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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

17. Dezember 2017 | 18:56 Uhr

Sternberger Seenland : Lämmer-Hochzeit an der Warnow

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Landwirtschaftsgesellschaft Groß Raden rechnet bis Ende der Ablammzeit in der kommenden Woche mit insgesamt 4800 Geburten.

von
erstellt am 07.Mai.2016 | 05:00 Uhr

Wanderer, Radfahrer und Touristen im Bereich der Warnow haben wieder eine kleine Attraktion mehr: Auf den Weiden tummeln sich erst wenige Tage bis zu einige Wochen alte Lämmer. Für die Landwirtschaftsgesellschaft (LWG) Groß Raden steht freilich der wirtschaftliche Faktor im Vordergrund. Am 10. April hat die jährliche Ablammzeit begonnen und geht nun in den Endspurt. Aktuell wird noch von etwa einem Zehntel der 3200 Muttern Nachwuchs erwartet. Um den 10. Mai ist Schluss. Zeitlich gesteuert wird das Ablammen, indem die Böcke jeweils ab 15. November in die Mutterherden kommen.

Nach Ultraschall farblich gekennzeichnet

Mehr als 4800 Lämmer sollen es am Ende sein. Das hat die Ultraschalluntersuchung, die der Betrieb seit ein paar Jahren Anfang Februar von einem Fachmann vornehmen lässt, ergeben. Rund 1300 Einzel-, 1700 Zwillings- und 60 Drillingsgeburten wurden dabei ermittelt. Entsprechend werden die Mutterschafe farblich gekennzeichnet und gefüttert. Die mit Blau für Zwillinge und Grün für Drillinge erhalten Zugaben bei ihren Rationen. So genannte Einlinge sind rot markiert, sie lammen auf der Weide ab. Erstere kommen dazu in den Schafstall Groß Görnow. Das hänge mit den Kolkraben zusammen. „Bringt die Mutter nur ein Lamm zur Welt, kümmert sie sich gleich darum und hält die Raben ab. Bei Mehrlingsgeburten geht das nicht“, erklärt Geschäftsführer Dietmar Schulz. Doch nach dem ersten Lamm seien sofort Kolkraben da. Diese verursachten größeren Schaden als Füchse. Meist würden sie Neugeborenen zuerst die Augen aushacken, mitunter erst den Schwanz und sie dann vollständig fressen. Das passiere oft in nur einer Stunde, weil gleich eine ganze Schar über so ein wehrloses Lamm herfalle. Zum Schutz würden die Mutterschafe mit Zwillingen und Drillingen vor dem Ablammen eingestallt, die Verluste dadurch im Rahmen gehalten. Drei, vier Tage alt geht es für die Lämmer auf die Weiden ringsum, mit Buchstaben und Zahlen markiert, um zu erkennen, ob Nachwuchs und Muttertier zusammengehören. Auf dem weiträumigen Grünland seien die auch mal weiter voneinander entfernt, würden sich aber zum Säugen meist allein finden. Und wenn nötig, werde anhand der Kennzeichnung geholfen.

Im Stall bleiben lediglich die Kleinen, die besondere Fürsorge brauchen. Um sie kümmert sich Monika Richter, die sonst im Büro arbeitet, füttert mit der Flasche und verteilt dazu liebevoll Streicheleinheiten. „Das ist wie zu Hause“, sagt Richter lachend, als sie aus Milchpulver Nahrung anrührt. Die verabreicht sie dreimal am Tag, außerdem gibt es die in Spät- und Nachtschicht. Sind die Kleinen selbstständig genug, um ohne Flasche auszukommen, wechseln sie in die größere Box im Stall gegenüber, wo sie sich am Milchautomaten selbst bedienen.

Was sie nicht könnte, wie Richter sagt, schafft Hilko Rietema, den alle „Doktor“ nennen, weil er auch die besonders schwachen Kälber, die sonst keine Chance zum Überleben hätten, mittels Schlauch bis in den Magen mit warmer Milch satt bekommt. „Die meisten rappeln sich dadurch wieder auf“, freut sich Richter.

Rietema ist Holländer und arbeitet mit zwei Landsleuten und einem Engländer einen Monat an der Warnow. Sie hatten sich auf eine Ausschreibung des Betriebes beworben. Der schottische Schäfer, der im Januar 2015 gekommen war, sei nur fünf Monate geblieben, bedauert der Geschäftsführer. Mit ihm vier Beschäftigte, dazu ein Auszubildender und eine Hilfskraft betreuen die Schafe ständig. Der Betrieb, einer der größten seiner Art in Norddeutschland, produziert Mastlämmer. Auf der Weide nehmen sie täglich bis zu 300 Gramm zu, im Stall mit Kraftfutter wären es rund 100 mehr. Mit 44 bis 45 Kilogramm werden alle Böcke und die weiblichen Texel-Lämmer verkauft. 700 bis 800 Tiere vom weiblichen Nachwuchs bleiben zur Reproduktion des Bestandes, der noch zwei, drei Jahre um jeweils 100 erweitert werden soll. Ziel sind 3500 Mutterschafe.

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