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Anzeiger für Sternberg, Brüel, Warin

23. November 2017 | 08:51 Uhr

Sternberg : Kulturverein will Region beleben

vom
Aus der Redaktion des Anzeiger für Sternberg – Brüel – Warin

Die Sternberger Band „Als wir träumten“ gründete einen Verein: Melancholisch-meditative Musik mit deutschen Texten

„Als wir träumten“: Der Bestseller-Roman von Clemens Meyer (2006) wurde unter der Regie von Andreas Dresen verfilmt und war dann 2015 offizieller Wettbewerbsbeitrag der 65. Berlinale. Die Handlung: Vier junge Männer probieren nach dem Ende der DDR in der Wendezeit ihre Träume und ungezähmten Kräfte aus. „Als wir träumten“: In einer Sternberger Gartenlaube machen vier junge Männer als Band gemeinsam Musik. „Als wir träumten“: Aus der Band erwächst ein Verein, der sich um junge Flüchtlinge kümmert und für Jugendliche kulturelle Angebote organisieren will.

„Die Band formierte sich vor zehn Jahren“, erzählt Benjamin, der Bassist. Schulfreunde waren sie damals, Altersgenossen. „Wir verstehen uns blind.“ Deshalb habe es auch keinen Einbruch zur Folge gehabt, als er auswärts Design studierte und nur noch an den Wochenenden zu Hause war. „Wir haben uns dennoch musikalisch gut entwickelt.“ 2014 wurde mit „Brecht aus“ die erste CD produziert, mit 13 eigenen Kompositionen. „Landnahme“ lautet ein Titel, der seitdem im Internet bei YouTube zu finden ist. Ruhige, puristische Akkorde bauen eine harmonische Atmosphäre auf, die gelegentlich temperamentvoll aufbricht. Bildlich ist das Instrumentalstück in ein Video umgesetzt, das am Sternberger See aufgenommen wurde. „Wir sind Lokalmatadoren und sehen uns bewusst sehr stark verortet“. Heiko, der Gitarrist, studiert allerdings derzeit in Kiel. Sören, der Tastenmann, ist beruflich ebenso stark eingespannt wie der Schlagzeuger Martin, der als Sozialpädagoge in Neubrandenburg arbeitet.

Großen Einfluss auf die Kompositionen von „Als wir träumten“ übten die sphärisch-melancholischen Klanggebilde der isländischen Formation „Sigur Rós“ oder die intensiv-meditative Musik der Waliser Band „Mogwai“ aus. Die deutschen Texte ermuntern zum eigenständigen Denken („Mittelfinger“), oft geht es auch nachdenklich um jugendliche Selbstzweifel („Ich und die Welt) oder um eigene Lebenserfahrungen („Viertel nach fünf“). „Wir texten sehr situationsbezogen.“ Dabei vertonte die Sternberger Band mit „August“ auch schon einmal ein Gedicht von Selma Meerbaum-Eisinger, die 1942 mit 18 Jahren als hoffnungsvolle, junge jüdische Literatin in einem Arbeitslager der Nazis starb. „Oder wir leisten uns eigene literarische Spielereien“, lenkt Benjamin die Aufmerksamkeit auf die Kurzgeschichten und Gedichte im 180-Seiten-Werk „An wahren Tagen“. Im September will „Als wir träumten“ außerdem beim Festival in Schönlage auftreten.

Eine für „Als wir träumten“ ungemein nützliche Plattform, um bekannt zu werden, sei das Internet. „Dort veröffentlichen wir unsere Songs und berichten von den Aktivitäten des Kulturvereins.“ Eine von vielen Internet-Adressen: http://bit.ly/1RalhBq

Die Idee, einen Kulturverein zu gründen, sei von Drummer Martin geboren worden. „Wir verstehen uns als Anschubser für Eigeninitiative.“ Es gehe darum, so Benjamin, Bildung und Kreativität vor Ort ausleben zu können. „Zu viele aus unserer Generation gehen weg von hier.“ Der Sternberger Kulturverein wolle Keimlinge setzen, die dann vor Ort und in der Region aufblühen sollen. „Wir sind offen für neue Mitglieder.“

Aktuell kümmert sich der Verein zusammen mit dem Helferkreis in Dabel um junge Flüchtlinge, mit denen er Ausflüge unternimmt oder regelmäßig Fußball spielt. „Das ist eine Sprache, die jeder spricht.“

 

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