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Musik im im ehemaligen Brüeler Gefängnis : Kulturknastfenster ist Musikertreff

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Viel Licht erhellt nun das "Kulturknastfenster". Theo Jörgensmann, international anerkannter Klarinettist, renoviert derzeit das ehemalige Gefängnis in Brüel und gestaltet es zum Konzertsaal und Kulturtreff um.

svz.de von
erstellt am 26.Feb.2013 | 09:08 Uhr

Brüel | Viel Licht erhellt den Konzertraum im Brüeler "Kulturknastfenster", scheint ihn fast zum Strahlen zu bringen - obwohl sich auch an diesem Vormittag die Sonne kaum zeigt. "Die Gitter an den Fenstern sind weg, die haben viel Licht genommen", sagt Theo Jörgensmann. Der auch international anerkannte Klarinettist hat 1997 Brüel zu seinem Wahl-Wohnort gemacht und einige Jahre später den Anbau am Brüeler Rathaus gekauft, um sich hier einen eigenen Ort zum Proben, aber auch für öffentliche Konzerte und Ausstellungen zu schaffen (SVZ berichtete). Die Geschichte des Hauses - Gefängnis, Genossenschaftsbank, Bibliothek und Leerstand - war für den 64-Jährigen wohl die Inspiration für den Namen "Kulturknastfenster".

Vor zwei Jahren hatte er dann mit der Renovierung begonnen, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Jörgensmann wählte den aufwändigen Weg: Der graue Putz aus den 60er-Jahren des vorigen Jahrhundert wurde abgeklopft und gab den typischen gelben Brüeler Klinker wieder frei. Auch die Fenster sind inzwischen aufgearbeitet, die Eingangstür kurz vor der Fertigstellung. Auf die früheren Gitter an den Fenstern wurde der Helligkeit wegen dann doch verzichtet, das Gitter an der Tür aber bleibt. Noch sucht Theo Jörgensmann die original Treppenstufen. "Die sind leider verschwunden. Wenn wir sie nicht finden, muss im Frühjahr neu gemauert werden", sagt er.

Mehr Glück hatte er mit den Blankenberger Ziegeln, die er bei Abrissarbeiten entdeckte. "Der Brüeler Ronald Möbius und ich haben einfach getauscht, alt und gelb gegen neu und rot und so konnten wir original Ziegeln in die Fassade einsetzen. Erst als der Putz fiel, sind die vielen kleinen Schäden im Mauerwerk zu tage gekommen", weiß er. "Man soll die Vergangenheit des Hauses sehen", zeigt sich Jörgensmann überzeugt. Auch im Innern, wo derzeit noch gewerkelt wird, folgen er und seine Frau Anne-Kathrin Lietzow diesem Kredo. Bei vielem packen sie selbst an.

Und auch hier trifft bei den Baumaterialien dann wieder Neu auf Alt und harmoniert gut. Im oberen Bereich des Hauses können sich Jörgensmann und Lietzow Vorträge und Filmvorführungen vorstellen. "Ich habe schon einige Dokumentarfilmer, die hier gern ihre Filme zeigen würden", kündigt Theo Jörgensmann an. Anne-Kathrin Lietzow lädt zudem zu einer Schnupperstunde Hatha-Yoga am 12. März um 19 Uhr ein.

Im unteren Bereich des Hauses wird hauptsächlich Musik stattfinden. Auch Jörgensmann probt hier jeden Tag. "Es ist sehr ruhig, man ist aus der Welt", schwärmt er über den Proberaum. Schmuckstück ist ein dänischer Gusseisener Ofen aus dem 19. Jahrhundert - ein Geschenk von dem Kölner Schauspieler Bernt Hahn. Beide kennen sich schon mindestens zehn Jahre, erzählt Jörgensmann. Er erinnert an eine gemeinsam gestaltete Barlach-Lesung in Güstrow und erzählt von einer Barlach-Lesung Hahns am 22. März in Klütz.

Der Ofen, der im Schwarzwald abgetragen wurde, könnte sogar wieder in Betrieb genommen werden. Noch gut eingepackt steht im Raum ein Harmonium aus dem 19. Jahrhundert, das der Brüeler vor einigen Jahren in Schwerin ersteigert hat. "Es ist noch spielbereit, hat einen Superbass und klingt wahnsinnig gut", freut er sich. Gerade erst hat der 64-Jährige acht Konzerte in Polen gegeben, gemeinsam mit Marcin und Bartomiej Oles (Bass/Schlagzeug). "In Polen gibt es viel Publikum und sehr schöne Veranstaltungsorte, größere Klubs und kleinere Theater.

Das Publikum ist gemischt durch alle Gesellschaftsschichten. Man lernt Leute kennen", beschreibt Jörgensmann und sagt, dass sich nach diesen Konzerten die Option für Auftritte in Kanada und Südkorea eröffnet hat. Immer wieder zieht es den gebürtigen Westfalen auch nach Köln zurück. Und seit zwei Monaten baut er mit weiteren zwölf bis 14 Musikern in Schwerin ein Mecklenburger Improvisationsorchester auf. Mit einem Konzert möchte sich der Klarinettist, der auf der ganzen Welt zu Hause ist, nun auch in Brüel zurückmelden.

Am kommenden Sonnabend, dem 2. März, lädt er allerdings ins Rathaus ein, weil im "Kulturknastfenster" die Renovierung noch nicht ganz abgeschlossen ist. "Der Berliner Saxophonist Frank Gratkowski wird bei uns zu Gast sein. Im ersten Teil des Konzerts wird er solo spielen, im zweiten Teil des Abends ist er dann im Duo mit mir zu hören", lädt Theo Jörgensmann herzlich zum Kommen ein.

Das Konzert im Rathaussaal in der August-Bebel-Str. 1 beginnt am Sonnabend um 20 Uhr. "Voraussichtlich im April gibt es dann das erste Konzert im ,Kulturknastfenster’. Wir wollten aber schon mal beginnen, um überhaupt in Bewegung zu kommen", begründet er. Fünf, sechs Konzerte und weitere Veranstaltungen wären vorstellbar. Die kulturellen Veranstaltungen seien auch ein bisschen Kontaktbörse, meint Jörgensmann. "Viele kennen sich in der Improvisation- und Jazzmusik aus". Er freue sich so immer wieder auch auf die Gespräche nach der Musik.

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