Sternberg : Kutschen wollen gewienert sein

Winterputz: Museumsführer Norbert Schönborn beim Staubwischen an der Leib-Mylord der Kaiserin Auguste Victoria aus dem Jahr 1908. „Das ist ein absolutes Unikat“, erklärt der Experte, der zu jeder der ausgestellten Kutschen eine Geschichte weiß.
Winterputz: Museumsführer Norbert Schönborn beim Staubwischen an der Leib-Mylord der Kaiserin Auguste Victoria aus dem Jahr 1908. „Das ist ein absolutes Unikat“, erklärt der Experte, der zu jeder der ausgestellten Kutschen eine Geschichte weiß.

Winterputz im Mecklenburger Kutschenmuseum: Zur Saisoneröffnung am Ostersonntag soll alles in Glanz und Gloria erstrahlen.

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08. März 2018, 12:00 Uhr

Das Mecklenburger Kutschenmuseum in Kobrow II hat geschlossen. Es hält aber keinen Winterschlaf, denn zwischen November und Ende März findet der „Winterputz“ statt. Die fast 200 Kutschen und Schlitten sowie zahlreichen Geschirre und Sättel sowie auch historischen Kinderspielzeuge wollen alle Jahre wieder gewienert und gepflegt sein. Damit dann zur Saisoneröffnung am 1. April, heuer ist es der Ostersonntag, wieder alles glänzt.

Zwischendurch wird immer wieder Staub gewischt bei den großen und auch optisch kleineren Schätzen; einmal im Jahr jedoch ist Großreinemachen angesagt. Und da lassen die Museumsführer Mathias Rittig und Norbert Schönborn keinen anderen heran. Februar/März sind die Putzmonate.

Der Sternberger Schönborn bezeichnet sich selbst „als Urgestein“ des Museums. „Ich bin seit dem 15. November 2005 dabei, um zusammen mit dem damaligen Förderverein Kobrow die erste Halle herzurichten.“ Norbert Rethmann aus Wamckow wollte hier sein privates Kutschenmuseum errichten und wartete nur darauf, seine erste Sammlung von 32 Kutschen unterzustellen.

Was mit einer Halle begann, hat sich längst erweitert. Und die Handwerkskunst aus aller Herren Länder – elf an der Zahl von Deutschland bis Ungarn und Russland bis zu den Vereinigten Staaten – will ins rechte Licht gesetzt sein. Damit auch bei Sonneneinstrahlung ja keine Staubecke den Kutschen-Blick des Betrachters trübt.

Und so wird aktuell gewienert. Die Geschirrteile etwa werden mit Lederöl oder -fett gepflegt. Schönborn schwört dabei auf „Lanolin-Fett, das Schafsfellfett. Ungewaschen“, ergänzt der Sternberger, der demnächst seinen 75. Geburtstag begeht, „ist solch ein Fell übrigens das beste Mittel gegen Rheuma.“ Aber das ist eine andere Geschichte…

Schönborn und Ritter haben noch einige Putztage bei Kutsche & Co. vor sich. So war bis gestern an der Leib-Mylord von 1908 der deutschen Kaiserin Auguste Victoria, der Frau von Kaiser Wilhelm II., nur die eine Hälfte bereits auf Hochglanz gebracht. Und so ging es an die Arbeit – bei einer Temperatur in der Halle von gerade einmal vier Grad Celsius. Der Winterputz machte seinem Namen alle Ehre.

Norbert Schönborn ist längst Rentner und springt als Museumsführer nur noch ein, wenn Mathias Rittig verhindert ist, oder es einen großen Besucherandrang gibt. Aber eigentlich „kann er nicht von den Kutschen lassen“, verkündet Museumsleiterin Gea van Burgsteden. Und so kam Schönborn gestern gar bei Schnee per Rad aus Sternberg. Denn zum 1. April, der Saisoneröffnung, soll ja alles tipptopp sein.

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