Kobrow : Kutschenmuseum mit vollem Haus

Ausnahme beim Tag der offenen Tür: Museumsbetreuer Mathias Rittig auch mal einsteigen, wie hier Petra Scheumann aus Schwerin in einen Landauer, um 1900 gebaut.  Fotos: Rüdiger Rump
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Ausnahme beim Tag der offenen Tür: Museumsbetreuer Mathias Rittig auch mal einsteigen, wie hier Petra Scheumann aus Schwerin in einen Landauer, um 1900 gebaut. Fotos: Rüdiger Rump

Der Tag der offenen Tür in Kobrow II zog Besucher zu Hunderten an. Neben den 191 Fahrzeugen sind auch Zubehör und Reiseutensilien von Interesse.

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02. April 2017, 21:00 Uhr

Richtig Glück gehabt: Zwei befreundete Paare aus dem Havelland ganz in der Nähe von Berlin besuchten am Sonnabend das Mecklenburgische Kutschenmuseum in Kobrow II. Dass dies der erste Tag nach der Winterpause sei, hätten sie nicht gewusst, sagen die beiden Männer, die die Öffnungszeit bis kurz vor Ende auskosten, während ihre Frauen schon im Café sitzen.

Bei einem Besuch vor einer Weile in Güstrow hatten sie erfahren, dass es hier so ein Museum gebe. Und da Bernd Dorow aus Falkensee „totaler Kutschenfan“ sei, wie seine Frau erzählt, habe sie den – zugegeben – ausgedehnten Tagesausflug arrangiert. Und ihre Erwartungen seien weit übertroffen worden, meinen die beiden Männer. Sie seien völlig beeindruckt von der Vielzahl der Kutschen und ebenso von ihrem Zustand. „Die sind so tipptopp hergerichtet, alle Achtung“, so Hans-Joachim Jahn aus Falkensees Nachbardorf Dallgow, manchem vielleicht bekannt vom Olympischen Dorf, das dort 1934 bis 1936 errichtet wurde, heute aber fast nur noch aus Ruinen besteht.


Ausstellung verkörpert auch Zeitgeschichte


Sie hätten sich schon woanders, in Deutschland wie im Ausland, immer wenn sich die Gelegenheit geboten habe, Kutschensammlungen angesehen, aber noch nie so eine wie hier zu Gesicht bekommen. Einmalig, schwärmen die beiden Havelländer. Die Ausstellung verkörpere auch Epochen der Zeitgeschichte. In der Halle angekommen, in der einst von Pferden gezogene Militärwagen stehen, meint der Besucher aus Falkensee, er wisse, dass Bauern gern die Wacht, regional auch Ortscheid bezeichnet, von Militärfahrzeugen genommen hätten, weil die besonders stabil gewesen seien. Pferde hätten sie in ihrer Region reichlich, aber nicht solche Kutschen.

Gea van Burgsteden, Leiterin von Museum, Café und Shop, zeigt sich vom Saisonstart am Sonnabend zufrieden. Es seien rund 50 Besucher gekommen, „das war gut für den ersten Tag“. Ein Vielfaches an Besuchern kam am gestrigen Tag der offenen Tür. Zu Hunderten nahmen sie die Offerte mit freiem Eintritt an. „Der Andrang übertrifft noch den vom Vorjahr, als wir von der Resonanz schon total überrascht waren“, freut sich Burgsteden.„Diesmal haben wir uns besser gewappnet, aber dennoch viele Brötchen nachholen müssen.“

Über die Kutschen werde natürlich am meisten gesprochen. Die im Norden einzigartige Ausstellung umfasst 191 Fahrzeuge, überwiegend im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert gebaut. Doch genauso interessant finde sie, so die Leiterin des Hauses, das ganze Zubehör wie Beschlagzeugtaschen, Kunstgeschirre und Laternen oder die Reiseutensilien. „Was die Leute zu der Zeit alles mitgenommen haben. Das hatte Gewicht und ist gar nicht mehr vorstellbar, kein Vergleich zu dem Kulturbeutel, mit dem wir heute verreisen.“ Ein Koffer zum Beispiel enthalte ein Dutzend Schuhe, alle in Größe 35. Die Reisen hätten lange gedauert, „doch nur wohlhabende Leuten konnten die machen“.

Jochen Peters aus Brüel und dem Wariner Helmut Fritsch hat es aber doch die Technik angetan, vor allem die handwerkliche Meisterleistung, mit der jedes Teil für die Kutschen angefertigt wurde. Die beiden Männer haben als Schlosser zusammen gearbeitet und sich nun zufällig getroffen. „Ich arbeite mit meinem Kumpel Klaus Bründel hobbymäßig Trabant und Wartburg auf. Da weiß man, wie viel Arbeit darin steckt. Kutschen waren Vorgänger der Autos, für die manches übernommen wurde.“


„Wahnsinn, was hier zu sehen ist“


Sie hätten gar nicht gewusst, dass es hier so ein Museum gibt, und seien erst durch die Ankündigung in der SVZ darauf aufmerksam geworden, so Petra Scheumann und Fred Behning aus Schwerin. Sie
gehöre dem Schlossverein an und habe einen Faible für Historisches. „Wahnsinn, was hier zu sehen ist, auch die Vielfalt von Kutschen. Wir sind überwältigt“, sagt die Schwerinerin und darf ausnahmsweise, weil Tag der offenen Tür ist, in einen Landauer einsteigen.

Das Mecklenburgische Kutschenmuseum hat dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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