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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

19. November 2017 | 22:54 Uhr

Kobrow : Kutschenmuseum sattelt weiter auf

vom

Freudige Gesichter im Kutschenmuseum Kobrow: Zwei interessante Neuerwerbungen, die die Gesamtzahl der Fahrzeuge auf 142 steigen lassen bereichern die Schau. Ab März wird wieder ein Anstieg der Besucher erwartet.

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erstellt am 21.Feb.2012 | 09:57 Uhr

Kobrow | Freudige Gesichter im Kutschenmuseum Kobrow: Zwei interessante Neuerwerbungen, die die Gesamtzahl der Fahrzeuge auf 142 steigen lassen, und weitere Neuheiten bereichern die illustre, weit und breit einzigartige Schau. Ab März wird wieder ein sprunghaft wachsender Zuspruch erwartet. Mit rund 6200 Besuchern wurde im Vorjahr das Rekordergebnis von 2010 wiederholt, sagt Museumsbetreuer Norbert Schönborn.

Die Begeisterung steht ihm ins Gesicht geschrieben, wenn er über die neuesten Schmuckstücke in der Sammlung spricht. Der Char-à-Côté, Wagen für die Küste, ist um 1830 gebaut worden. Das Besondere dieses Spezialgefährts für Herrschaften: Sie saßen zu einer Seite und konnten bei ihrer Spazierfahrt entlang der Küste ständig auf das Wasser blicken, ohne die Köpfe verdrehen zu müssen. Das Modell im

Kobrower Museum ist ein geschlossener Zweisitzer mit Fensterscheiben und Rollos. Rückwärts zur Sitzbank lässt ein kleiner quadratischer Ausguck nur begrenzte Aussicht. Deshalb gab es den wunderschönen Meeresblick nur bei einer Fahrtrichtung. Wer von den Herrschaften gelernt und Spaß daran hatte, selbst zu kutschieren, ließ den Bock abschrauben und führte die Leine durch das vorn geöffnete Fenster. Der Wagen, den es auch offen und als Viersitzer gibt, ist in der Schweiz entwickelt worden, weiß Schönborn. Daher resultiere sicher die zweite Bezeichnung als Tour de Lac, Wagen für den See. In der kälteren Jahreszeit hätten sich Herrschaften aus dem Norden mit diesen Gefährten auch gern Küsten von Mittelmeer und

Atlantik angeschaut und sich gezeigt. Ihm habe das, sagt Schönborn, in seiner Kindheit ein Uronkel erzählt, der Lakei beim Großherzog in Ludwigslust gewesen sei.

Irischer Herkunft ist ein Jaunting Car um 1920, ein für die grüne Insel typischer, nur einspännig gefahrener Karren mit zwei hohen Rädern. Auch hier sitzen die Passagiere auf in Längsrichtung stehenden Bänken, aber Rücken an Rücken und damit zu entgegengesetzten Seiten. "Auf dem Rückweg von ihrer Spritztour, ob auf einer Promenade oder Flaniermeile mit Geschäften, schauten sie dann auf die andere Seite", erklärt der Museumsbetreuer schmunzelnd. Im vorderen Wagenteil befindet sich ein kleiner Sitz für den Fahrer.

Zu den weniger auffälligen Neuheiten im Kutschenmuseum gehört eine kleine Galerie von Originallaternen aus mehreren Ländern, die eine große Vielfalt zum Ausdruck bringt. "Außerdem haben wir den Winter genutzt, um Detailfehler an den ausgestellten Kutschen, zum Beispiel bei der Farbgebung und Linierung, auszumerzen", erzählt Norbert Schönborn. Dazu habe eine Museumstour der Kobrower bis in den Süden Deutschlands zahlreiche Anregungen gegeben. Das sei eine "Bereicherung ohnegleichen" gewesen. Stationen waren ein namhaftes privates Kutschenmuseum bei Kassel, der Marstall von Schloss Nymphenburg in München, die größte Kutschensammlung Europas in Mannheim, die aktuell 326 Fahrzeuge umfasse, allerdings nur auf Anmeldung zugänglich sei, sowie Kutschen-Restaurator Rudolf Stief in Augsburg. "Er ist der beste Fachmann auf diesem Gebiet, den ich kenne. So wird restauriert, alles stilecht. Fahrzeug und Geschirr, dazu die passenden Pferde, die Kleidung, es stimmt wirklich alles", schwärmt Schönborn.

Kobrow erhebe nicht den Anspruch, ein historisches Museum zu sein. Dann müsste wissenschaftlich gearbeitet und aussortiert werden, was nicht authentisch sei, meint der belesene Museumsbetreuer, der vor Enthusiasmus nur so sprüht. "Wir sehen uns vielmehr als volkstümliches Museum. Doch was wir zeigen, soll schon möglichst originalgetreu sein, die Besucher faszinieren und möglichst auch Blicken von Fachleuten stand halten", so Schönborn. Daher erhielt nun das Coupe von Brewster & Co. aus dem Jahre 1895 andere Lampen im Original, beim Mylord von 1887 wurde die Linierung am Bock, die dort nicht hingehört, entfernt. Besucher finden allerlei Neues. Geöffnet hat das Kutschenmuseum derzeit wochentags von 10 bis 16.30 Uhr.

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