien, gehe es auch für sie nach draußen. Lediglich von Drillingen bleibe in der Regel ein Lamm in besonderer Obhut, bekomme zunächst die Flasche, bevor es von allein an den Milchautomaten gehe. Gleiches gelte, wenn die Mutter etwa krank sei oder ein Neugeborenes nicht annehme. Im Vorjahr seien auf diese Weise 200 Lämmer aufgezogen worden.

Von der Geburt an braucht der Schafnachwuchs 120 bis 150 Tage, um das Schlachtgewicht von 40 bis 45 Kilogramm zu erreichen. Andere Osterlämmer, die auch so genannt werden, weil sie jetzt gegessen werden, wurden im Vorjahr woanders geboren und aufgezogen. Die LWG Groß Raden liefert ab dem Sommer etwa zwei Drittel der Lämmer an langjährige Vertragspartner in Thüringen und ein Drittel nach Hamburg.

Mutterschafe werden, nachdem sie fünf bis sechs Mal gelammt haben, als Schlachttiere verkauft, sagt Erik Neumann. Von den Neugeborenen behalte der Betrieb 500 weibliche Tiere zur eigenen Reproduktion des Bestandes. Denn auch im nächsten Jahr sollen wieder zahlreiche Osterlämmer auf den Weiden an der Warnow herumtollen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen