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Schülerin aus Langen Jarchow : Kurzgeschichten: Die Themen liefert das Leben

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Neuntklässlerin Maria Schlüter schreibt in ihren Kurzgeschichten über Krieg und Intoleranz

von
erstellt am 20.Apr.2016 | 05:23 Uhr

„Es ist ein kalter Tag und er sitzt draußen auf der Bank vor dem Bahnhof. Der Mann hält seine Bierflasche in der rechten Hand und in der linken Hand eine Zigarette“ – so beginnt eine von vielen Kurzgeschichten, die Maria Schlüter aufgeschrieben hat. 

Maria ist 15 Jahre alt. Sie wohnt mit ihrer Familie in Langen Jarchow  und geht auf das Gymnasium in Sternberg. Die Neuntklässlerin schreibt, „seit ich klein bin“, so richtig habe es aber erst in der siebenten Klasse angefangen. Durch den Unterricht sei sie im Schreiben sicherer geworden, mit den  Lebensjahren komme natürlich Wissen hinzu und „jetzt macht es noch mehr Spaß“, erzählt sie.

Dabei sind die Themen, mit denen sich die  15-Jährige auseinandersetzt,  kein leichter Stoff. Wie in der Geschichte von dem Mann, der auf der Bank vor dem Bahnhof sitzt... Maria schreibt über Streitigkeiten, über Krieg, über Meinungsverschiedenheiten, über Intoleranz... „Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt und bin auch in sozialen Netzwerken unterwegs. Was ich da so lese, macht mich oft traurig. Das greife ich dann auf und schreibe meistens abends los“, sagt Maria. Am liebsten sitzt sie dabei an ihrem Schreibtisch  und verwendet   Stift und Papier. Im Sommer geht es fürs Schreiben aber auch schon mal nach draußen.

Ihre Freunde wissen, dass Maria dieses Hobby hat. Allerdings liest sie die Geschichten meistens nur ihrer Mutter und der Oma vor. Die Oma (Christa Riechelieu, langjährige Bürgermeisterin der Gemeinde Langen Jarchow, d. R.) sei ihr größter Fan, verrät die  Gymnasiastin.

Alle Geschichten werden in einem Ordner gesammelt und hin und wieder  noch einmal  gelesen. „Deutsch liegt mir  schon gut“, sagt die Neuntklässlerin, die sich aber noch nicht festlegen will, wie ihr späterer Beruf einmal aussehen könnte. Vielleicht Schauspielerin, Journalistin oder Sozialpädagogin. Etwas aus dem sozialen Bereich würde ihr schon zusagen, meint sie. Und natürlich „versuche ich, so wie ich schreibe, auch selbst zu handeln“.

Leseprobe

Es ist ein kalter Tag und er sitzt draußen auf der Bank vor dem Bahnhof. Der Mann hält seine Bierflasche in der rechten Hand und in der linken Hand eine Zigarette. Er ist sehr luftig gekleidet, hat keine Jacke an, ein schwarzes T-Shirt, eine kaputte braune Hose, eine dunkle Mütze  und abgenutzte Turnschuhe. Seine Haare sind sehr kurz und braun.

 

Bei der Sache ist er nicht, er guckt Flasche und Zigarette an und reibt sich zwischendurch die Augen. Sobald die eine Bierflasche leer ist, holt er sich aus seinem Rucksack eine neue.  Die Zigarettenschachtel liegt neben ihm. Sein Rucksack sieht   wie ein Armee-Rucksack aus. Er bückt sich und hebt einen Verlobungsring auf,  guckt  sich den Ring an und ist zu tiefst berührt. Seine Augen werden feucht. Er macht  seine Zigarette aus und versucht den Ring aufzusetzen, doch er passt nicht. Der Mann legt sich auf die Bank und es sieht so aus, als ob er die Menschen anguckt wie Außerirdische. Bei jedem, der vorbeikommt,  macht er eine Bemerkung. Ein Mann schreit was zurück, doch er brabbelt nur was vor sich hin, er schreit nicht zurück.

 

Doch den Ring lässt er nicht aus den Augen. Vielleicht war es falsch, sich von seiner Frau zu trennen, jetzt hat er gar nichts mehr. Er sitzt da und macht sich die nächste Zigarette an. Er war nie zufrieden, mit dem, was er hatte. Sein Mundwinkel zieht sich von Mal zu Mal weiter runter. Keiner hatte Lust, mit ihm zu reden, außer seine damalige Frau.

 

Sein Zustand wird immer schlechter und schlechter. Den Rucksack nimmt er für den Kopf als Kopfkissen, sein Bein zuckt nervös. Der Ring liegt bei ihm auf dem Bauch. Er guckt ihn sich immer und immer wieder an, bis er ihn nimmt und auf den Boden wirft. Auf einmal kommt die Polizei und kümmert sich um ihn.

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